Junge Französin im Iran hat Todesangst
24-Jährige soll ihre Teilnahme an einer "westlichen Verschwörung" gestanden haben: "Ich bereue mein Tun aufrichtig!"

Foto © APDie Französin Clotilde Reiss steht in Teheran vor Gericht
Ungeachtet aller internationalen Proteste gehen die Schauprozesse im Iran weiter. Wie berichtet, wurden neben Hunderten Regimekritikern auch eine junge Französin sowie zwei Mitarbeiter der französischen und der britischen Botschaften in Teheran vor Gericht gestellt. Das Gericht klagte sie an, die Proteste nach der Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad geschürt zu haben.
Clotilde Reiss, die 24-jährige Französin, und die zwei Botschaftsangehörigen seien demnach "Teil einer westlichen Verschwörung, deren Ziel der Sturz der islamischen Führung ist". Unabhängige Medien und Beobachter haben keine Zutritt zum Gerichtssaal im Revolutionsgerichtshof in Teheran. Daher gibt es zwar Bilder, die zeigen, wie die Angeklagten vor Mikrophonen ihre Aussagen machen, aber was sie tatsächlich sagen, ist unklar.
Todesstrafe droht
Clotilde Reiss hat sichtlich Angst. Blass und ernst verfolgt sie ihren Prozess. Bei einem Schuldspruch droht ihr die Todesstrafe!
Am 1. Juli war sie in der Stadt Isfahan, wo sie seit vier Monaten Französisch unterrichtet hatte, verhaftet worden. Ja, sie habe an Protesten gegen die Wahl Ahmadinejads teilgenommen, soll sie gestanden haben; ja, sie habe der Kultur-Abteilung der französischen Botschaft in Teheran einen Bericht über die Demonstrationen zukommen lassen. "Ich hätte nicht an den Protesten teilnehmen sollen", habe Clotilde Reiss ausgesagt. Und: "Ich bereue mein Tun aufrichtig und entschuldige mich beim iranischen Volk und dem Gericht!"
Die EU kritisiert den Prozess scharf. Der schwedische EU-Ratspräsident Carl Bildt stellte gestern klar: "Jede Handlung gegen einen Mitgliedsstaat der Europäischen Union, einen Bürger oder Botschaftsmitarbeiter wird als Handlung gegen die gesamte EU betrachtet!"
Features
Fakten
Am Samstag vor einer Woche hatte eine erste Prozessrunde gegen
etwa 100 bekannte Regierungskritiker begonnen. Ihnen wird
vorgeworfen, sie hätten durch Rolle bei den Protesten die nationale
Sicherheit gefährdet. Dies könnte mit dem Tode bestraft werden. Die
Opposition sprach von einem Schauprozess.
Die Angeklagten waren im Zuge der Proteste gegen den Ausgang der
Präsidentenwahl am 12. Juni festgenommen worden. Die Reformbewegung
um Moussavi und den ebenfalls unterlegenen Präsidentschaftskandidaten
Mehdi Karroubi wirft den Behörden Wahlfälschung zugunsten von
Amtsinhaber Ahmadinejad vor.



