Chef der "Liste Pilz" im Kleine-TalkPilz: "Schlechtere SPÖ kann man nicht sein und die bessere will ich nicht sein"

"Mittendrin in einem sicheren Leben": Peter Pilz sprach im Kleine-Talk über seine Heimatstadt, Eurofighter, legale Fluchtwege und Angebote an junge Wähler. Die komplette Diskussion jetzt zum Nachschauen.

Peter Pilz im Kleine-Talk
Peter Pilz im Kleine-Talk © Fuchs
 

Als Parlamentarier ist Peter Pilz ein alter Hase. 1986, vor mehr als 30 Jahren, zog Pilz als Abgeordneter für die Grüne Alternative in den Nationalrat ein. Als Aufdecker hat er sich einen Namen gemacht. Nun rittert er mit eigener Liste um den Einzug ins Parlament.

In der Musikschule Kapfenberg stellte er sich den Fragen von Claudia Gigler (Kleine), Militär-/Sicherheitsexperte Gerald Karner sowie den Mitgliedern der "jungen Jury" rund um Sara Schmidt, Martin Christian Huber und Benedikt Quinz. "Mittendrin in einem sicheren Leben" war das Spezialthema dieser Veranstaltung.

Willy am Balkon

Der heute 63-Jährige Peter Pilz kam in Kapfenberg zur Welt. Wie hat sich seine Stadt verändert?, wollte Juror Huber (Physik-Stundent) wissen: "Kapfenberg war die reichste Stadt Österreichs, niemand kann sich erinnern, dass da mal 11.000 Leute gearbeitet haben". Das war auch politisch interessant: "Am 1. Mai stand der Kapfenberger Bürgermeister am Balkon, die Festrede hielt der Willy Brandt."

In diesem Klima, der Vater war Vizebürgermeister, wuchs Pilz auf. "Ich hatte das Glück zweier politischer Eltern. Bei uns wurde immer diskutiert. Davon profitiere ich bis heute, wie wenn man zuhause musiziert." Gestritten, auch mit dem Vater, hat er viel. Einig war man sich gegen die Nazis.

Daher hat sich Schüler Peter "mit 14 Jahren nicht gefallen gelassen, das ein Lehrer Nazipropaganda machte." Er ging zum Direktor, der Professor musste sich entschuldigen.

Keine bessere SPÖ

Jahrzehnte später tritt er mit eigener Liste an: Sieht sich diese als bessere SPÖ oder als linkere Fraktion? Pilz: "Die schlechtere SPÖ kann man nicht sein und die bessere will ich nicht sein." Sie habe zum Teil sehr gute, aber sehr alte Antworten. Seine Liste hingegen hat kein klassisches Parteiprogramm. Es gehe ums Wiederherstellen von Vertrauen, um die  Kandidaten. So liegt "der Fokus einer meiner Kandidaten auf Verdoppelung der Wissenschaftsmittel und auf einem eigenen Wissenschaftsministerium." Nach fünf Jahre werde man sehen, was gelingt.

Die Grünen

Warum blieb er dennoch lange bei den Grünen? "Die waren doch eine wichtige Partei, haben einiges zusammengebracht." Aber am Ende "haben wir uns auseinandergelebt."
Ein Beispiel: "Die Grünen waren die Spiegelpartei der Blauen. Wenn die FPÖ meinte 2 und 2 ist 4, war die Grüne Antwort, das ist 287."  Er war und ist aber überzeugt: "Die Protestwähler entscheiden die Wahlen, warum sollen wir die den Freiheitlichen überlassen?"

Das führte freilich zu Pilz strittigem "Österreich zuerst"-Papier. Pilz schwächte ab, der Titel war dazu gedacht, "um meine Freunde zu pflanzen". Eine andere Version hieß "Europäer werden".  

Legale Migration 

Er dachte sich damals "die Geschichte mit den offenen Grenzen geht nicht. Ich war in Jordanien, im größten Flüchtlingslager und habe daraus Ideen entwickelt."Die Grundidee: "Wenn wir nur illegale Möglichkeiten zur Migration haben, dann kommen nur die stärksten, meist junge Männer. Da wird die Integration teils schwierig."
Ergo schaffen "wir legale Fluchtwege, alle müssen sich einem Verfahren unterziehen und vorbereitet werden." Nur legale Fluchtwege seien ein Motiv für Menschen zu warten.

 Und die Jungen?

"Aber wo ist das Angebot an junge Wähler wie uns?", wollte Jurorin  Schmidt (22) wissen?
"Meine sechs jungen Kandidaten sagen: Das größte Problem ist der Arbeitsmarkt für junge Menschen, sind Praktika, Scheinselbstständige, ... Von zwei Generationen haben etliche Menschen keine Chance auf eine reguläre Arbeitsverhältnisse."
Dann käme die Ausbildung: Das Verhältnis der Studenten zu den Professoren müsse sich bessern. Und die Lehre gestärkt und ausgedehnt werden. "Nicht zu vergessen der Bereich Wohnen", drängt Pilz etwa auf weniger befristete Mietverträge.    

Im Spiegel der "jungen Jury"

Der „G'schichtlerzähler“ Peter Pilz beeindruckte die junge Jury: Geschichten von der Jugend in Kapfenberg, von den Anfängen seines politischen Tuns, von den Hunderten Stunden, die er mit Eurofighter- und anderen Skandalen verbrachte. „Er beantwortet alle Fragen mit persönlichen Erzählungen, damit will er sicher zeigen, wie viel Erfahrung er hat.“ Dass er den Umstand, dass seine Liste kein Parteiprogramm hat, damit begründet, „dass es die Leute nicht interessiert“, fand Eva „seltsam, aber zumindest ehrlich“.

Den Ärger des Abgeordneten über den Umstand, dass er nicht zu den TV-Duellen des ORF geladen ist, verstehen die Jungen, relativieren aber auch. Markus stellt fest: „Bei sechs Parteien wären es schon 15 Duelle, bei zehn gar 45 - da sei es begreiflich, dass der ORF bremse, auch wenn die Argumente manchem Kandidaten nicht schmeckten.

Beobachtungen und Zwischentöne: Konstantin hörte zwischendurch nicht nur zu, sondern schaute auch genau hin und stellte amüsiert fest: „Er macht die Merkel-Raute, ist das eine versteckte Botschaft?!“

Und auch Ziyad achtete auf Zwischentöne: „Ein sehr angenehmes Gespräch. Bei unangenehmen Fragen versucht er, mit Humor auszuweichen.“

Die unaufgeregte Diskussion zum Thema Migration kam gut an. Eva: „Eine ausgewogene und rhetorisch gute Analyse von Problemen statt einfacher Schuldzuweisungen. Allerdings fehlen mir manchmal die Lösungsansätze - das Parteiprogramm geht mir da schon ab.“ Wer garantiere einem, dass die Truppe beisammenbleibt, wenn sie ideologisch nichts verbindet, fragt sich die junge Jury.

Das Angebot für die Jungen erfragt Sara, und Pilz fragt zurück. Dass sie seine Punkte -das Bemühen um eine Lage der Generation Praktikum, um eine bessere Ausbildung an den Universitäten - ergänzt um die Aufwertung der Lehre findet er gut und nimmt er gleich auf.

Bilanz von Christian und Lorenz: Ein tiefgründiges und sachliches Gespräch. „Rot, Grün und vielleicht auch die FPÖ können froh sein, dass Peter Pilz nicht mehr Fernsehzeit zusteht.“

Beschaffungsvorgänge neu

Sicherheitsexperte Gerald Karner beleuchtete mit Pilz die Folgen des Eurofighter-Skandals. Eine begleitende, externe Kontrolle bei Beschaffungsprozessen ist für ihn zentral. Diese dürfe nicht in der Hand des Verteidigungsministers liegen. Ist Korruption nicht zwangsläufig eine Begleiterscheinung bei so großen staatlichen Investitionen? In der Vergangenheit ja, sagt Karner. "Aber das ist abzustellen, da stimme ich mit Pilz völlig überein."

Was ihn wirklich störe, sei, dass viele Konflikte der Politik "auf dem Rücken der Landesverteidigung" ausgetragen würden. Pilz ergänzt: Das Verteidigungsministerium solle überhaupt nur das Pflichtenheft erstellen. Die Ausschreibung solle durch das Finanzministerium, die Finanzprokuratur erfolgen, die Prüfung wieder durch die Experten, eine gemischte Kommission aus Verteidigungs- und Finanzministerium. Und die Verhandlungen selbst dürfe nur die Finanzprokurator führen. "Wenn sie dann zwei, drei Spitzenbeamte kaufen, können sie das Verfahren trotzdem nicht mehr entscheidend beeinflussen."

Kommentare (2)

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mapem
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Tja, mit Peter Pilz …

haben die Grünen wohl den letzten Anker in den Boden der Realität gekappt … ob das nicht bereits der erste Schritt zum politischen Suizid war, wird der 15. Oktober zeigen …
Erst wenn man´s nicht mehr hat, was man ganz selbstverständlich hatte, wird es offensichtlich, was man da hatte …

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BernddasBrot
0
8
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er ist eine Alternative

zu all diesen sinnlosen Versprechungen und zu dieser realitätsfernen Gruppe um Lunacek.....

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