Die Wahlprogramme im Vergleich, Teil 1Von Kindergarten bis Hörsaal: Die Bildungs-Visionen

Welche Pläne die Parlamentsparteien SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne und Neos für Kindergärten, Schulen und Unis haben.

THEMENBILD: SCHULE/SCHULREFORM/AUTONOMIEPAKET
© APA/HARALD SCHNEIDER
 

Für die Neos ist es ihr Herzensthema: die Bildung. Parteichef Matthias Strolz zieht mit der Forderung "Flügel heben" durch die Lande. Die Potenziale aller Kinder sollen ausgeschöpft werden. Da wird ihm kein politischer Gegner widersprechen. Wie das aber funktionieren soll, darüber scheiden sich die Geister.

Wir geben einen Überblick über die bildungspolitischen Themen und die Positionen der Parlamentsparteien dazu:

Was ist das Beste für die Kleinsten?

Kürzlich wurde beschlossen, den Bund-Länder-Vertrag über den flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung zu verlängern. Es gibt in diesem Bereich aber auch andere Baustellen, wie das zweite verpflichtende Gratis-Kindergartenjahr. Nur die FPÖ ist dagegen.

 

Zweites verpflichtendes Gratis-Kindergartenjahr
SPÖJawichtig vor allem für Kinder mit integrativem und/oder sprachlichem Bildungsbedarf
ÖVPJafür Kinder, deren Bildungs- bzw. Deutschniveau für die Schule nicht ausreicht
FPÖNeinEinschränkung der Autonomie der Eltern
GrüneJaoptimale Vorbereitung auf den weiteren Bildungsweg für alle Kinder
NeosJabei Sprachproblemen

Einigkeit besteht zwischen SPÖ, Grünen und Neos auch darüber, dass Kinder ab dem 1. Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz haben sollen. Parteiübergreifend fordert man eine höhere Qualität der Elementarpädagogik.

Gesamtschule, Ganztagsschule und die Sache mit der Sprache

In Österreich besteht nach wie vor das differenzierte Schulsystem, wo Kinder nach der Volksschule zwischen Gymnasium oder Hauptschule (HS) beziehungsweise Neuer Mittelschule (NMS) wählen müssen. Soll das so bleiben? Nicht alle sind für eine gemeinsame Schule für alle 6- bis 14-Jährigen.

 

Gesamtschule
SPÖ JaEntscheidung über den weiteren Bildungsweg erfolgt mit 9 oder 10 Jahren zu früh
ÖVPNeinstattdessen Schnittstellen zu Gymnasium, HS u. NMS verbessern
FPÖNeinwürde Nivellierung der Anforderungen nach unten bringen
GrüneJafrühkindliche soziale Selektion beenden
Neos Jaautonome Mittelschulen für alle, Mittlere Reife am Ende

Im Gegensatz zur Gesamtschule sind sich die Parlamentsparteien bei der Ganztagesschule einig: Sie soll ausgebaut werden.

Ganztagsschule
SPÖJabessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bessere Lernerfolge, weniger Nachhilfe
ÖVPJaauf freiwilliger Basis
FPÖJaauf freiwilliger Basis, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
GrüneJafördert schülergerechte Gestaltung des Tagesablaufs, Erledigung der Hausübungen in der Schule
NeosJaauf freiwilliger Basis, pro Schulstufe mind. eine Klasse in Ganztagsform, verschränkte Lern- und Freizeitphasen

Seit zunehmend Flüchtlingskinder in Österreich eingeschult werden, liegt der Fokus auf der vorschulischen Bildung, und dabei geht es vor allem um das Beherrschen der deutschen Sprache. Die ÖVP hat mit ihrer Forderung "Deutsch vor Regelschulbesuch" aufhorchen lassen. Nicht alle Parteien sind damit einverstanden.

Extraklassen für Schüler mit geringen Deutschkenntnissen
SPÖNeinschlecht für die Integration, stattdessen 5.000 neue Lehrer und Hilfskräfte
ÖVPJaRegelschulbesuch nur mit guten Deutschkenntnissen
FPÖJaverpflichtende Deutsch-Vorschulen ab dem 4. Lebensjahr
GrüneNeinKinder lernen voneinander, gemeinsames Lernen fördert die Integration, stattdessen mehr Lehrpersonal
NeosNeinnur temporär, wenn etwa 30 % der Schüler einer Klasse nicht (ausreichend) Deutsch sprechen

Freier Hochschulzugang versus Studienqualität

Die österreichischen Unis haben in internationalen Rankings kaum etwas mitzureden (keine einzige ist unter den Top 100), viele Lehrveranstaltungen sind heillos überrannt, auf einen Lehrenden kommen im Schnitt 120 Studenten. Zum Vergleich: An der ETH Zürich beträgt die Betreuungsrelation 1:15.
Aber: Bei uns darf jeder Maturant studieren. Aufnahmeprüfungen gibt es allerdings in überlaufenen Fächern wie Medizin, wo die Anzahl der Bewerber jene der verfügbaren Plätze um ein Vielfaches übersteigt. Nun steht im Raum, den Hochschulzugang zugunsten der Studienqualität einzuschränken.

 

Zugangsbeschränkungen an den Universitäten
SPÖJaaber keine sozialen Hürden (Studiengebühren), sondern Aufnahmetests
ÖVPJazur Reduzierung der Drop-Out-Rate, Verkürzung der Studiendauer
FPÖ NeinMatura als einzige Zulassungsvoraussetzung für Österreicher, Studiengebühren für Nicht-Österreicher
GrüneNeinstattdessen gezielte Studienwahl (fächerübergreifende Orientierungsphasen zu Studienbeginn)
NeosJaUniversitäten sollen das Recht haben, "selbst die Auswahl der Studierenden" zu treffen und auch Studiengebühren einzuheben.

Für die SPÖ ist allerdings die Erhöhung des Unibudgets unabdinglich, und diese Maßnahme wurde im Juni bereits mit den drei Oppositionsparteien beschlossen. Von 2019 bis 2021 werden die Unis 1,35 Milliarden Euro mehr Finanzmittel erhalten.

SPÖ, ÖVP, Grüne und Neos setzen auf die Einführung der Studienplatzfinanzierung, um zu garantieren, dass jeder Studienplatz ausfinanziert ist, und dass genug Lehrveranstaltungen für die Studierenden eines Faches angeboten werden können.

Die Neos fordern als einzige Partei Studiengebühren. Die Universitäten sollen diese "in einem gesetzlich vorgegebenen Rahmen einheben und eigenständig verwenden" können, heißt es im Wahlprogramm. Bezahlen müssen aber zunächst nicht die Studenten, sondern der Staat. Erst später, im Erwerbsleben, soll ab einem gewissen Einkommen jeden Monat ein kleiner Anteil der Studiengebühren zurückgezahlt werden.

 

 

 

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Danke für Ihr Verständnis.

jaritzanja
2
0
Lesenswert?

???

Warum wurde der Kommentar der SPÖ immer fett und mittig gedruckt und die Kommentare der anderen Parteien nicht?

Dieses Hervorheben empfinde ich als visuell manipulierende Maßnahme hin zu einer Partei. Die Aufmerksamkeit wird automatisch auf diese eine Partei gelenkt. Zusätzlich lässt solch eine Darstellung der Kommentare den Eindruck zu, dass diese hervorgehobenen Parteiprogrammpunkte die sinnvollsten und besten wären.

Solltet ihr als Medienfachleute nicht unparteiisch sein?

Antworten

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