PorträtEva Glawischnig: Eine Langzeit-Parteiobfrau geht von der politischen Bühne ab

Eva Glawischnigs Zeit als Grünen-Parteichefin ist vorbei. Ein Rückblick auf eine fast 20 Jahre währende Polit-Karriere.

Eva Glawischnig
Eva Glawischnig © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Eva Glawischnigs Tage als Parteichefin sind gezählt. Das, was als Gerücht spätestens seit ihrem "allergischen Schock" in der Phase des Streits mit den Jungen Grünen im Raum stand, wurde am Donnerstag in der Früh gegenüber der Kleinen Zeitung bestätigt. Darauf folgte eine Presseerklärung Glawischnigs.

Damit zieht sich nicht nur die einzige Frau von der Spitze einer heimischen Parlamentspartei zurück, sondern auch eine Langzeitdienende. Denn bereits seit 2008 stand Glawischnig an der Spitze ihrer Partei.

Ob sie sich den Job der grünen Bundessprecherin zutraue, wurde sie von Armin Wolf damals gefragt. Und Glawischnig zögerte. Es hätte nicht so aussehen sollen, als hätte sie längst am Sessel Alexander Van der Bellens gesägt. Schließlich rang sie sich durch: "Ja, das glaube ich schon." Gut zwölf Stunden später designierte sie der erweiterte Bundesvorstand der Grünen im April 2008 zur Parteichefin.

Zur Person

Eva Glawischnig-Piesczek, geb. am 28. Februar 1969 in Villach.
Karriere: Jus-Studium in Graz; Umweltorganisation Global 2000. Im Nationalrat seit 1999; Vizeparteichefin seit 2003.
Privat: Verheiratet mit Moderator Volker Piesczek, zwei Kinder.

Aus deutsch-nationalem Gasthaus

Glawischnig wuchs am Millstättersee auf. Während andere in den Sommerferien faulenzten, servierte sie im elterlichen Gasthaus "Zur schönen Aussicht". Dort hing eine Informationstafel der FPÖ-Ortsgruppe, die Großeltern waren Deutsch-Nationale. Das verbindende Element in der Familie war die Hausmusik, mit Eva am Hackbrett. Ihr Klassenkamerad damals war übrigens Herbert Kickl. Humorvollen Fragen nach der gemeinsamen Vergangenheit konnte sie freilich nichts abgewinnen.

Ihr Rücktritt in Zitaten: Eva Glawischnig hat genug von der Politik

Politische Heimat gefunden

"Ich habe als Quereinsteigerin bei den Grünen eine politische Heimat gefunden, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Führung abzugeben."

APA/ROBERT JAEGER

Das einzige Mal, dass Voggenhuber gratulierte

"Ein historischer Erfolg war der  Einzug der Grünen in den Kärntner  Landtag, den letzte Landtag, in dem wir noch nicht vertreten waren.  Das war auch das einzige Mal, dass mir Johannes Voggenhuber gratuliert hat."

 

Mit Van der Bellen in die Hofburg

"Danach gab es kritische Stimmen, es hieß, die Grünen würden bis zu einem Drittel der Wähler verlieren. Es kam anders, wir haben als Team die erfolgreichste Phase in der Geschichte der Grünen geschafft."

APA/HANS PUNZ

Marsch durch die Institutionen, bis ins Nationalratspräsidium

"Mein Anspruch war es immer, mutig zu sein, die Grünen als Gestaltungskraft zu etablieren, um für unsere Kinder die Lebensgrundlagen zu sichern, im Vordergrund standen der Umweltschutz, Menschlichkeit, Seriosität, Respekt vor anderen, Solidarität mit den Schwächsten."

APA

Der Familie schuldig

"Ich werde nicht mehr zu Verfügung stehen, ich werde alle Funktionen zurücklegen. E s gibt keinen bestimmten Anlass. Als klar wurde,  es geht in Richtung Neuwahlen, war mir bewusst, ich sitze in einem fahrendem Zug und muss mich entscheiden.  Ich bin meiner Familie, meinen Söhnen, schuldig, in voller Gesundheit  für sie da zu sein."

APA/ROBERT JAEGER

Nur Strache so lange im Amt wie sie

"Den Job eines Parteichefs kann man nicht ewig machen, das reibt auf. Ich habe vier ÖVP-Chefs und drei SPÖ-Chefs erlebt, nur Strache teilt mein Dienstalter."

APA/HERBERT P. OCZERET

Aggressivität stark zugenommen

"Aber die politische und mediale Aggressivität hat stark zugenommen, Ich appelliere an alle, sich zurückzubesinnen, auf das, was relevant ist, nicht nur die Quote, maximale Aufmerksamkeit, Wähler zu mobilisieren. Da hatte auch die Politik in den letzten Jahren viel Anteil daran."

 

APA/ROBERT JAEGER

Glawischnig und die starken Männer

"Ich warne vor dem Konzept des starken Mannes, Lösungen und Sachlichkeit sollten im Vordergrund stehen. Ich war oft die einzige Frau in politischen Runden. Ich behaupte, wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe, hätten wir eine andere politische Kultur."

 

APA/HERBERT PFARRHOFER

Genug von "sexistischen Machos"

"Ich danke für die respektvolle Berichterstattung. Aber es gibt auch Persönlichkeiten, die die Republik vergiften, die keinen Respekt vor den Meinungen anderer haben, die die journalistische Sorgfalt vermissen lassen, die sexistische Machos sind."

 

APA/ROBERT JAEGER
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Nach der Matura brach Glawischnig aus: erst musikalisch - als Backgroundsängerin der Nummer "Gelati" und "Blauer Montag" schaffte sie es in die Hitparade -, dann politisch. Glawischnig begann sich für Umweltschutz zu interessierten, als ein Freund für gutes Geld deutsche Kernkraftwerke putzte. Ihre Dissertation an der Uni Graz widmete die Juristin grenznahen AKWs.

Bei der Besetzung der Baustelle der Ennstal-Autobahn wurden die Grünen auf die Global-2000-Aktivistin aufmerksam. Nachdem sie 1999 in den Nationalrat eingezogen war, etablierte sie sich rasch als Umweltsprecherin. Ab 2002 war sie in jedem Wahlkampf als Nummer zwei positioniert, 2003 stieg sie zur Vizechefin auf und kümmerte sich - "Natürlich bin ich eine Feministin!" - um das Thema Frauenpolitik. Im Kärntner Landtagswahlkampf 2004 machte sie sogar das Zugpferd und verschaffte so den Grünen die ersten beiden Mandate in Kärnten.

Glawischnig und Ehemann Volker Piesczek
Glawischnig und Ehemann Volker Piesczek Foto © APA
 

Intern und von anderen Medien kritisiert wurde Glawischnig, als sie für die "Krone" mit dem "Bauernmanifest" oder für "Woman" in Abendkleidern posierte. Paparazzi-Fotos von ihrer Hochzeit mit TV-Moderator Volker Piesczek taten ihr Übriges.

Europas stärktste Grüne

Mit dem Erringen des höchsten Parteiamtes freilich kamen auch die Mühen des politischen Alltags. Unter Glawischnig gelang es, die Grünen auf Länderebene als Regierungspartei zu positionieren. Gleichzeitig blieben die Grünen bei Wahlen immer unter den hoch gesteckten Zielen - um letzlich zu betonen, dass man die stärkste Grüne Partei Europas sei. Sachpolitisch blieben Erfolge von der Oppositionsbank aus freilich verwehrt. Dass die Wiener Grünen der Bundespartei völlig entglitten sind - Stichwort: Heumarkt-Turm - dürfte der Parteichefin den Abgang erleichtern. Ebenso wie der Richtungsstreit mit Peter Pilz, der seine Partei als links-populitisch positionieren will; und dies auch in Eigenregie macht.

Was von ihr bleiben wird, ist ihr Vorgänger: denn der wurde - auch weil Glawischnig das Procedere der Nominierung eines offiziellen Grünen Kandidaten scheute, unter ihrer Zet als Parteichefin zum Staatschef. Und das sogar zwei Mal.

Kommentare (11)

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tschele
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Den "verdienten" Preis für die Öffnung der Grenzen, den ...

wollte sie dann doch nicht abholen. Eine ausgemachte "Kärntenbasherin" geht von der Bühne, wir werden ihr keine TRänen nachweinen. Warum sie aber beim Abgang heulen mußte.. ?

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VwieVendetta
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Ein guter Tag für Österreich

Die GrünInnen sollten jetzt Alev Korun oder Maria Vassilakou mit der Parteiführung beauftragen.
Da weiß dann jeder ganz klar, wofür diese Partei mittlerweile steht. Umweltpolitik ist längst zugunsten von Migrations- und Genderwahnsinn in den Hintergrund getreten. Die Grünen sind zur GrahlshüterIn der political correctness verkommen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die NachfolgerIn (ein Mann kommt ja für diese Funktion ohnedies nicht in Frage) den erfolgreichen Weg der Marginalisierung durch Randgruppenpolitik fortsetzt. Den Weg hat Frau Glawischnig schon vorgezeichnet, dafür gebührt ihr Dank.
Ps: Bemerkenswert (aber nicht überraschend) auch ihre Aussage, dass VdB ein grüner Bundespräsident sei. Im Wahlkampf wurde er von den GrünInnen immer als überparteilich hingestellt.

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hermannsteinacher
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Ein gewisser Unwille und die Unfähigkeit,

sich mit der grünen Jugend auszusprechen, war schon ein Auspizium dieses Abgangs,

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Zeitgenosse
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Glawischnig?

Deutsch-national , der Name klingt eher kärntnerisch also eher slowenisch.

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Zeitgenosse
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Rückzug vor dem

WAHLKAMPF einer Partei , die es sehr schwer haben wird noch Zuwächse zu bekommen.
Eher das Gegenteil.

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Spitzer Walter
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Rücktritt?

Politiker sind wie Gletscher: Wenn's heiß wird, ziehen sie sich zurück.
Ein Politiker kann bei uns nur sehr schwer zurücktreten, weil der nächste, der auf seinen Posten wartet, so dicht hinter ihm steht.

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Hohenwanger
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Intiativlos

Es hätte vieles anders gemacht werden können.

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spiesailor
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@hohen...

dann wäre es gut gewesen wenn sie selbst die Initiative ergriffen hätten...

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Hohenwanger
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@spiesailor

Ein jeder ist fleißig.
Was ich Ihnen sagen kann ist, wir haben noch immer Ein Regierungsmodell, welches auf Machtverteilung, geteilt ist.
Ich kann mir vorstellen, alle Parteien die in das Parlament
gewählt worden sind und sich an der Regierung beteiligen wollen, sind zu beteiligen.
Verfassungsbestimmungen dazu müßten geschaffen werden.
Der Bundeskanzler wird in einen solchen System im Nationalrat gewählt.
Heute buhlt eine Partei um die Mehrheit.
Um alles Haben zu können.

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VwieVendetta
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Re: @spiesailor

Gratuliere zu ihrem Verständnis von Staatsführung. Eine Allparteienregierung macht das Land schlicht unregierbar (aktuell können sich nicht einmal 2 Parteien einigen, was glauben sie wie es dann erst bei 6 aussieht?).
Die Österreicher werden gut daran tun, bei der nächsten Wahl eine Partei, welche steht hier gar nicht zur Debatte, mit einer klaren Mehrheit auszustatten. Nur so können klare Entscheidungen getroffen werden. Diese ewigen Minimalkompromisse bringen uns nicht weiter.

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bmn_kleine
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Jetzt

fehlt eigentlich nur mehr der HC mit einem Rücktritt! Wäre ja sowieso schon Zeit, nachdem er ja auch schon 10 Jahre erfolgloser Parteichef ist, der so gut wie alle relevanten Wahlen - trotz seiner Ankündigung - nicht gewonnen hat.

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