Der FPÖ-Chef im Kleine-TalkStrache über Heimat, Familie und 6700 Euro netto

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war als Erster im Wahlsalon der Kleinen Zeitung. Schauplatz: Knittelfeld, wo es einst Regierung und Partei zerrissen hat. Er stellte sich den Fragen der Journalisten, der "Jungen" und eines besonderen Gasts aus Nigeria. Livestream zum Nachschauen.

Erster Gast: Heinz-Christian Strache
Erster Gast: Heinz-Christian Strache (FPÖ) © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Wahlkampf, zu Mittag trat er in Leoben auf. Dann folgte Knittelfeld: Dort, konkret im Kulturhaus wurde im Jahr 2002 von FPÖ-Rebellen die VP-FP-Koalition mit Wolfgang Schüssel und Susanne Riess-Passer in die Luft gesprengt. Jörg Haider machte in der Folge aus der Partei eine "Bewegung", das BZÖ.

Heinz Christian Strache, Chef der FPÖ und deren Spitzenkandidat 2017, stellte sich im Wahlsalon den Fragen von Innenpolitikerin Claudia Gigler wie auch der "Jungen Jury": Wieder haben sich zehn junge Leute aus der Steiermark und zehn aus Kärnten gemeldet, die uns im Wahlkampf begleitet.

Die Kindheit und die Gage

Zum Start stellten die "Jungen Juroren" Lorenz Tripp (18, Hart/Graz, Student) und Christian Steinwender (19, Weißkirchen, Student) die Fragen. Also: War Straches Kindheit schwer, der Vater verließ die Familie früh?

Strache erinnerte sich: "Für ein kleines Kind war das schwer; die Bilder bleiben einem im Kopf. Aber dank meiner Mutter habe ich eine schöne Kindheit gehabt. Aus dem Wenigen hat sie das Bestmögliche gemacht". Und der Kontakt zum Vater? "Habe ich schon gesucht." Aber eine intensivere Beziehung "hat nicht sein sollen."

Neue Frage: Als Klubobmann mit 15.000 Euro Gehalt - ist es nicht dann scheinheilig gegen "Die da oben" zu wettern?
"Nein. Ich habe gearbeitet und gekämpft, im Internat gewohnt, war Lehrling. Außerdem sind es bei mir 6700 Euro netto. Das ist viel, aber ich habe auch ein Berufsverbot als Klubobmann."

Und: Strache ist ja gegen die Erbschaftssteuer, für Steuersenkungen: Ist die FP auch deshalb so attraktiv für Unternehmer und Selbstständige?
Strache: "Wir haben doch eine Reichensteuer von bis zu 55 %. Dann noch eine Erbschaftssteuer, das ist nicht fair."

Knittelfeld im Rückspiegel

Der bitterste Moment, sagte Strache über seine Politiklaufbahn, waren die Erlebnisse damals in Knittelfeld: "Jeder gegen jeden in der Partei." Anderseits: "Die Basis konnte zeigen, die Parteispitze davonzujagen, wenn sie die eigene Politik verrät". Haider gründete infolge das BZÖ.

Dass Robert Lugar (einst BZÖ) nun wieder bei der FPÖ sei, erklärte der FP-Chef so: "Er war ja kein Mandatsräuber, sondern ein Fan vom Haider. Dann wollte er wieder zu uns, aber mir fehlte das Vertrauen."
Das sei später wieder entstanden: Lugar habe auch beim Team Stronach gleiche Positionen verfolgt wie die FP.

Was Strache nach der Wahl anders als Haider machen würde? "Nur in Verhandlungen gehen, wenn man seine Politik wiederfindet." Es war auch ein Fehler, dass "der Zweite den Dritten zum Ersten gemacht hat".
Und ein "Fehler, dass der Parteichef nicht in der Regierung gesessen ist".

Der Livestream zum Nachschauen:

Das Motto: Heimat

"Mitten drin in der Heimat" war das Motto dieses Salons. Als Gast vor Ort war Fred Ohenhen, Experte für interkulturelle Bildungsarbeit in Kindergärten und Schulen, in Knittelfeld.

Wo für den Politiker Heimat ist? "Dort, wo meine Familie ist. Wo ich zur Welt gekommen bin", skizzierte Strache.
"Für mich ist es Graz und Nigeria, ich habe sozusagen zwei Heimaten", zitierte Ohenhen Arnold Schwarzenegger.

"Was tut ihre Partei für die Integration?", wollte er dann wissen. Strache meinte: "Es ist in der Regel eine Bringschuld für den, der hier leben darf." Freilich muss es Möglichkeiten geben, Deutsch zu lernen etc. Das derzeitige System (Stichwort Mindestsicherung) lehne er aber strikt ab. Außerdem sei das Versagen der EU beim Schutz der Außengrenzen groß. 

"Es braucht Menschen, die einen nicht als Problem sehen", konterte Ohenhen. Er schilderte, erst Freunde hätten ihm gezeigt, wie das in Österreich läuft. Denn vieles "was ich bis 24 gelernt habe, war in Österreich ganz umgekehrt".

Strache betonte, er werfe niemanden in einen Topf, es würde Anständige geben, egal welcher Religion und Herkunft, und jene, die dies nicht sind.

Clio-Verlag
Fred Ohenhen leistet Interkulturelle Bildungsarbeit in Kindergärten und Schulen und arbeitet auch mit der Polizei, er ist Autor des Buches "Ein Leben, zwei Welten". © Clio-Verlag

Warum hat die FPÖ dann "EU-Bauer" Manfred Tisal eingeladen, der über Flüchtlinge "als politisch legitimierte Sozialschmarotzer" geschrieben hat?

Strache sah "die Meinungsfreiheit in Gefahr", wenn "nach so etwas ein Shitstorm ausbricht."  Er sei froh, dass Tisal die FPÖ zu ihrem Fest eingeladen haben. "Ja,warum denn nicht?!", würde er dazu auch Ohenhen einladen. Der sei ihm sehr sympathisch.

Afrika und Europa

Im Grunde einig waren sich beide, dass Europa Verantwortung für die Lage in Afrika hat. "Dass Konzerne den Kontinent ausbeuten", so Strache. "Dass man den Lebensraum in Afrika zerstört", so Ohenhen. 

Auswege? Vor Ort Hilfe leisten, um Zukunfts- und Lebensperspektiven zu  ermöglichen. So lautete der Tenor der beiden.
Strache würde, auf Nachfrage, auch ein konkretes Projekt von Knittelfeld mit einer Stadt in Afrika unterstützen.

Zuvor müsste man aber dafür sorgen, dass man die Grenzen ordentlich schützt. Ohenhen sah das freilich anders.

"Doch harmonisch"

Während der gesamten Debatte tauschten sich Juroren über Whatsapp intensiv aus. Fazit laut Katja Heine: "Die Stimmung war doch sehr harmonisch". 

Heißes Eisen aus Sicht der Beobachter war das Thema "Ehe für Alle". Die Juroren meinten, die Geburtenraten würden auch bei einer legalen Homoehe nicht zurückgehen. Strache war anderer Ansicht.
So oder so: Würde ihm seine Tochter eröffnen, eine Frau zu lieben und diese heiraten zu wollen, dann "ist das zu respektieren. Sie ist eine eigenständige Persönlichkeit." Nur wisse Strache, dass "sie auf Buam steht".

PS: Das nächste Mal heißt es im Wahlsalon "Mittendrin in Europa" - mit Ulrike Lunacek (Grüne), am 16. 9. in der FH Villach, Audimax. Die Debatte wird im Livestream gezeigt.

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Lodengrün
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Berufsverbot

Ja was könnte er denn noch tun? Als Zahntechniker hat er Schiffbruch erlitten. Vielleicht wäre da noch als Wahlzucketlverteiler einige Tausend Euro drin, das wärs dann aber auch.

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office1
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sieht wohlgenährt aus

Herr HC Strache. Nicht mehr jugendlich.
In einem hat er Recht: Selbst gewählte, d. h. freiwillige Überfahrten nach Europa und dann einen Anspruch stellen auf Gerettetwerden, kann es nicht sein. Wir können nicht dauernd retten, retten und aufnehmen, aufnehmen. Die Grünen sind in dieser Hinsicht unglaubwürdig, Pilz hat das begriffen.

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Irgendeiner
9
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Ja, Office, so ist das natürlich,da bist also

in Libyen, dort sperren sie dich in Lager,dann vergewaltigen sie Dich, passiert auch Manderln,foltern Dich, versklaven Dich und manchmal bringens den einen oder anderen auch um.Aber wie das so ist, office,zwar will alle Lust Ewigkeit aber Wiederholungen langweilen und deshalb sagst Dir dann eines Tages, es war sehr schön,hat mich sehr gefreut, aber jetzt mach in was anderes,das ewige Vergewaltigtwerden wird fad, ich setzt mich einfach mal in ein wackeliuges Schninnakel und laß mich retten, wird a Gaude.Was Pilz begriffen hat weiß ich nicht aber ich hoffe Du hast verstanden was ich Dir sagen will,sonst probier ichs schärfer.

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Patriot
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Die 55% gelten aber vor allem für Lohnempfänger!

Die Steuern auf Gewinnen aus Finanztransaktionen und div. anderen Geschäften sind viel geringer!

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raspel
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Der Begriff "Heimat"..

..hat durch die FPÖ inzwischen einen unangenehmen Nebenton erhalten.

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KleinerGrisu
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@raspel

warum?

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knapp
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Recherche der jungen Jury

Ich bin absolut kein Freund von Hr. Strache.
Aber was da gegen Schluss der Diskussion von der jungen Jury vorgebracht wurde war gelinde gesagt "sehr schlecht".
Marshallplan Hilfe berechnen, "Ziehvater" Küssel, Straches Mutter mit einer Homosexuellen-Ehe vergleichen.
Nicht genügend recherchiert - setzen!
Da macht sich Strache - fast zurecht - Sorgen um die Zukunft unsere Studierenden.

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SoundofThunder
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🤔

6700€ Netto?? Zuwenig!!!

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sunfredo
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Figuren im Hintergrund

Bitte schalten sie die Figuren im Hintergrund weg, das ist unerträglich!

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tannenbaum
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Darf Strache sich die Fragen wohl selbst stellen und darf er seine Wahlkampfsprücherl wohl ungehindert aufsagen? Ansonsten Drehen die blauen Kapfposter in der Krone wieder komplett durch!

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zyni
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Es gibt keinen Grund mehr FPÖ zu wählen,

die Themen werden auch von anderen Parteien behandelt.
Außerdem, man muss sich nur an die letzte Regierungsbeteiligung erinnern.....

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penunce
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Ja das stimmt!

Die Parteien spö und auch övp haben die Themen der FPÖ nahtlos übernommen, aber wer will schon den/die Böcke zum Gärtner machen?

Zuerst haben sie alle Zudringlinge unkontrolliert in´s Land gelassen, aber jetzt vor der entscheidenden Wahl wollen sie "Ordnung" machen nah Anordnung der FPÖ!
Sie werden das sehr schnell wieder ändern wollen, ABER ERST NACH DER WAHL!

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unterhundert
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Sie glauben wohl nicht,penunce,

das dies unter FPÖ Führung anders gelaufen wäre? Die Grenzen waren offen, die Absperrungen können nicht einmal Rapid-Fans aufhalten. Dies wäre so uns so passiert. Das schlimme dabei war, dass diese Leute dann ungehindert ohne Papiere durch unser Land laufen konnten.

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KleinerGrisu
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Geschlafen?

@unterhundert: man hat bereits Monate vor Beginn der Flüchtlingsströme gewusst, dass da eine Menschenlawine zu rollen beginnt. Zu diesem Zeitpunkt wäre zu reagieren gewesen. Und JA - das hätte ich einer anderen Regierung zugetraut.

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sapientia
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Die Termingestaltung der KlZ für diese Gespräche hat schon einiges für sich:

"Mit Sebastian Kurz (Liste Sebastian Kurz – die neue ÖVP) reden wir am 6. Oktober (voraussichtlich) in Spielfeld über die Lage an Österreichs Grenzen."
Dieses letzte Gespräch mit den Listenführern, eine Woche vor dem Wahltermin, soll wohl auch angesichts des Themas einen letzten Schub für die Wahl der hellblauen Kurz-Partei bringen!
Besser wäre gewesen, ihn bezüglich seiner schon 6 Jahre dauernden Verdienste für (und nicht gegen) die Integration von Flüchtlingen in Österreich zu befragen - aber andererseits: 60 Minuten Schweigen oder nur Schwafeln wären nicht im Sinne des Veranstalters ;-)

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tomtitan
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uiuiui - er nimmt wieder das pöhse wort "Heimat" in den mund!


da werden hier wieder einige vor zorn schäumen...

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Eyeofthebeholder
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@tomtitan: Das Problem ist ja nicht dass er es in den Mund nimmt,

sondern dass er es aufs übelste missbraucht!

Wenn Strache oder sonst ein Blauer das Wort "Heimat" in den Mund nimmt, rollt es jeden aufrichtigen Österreicher und Demokraten die Zechennägl auf.

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KleinerGrisu
3
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@eyeofthebeholder

Warum?

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Irgendeiner
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Tja Knittelfeld,ein historischer Boden, naja, keine Völkerschlachten dort

aber ein böses Scharmützel gabs da in der blauen Geschichtsschreibung,als Knittelfeld zu Knüppelfeld wurde und welche ihrem Kulturhaß durch Zerreißen bedruckten Papiers Ausdruck verliehen,man lacht.Und Herr Strache,ehrlich, ich würde mir lieber ganzjährig eine Narrenkappe aufsetzen als sie zu wählen,wär für mich weniger beschämend und doch ein offenes Wort für Sie.Erinnern sie sich was dann da war, als sie einem grenzenlosen Opportunisten gegenüberstanden, der ihnen in die Hand versprach, es würde keine Parteispaltung geben,so wie er Steger einst in die Hand versprochen hatte es würde keine Palastrevolution geben und dann die eigenen Abgeordneten belog , Vranitzky hätte die Fortsetzung des Koalition versprochen um es doch tun zu können, erinnern Sie sich Herr Strache? Wissen Sie Herr Strache, Sie haben schon erfahren wie Opportunisten sind, denken und handeln und vielleicht Herr Strache, haben Sie navch der vWahl den Eindruck, daß sie dann mit Kurz weitaus mehr ihrer Ideen durchsetzen können, die ich nebenbei gesagt größtenteils für abscheulich halte,ich Herr Strache würde dann oft drüber schlafen und mir das mehrfach überlegen,Sie wissen ja schon was Ihnen da gegenübersteht.

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