''ORF-Manipulationsskandal''FPÖ will sich an Medienbehörde wenden

Nach dem umstrittenen TV-Beitrag über den blauen Tiroler Spitzenkandidaten Abwerzger schießt sich die FPÖ weiter auf den ORF ein. Nun will man sich an die KommAustria wenden.

ORF-STIFTUNGSRAT
© APA/HERBERT NEUBAUER
 

Die FPÖ schießt sich nach der Aufregung um einen TV-Beitrag im Tiroler Landtagswahlkampf weiter auf den ORF ein. Der freiheitliche Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein ortete am Sonntag einen "ORF-Manipulationsskandal" und kündigte an, dass man sich an die Medienbehörde KommAustria wenden wird. "Der aktuelle Fall reiht sich in eine Fülle von Vergehen und Gesetzesbrüchen im ORF in jüngster Zeit ein."

Der Wirbel dreht sich um einen TV-Beitrag von Freitagabend, in dem der blaue Tiroler Spitzenkandidat Markus Abwerzger bei einem Wahlkampftermin scheinbar widerspruchslos antisemitisches Gedankengut zur Kenntnis genommen hatte. Er bestritt dies, und eine schließlich vom ORF nachgereichte modifizierte Version bestätigt auch, dass Abwerzger dem Mann sehr wohl widersprochen hatte.

Aufregung um Beitrag über FPÖ-Tirol

Abwerzger fordert Entschudligung

Abwerzger verlangte eine Entschuldigung und "nachweisliche Konsequenzen" im öffentlich-rechtlichen Sender. Bewusst Stellungnahmen wegzulassen, sei "letztklassig". ORF Tirol-Chefredakteurin Brigitte Gogl zeigte sich über die Forderung nach einer Entschuldigung dagegen "verwundert", mit der neuen Version des Beitrags betrachte man die Sache als "erledigt".

Die Freiheitlichen sehen das anders. Man will die Causa im Stiftungs- und Publikumsrat behandeln, außerdem kündigte Mediensprecher Jenewein an, sich an die Medienbehörde KommAustria zu wenden, da die FPÖ "massiv geschädigt wurde". Jenewein findet mit Verweis auf die Anmoderation, dass in der "Tirol heute"-Sendung Samstagabend "einmal mehr falsch missverständlich und manipulativ berichtet" worden sei.

Am meisten ärgere ihn die fehlende Entschuldigung, meinte Jenewein im APA-Gespräch: "Es hätte ein Satz der Entschuldigung genügt, und wahrscheinlich hätten wir es dann darauf beruhen lassen." Er sieht auch Generaldirektor Alexander Wrabetz gefordert, der schließlich letztverantwortlich dafür sei, was im Unternehmen passiere.

"Abschaffung der ORF-Zwangsgebühren"

Dass man den aktuellen Fall nutzt, um die altbekannte blaue Forderung nach einer "Abschaffung der ORF-Zwangsgebühren" zu trommeln, wie es etwa Parteichef Heinz-Christian Strache in der Tageszeitung "Österreich" (Sonntag-Ausgabe) abermals tat, sieht Jenewein nicht unbedingt so: "Das hat ja damit überhaupt nichts zu tun." Man hinterfrage aber sehr wohl die "Strukturen des Systems". Es habe in den vergangenen Wochen mehrere Fälle gegeben, wo sich der ORF "nicht anständig benommen" habe, meinte Jenewein. Ihm könne im ORF keiner vorwerfen, nicht die Hand ausgestreckt zu haben - "aber wenn diese Hand laufend weggeschlagen wird, dann braucht man sich nicht wundern, wenn's dann wirklich eskaliert".

Auch der ÖVP-Stiftungsrat und Leiter des bürgerlichen Freundeskreises, Thomas Zach, meldete sich am Sonntag zu Wort, sieht er doch "durch die Fehler der letzten Wochen" das höchste Gut, die Glaubwürdigkeit, "in Gefahr". Der ORF müsse "für exzellenten, objektiven und unabhängigen Journalismus" stehen, betonte Zach gegenüber der APA. Die nunmehrige "Performance-Schwäche ist ein starkes Indiz für ein Führungsproblem", befand er. Auch Zach sieht Generaldirektor Wrabetz "jetzt gefordert", dieser werde dem Stiftungsrat "erklären müssen, wie er dieses Problem löst". Der Stiftungsrat tritt das nächste Mal am 22. März zusammen.

Kommentare (21)

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umo10
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Hüben wie drüben

Es ist das Eine (Lieserbuchaffäre) und das Andere ( wegschneiden von wesentlichen Dementi) absolut nicht in Ordnung und Bedarf lückenloser Aufklärung! Es sind öffentliche Ämter und die müssen öffentlich abgehandelt werden.

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Sepp57
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Die FPÖ kämpft


halt immer gegen die Lügenpresse. Und natürlich gegen das Establishment. Und der Strache ist der Retter der Freiheit. Und es gibt sogar Leute in diesem Land, die glauben das! Das ist das Unglaubliche!
Was aber die FPÖ gerne mit dem ORF machen möchte, ist doch nur das, was sie derzeit auch gerade bei der ÖBB machen . . .

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tannenbaum
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Die armen, lieben Blauen

fühlen sich wieder schlecht behandelt vom ORF! Die tun mir eh sooo leid! Ihr müsst halt so vorgehen, wie beim ÖBB Aufsichtsrat, dann habt ihr russische Zustände und euren gewünschten Partei-Jubelsender! Das werdet ihr wohl hinkriegen in nächster Zeit! Und dann alle noch einigermaßen unabhängigen Zeitungsredaktionen auf Linie der Kr..ne bringen, dann ist der Umbruch geschafft! Glück auf!

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SoundofThunder
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Wenn die FPÖ sich an die Medienbehörde wenden will:

Warum beschwert sie sich nicht über die Krone,OE24 und Heute? Warum wenden sich die Roten nicht an die Medienbehörde wegen der Hetzkampagne der Krone gegen Rot/Grün?

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Lisa-Anna
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Volksempfänger

Es läuft alles darauf hinaus, dass ein "Volksempfänger" kommt.
Alle Mitbürger, deren Gehirn noch nicht umnebelt ist, sollten sich dann erheben!

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markus144
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....

Prinzipiell sehe ich die ÖVP-FPÖ Regierung überkritisch und auch den Liederbuchskandal empfand ich alles andere als eine "Lappalie" , aber was sich der ORF hier geleistet hat ist ein schlechter Witz.
Vor allem versteht man scheinbar nicht, dass man damit der FPÖ genau das gibt was sie wollen...

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schadstoffarm
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Medienbehörde wird nicht viel bringen

besser Orban fragen wie man Staatsfunk und Printmedien auf Linie bringt.

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gerhard1224
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Das ist ein richtiger Schritt

Es gibt ja so etwas wie eine redaktionelle Sorgfaltspflicht. Die ursprüngliche Schnittfassung hat ja dazu geführt dass die SPÖ reflexartig den Rücktritt des Kandidaten gefordert hat. Der Kurier ortete einen "Nazi-Skandal". Dieser Vorfall muss - im Sinne des ORF - aufgeklärt werden. WARUM wurde der Beitrag nicht ganz ausgespielt. WAS war der Grund dafür. (Schlamperei, Inkompetenz, falsche Einschätzung etc. etc.) Das verlange ich schon als Gebührenzahler. Ich will Transparenz. Ich will wissen, warum dieser Beitrag geschnitten wurde.

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schadstoffarm
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irgendwo muss die Schere das relevante vom Rest trennen

sonst hast Reality-TV, Scripted Reality, Dokusoap oder Dauerwerbesendung.
Und gewonnen wurde mit dem neuen Schnitt auch nichts: dem Abwerzger ist erst eingefallen etwas zu sagen als der Federspiel den Pimpf zurechtwies.

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Irgendeiner
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Ja Gerhard, da war ein Fehler und

der Fehler hat Abzwerger geholfen,der ORF sollte die Werbung verrechnen.

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gerhard1224
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irgendeiner

Na ja, die Chefredakteurin hat aber gesagt, dass es sich bei der Journalistin die den Beitrag zu "verantworten" hat um eine erfahrene Kraft handelt, die weiß wie sich Schnitte auswirken. (Stand gestern in der KLZ - sinngemäß nicht wörtlich) Und da sollte man das schon untersuchen, warum dem ORF dieser "Skandal" passiert ist. Die Reaktionen waren ja eindeutig. Politiker werden gewählt und abgewählt, Chefredakteure etc. eher nicht. Und da muss es schon eine Kontrolle geben, warum nicht? Und wie kommst du darauf, dass das jetzt Abwerzger geholfen hat? Woher weißt du das. Oder vermutest das nur?

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Irgendeiner
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Weil die sich endlich wieder in der Opferrolle suhlen können,

bei den Liederbüchln ist das ja schwer in die Beinkleidung gegangen.Und das Problem ist nicht, Gerhard, daß da ein Schnitt zu einer Mißinterpretation geführt hat, ich wette derselbe Schnitt hätte bei einem roten Politiker keine Diskussionen ausgelöst,sondern daß man bei einer Sache die zu einem Präsentationsfehler führte und der sofort berichtigt wurde jetzt Vorsatz und Absicht unbewiesen unterstellt und das ist typisch blau.

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schteirischprovessa
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Das ändert nichts an der Tatsache, dass bei ORF in der heutigen Form

ein gewaltiger Maßnahmenbedarf herrscht. Da meine ich nicht das Umfärben von Rot auf Blau-Türkis, da meine ich eine echte Entpolitisierung. Doch den roten Einfluss werden SPÖ und Gewerkschaft wohl mit Klauen und Zählen verteidigen.

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SoundofThunder
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Jetzt können die wieder ihre Lieblingsrolle spielen:

Die Opferrolle! Was hat die FPÖ via Facebook ausgeteilt und Unwahrheiten verbreitet! Beim Austeilen sind sie Groß beim Einstecken (ausgenommen Kuvertscherln) klein. Typisch für Despoten.Jetzt wird aus einer Mücke Medienwirksam ein Elefant gemacht um sich als Opfer linker Propaganda darzustellen um von den jüngsten Skandalen der FPÖ abzulenken.Recht einfach zu durchschauen dieses Ablenkungsmanöver.

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altbayer
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Stalinist

Ich möchte den Aufschrei hier hören, wenn Herr Magister Kern mit einem Altkommunisten vor Kameras spricht, der von der tollen Zeit unter Stalin weit hinterm eisernen Vorhang spricht .....
.... und dann sieht man im Fernsehen nur das anerkennende Nicken des Magisters- und die eigentliche Antwort wird nicht gesendet.
Das wäre dann auch Manipulation der Medien, oder?

Die Mücke wurde von den Medien schon zum Elefanten gemacht, als das Ende des Interviews noch nicht bekannt war, - nur hat da die linke Reichshälfte gejubelt, weil wieder ein brauner Skandal vor dem Wahlen im "Heiligen Land" im Anrollen ist.
Ich (denke) befürchte, dass sich nach dieser dummen, bewussten Aktion eines Tiroler ORF-Redakteurs die FPÖ in Tirol fast verdreifachen wird.
Das die FPÖ diese Aktion ausnutzen wird, ist auch klar. Diese Aktion passt genau in die derzeitige ORF-Diskussion, das ist auch klar- das würden aber alle Parteien so machen.

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Planck
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Das Problem ist leicht zu lösen.

Ein paar Purschischafter werden wir doch noch auftreiben können, die garantiert objektiv und kompetent sind. Auf Anhieb fällt mir da z. B. Dr. Johann Überbacher ein, der vor gar nicht langer Zeit bei RussiaToday fulminant reüssiert hat ^^

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compositore
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@plank

Na ja, ein paar Purschischafter lassen sich schon auftreiben, aber wo nehmen wir ein Pendant zum ORF her, ohne Links-Rot-oder Sonst-etwas-Blick.

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VwieVendetta
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Und was

hat das jetzt mit der aktuellen Sache zu tun?
Ist halt schwierig sich mit einem konkreten Fall zu beschäftigen.
Somit bleibt von ihrem Posting nicht als Geschwafel.

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Planck
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Nun, mein rachsüchtiger Sith,

ich bin ja nett, deswegen helfe ich Ihnen, da ich ja weiß, dass Lesen und Verstehen zwei unterschiedliche Dinge sind und es mancherorts schon an Ersterem hapert.

Jenewein: "Man hinterfrage aber sehr wohl die "Strukturen des Systems".
Zach: Die nunmehrige "Performance-Schwäche ist ein starkes Indiz für ein Führungsproblem", befand er.

Aber gut, das steht ziemlich zum Schluss, die Aufmerksamkeitsspanne eines Durchschnitts-Effen ist da schon bei Weitem überschritten *g

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Adler48
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ORF Berichterstattung

Diese offensichtlich manipulative politische Berichterstattung des ORF ist schlichtweg unfassbar und unerträglich. Die SPÖ wird hofiert und die ÖVP/FPÖ wird in den Dreck gezogen. Und die GIS Zwangsgebührenzahler dürfen dieseManipulationen auch noch bezahlen!

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max13
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Für die Wahrheit gibt es keine Entschuldigung.

Das Spiel der blauen ist grauenhaft.
Sie kommen mit dummen Forderungen um von ihren gaunereien abzulenken.

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