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Kardinal im ORF

Schönborn vermisst europäischen Konsens

Kardinal Christoph Schönborn kritisiert in der ORF-Pressestunde die Schließung der Balkanroute. Für Einzelmaßnahmen wie jene Österreichs habe er aufgrund der fehlenden Solidarität in der EU dennoch Verständnis.

© APA (Archiv)
 

Kardinal Christoph Schönborn vermisst in der Flüchtlingskrise eine gemeinsame europäische Lösung. "Es ist beschämend, dass es keinen europäischen Konsens gibt", sagte er am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Gleichzeitig äußerte er auch Verständnis für einseitige Schritte einzelner Staaten: "Aber ich verstehe die Bundesregierung, dass sie sagt, wir sind an eine Grenze gekommen."

"Humanitäre Korridore" notwendig

Das Schließen der Balkanroute sei einseitig erfolgt, "ohne einstimmigen europäischen Beschluss, ohne Griechenland und Deutschland. Das halte ich für einen Akt mangelnder europäischer Solidarität. Das werfe ich aber der österreichischen Bundesregierung nicht alleine vor, sondern auch vielen anderen europäischen Ländern." Die "Testfrage" sei nun, wie es mit den Menschen an der mazedonisch-griechischen Grenze bei Idomeni weitergehe. "Da kann man nicht sagen, das ist jetzt Griechenlands Problem", forderte er europäische Solidarität ein. Ziel müsse es sein, humanitärere Korridore auszubauen und die Betroffenen direkt aus den Krisengebieten zu holen. Damit würde man auch die Schlepper ausbooten, die durch das nun erfolgte Schließen des Grenzen wieder Aufwind erhalten hätten.

"Ich sehe die Schließung der Balkanroute als eine Notmaßnahme, als eine provisorische Maßnahme", sagte der Kardinal. Er könne sich vorstellen, "dass es zum Beispiel mit unseren Nachbarstaaten, aber auch England oder Dänemark, extrem schwierig ist, einen wirklichen Konsens zu finden. Dass Österreich dann mit den Balkanländern gesagt hat, machen wir einen Alleingang - schön ist das nicht, ich kann es aber bis zu einem gewissen Grad verstehen. Das darf aber sicher nicht das letzte Wort sein", so der Kardinal.

Merkel "mutig und klug"

Besonderes Lob äußerte Schönborn für die Haltung von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel: "Ich freue mich, dass ihr die deutschen Bischöfe die Stange halten. Merkel ist eine sehr mutige, kluge Frau. Sie hat mit einem tiefen Gespür für Menschlichkeit gehandelt. Und sie ist die Person, die am stärksten, am deutlichsten in Europa sagt, wir müssen das Problem gemeinsam schultern. Diese Deutlichkeit wünschte ich mir von vielen europäischen Politikern - auch von jenen in Österreich, die eine Zeit lang voll hinter Angela Merkel gestanden sind." Und die nun "aus einer verständlichen Sorge gesagt haben, das schaffen wir nicht."

Hinsichtlich der Aufnahme-Kapazität Österreichs sagte Schönborn, Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) habe in einem Gespräch gemeint, wenn heuer wieder 90.000 Personen um Asyl ansuchen, sei das ein Limit, das Österreich nicht verkraften könne. "Natürlich ist jetzt schon unsere Organisation am Limit, wie soll man 90.000 Asylanträge sachgerecht bearbeiten", so Schönborn. Die Beherbergungsfrage hingegen sei "lösbar": Auch seitens der Kirche könne man noch mehr tun. Es hätten bis jetzt bereits - und erst, je nach Betrachtungswinkel - die Hälfte der Pfarren Flüchtlinge aufgenommen, so der Kardinal.

"Aufklärung fehlt im Islam"

Gefragt, wie er die Silvesterereignisse von Köln einordnet und ob der Islam ein reaktionäres Frauenbild habe, sagte Schönborn, er denke, es sei kulturell und religiös manches aufzuholen. "Aber tun wir nicht so, als hätten wir das in unserem eigenen Kulturkreis nicht auch", verwies er etwa auch die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für gleiche Arbeit.

"Eines scheint mir sicher: Die Aufklärung, die Christen- und Judentum in Europa durchgemacht haben, mit einem großen gesellschaftlichen Transformationsprozess, das fehlt im Islam." Die entscheidende Frage sei die der Gewissensfreiheit und der Religionsfreiheit, den dies seien "Schlüsselfragen der Menschenrechte". "Eines müssen wir den Muslimen auf jeden Fall sagen: Bei uns und in ihren Ländern - die Religionsfreiheit ist für uns unaufgebbar. Das müssen die Muslime, die in unser Land kommen, verstehen."

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Danke für Ihr Verständnis.

Patriot
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Der einzige Lichtblick in r.-k. Religion ist der Papst.

Alles andere ist dunkles Mittelalter bis hin zur Steinzeit!

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Suedbahnkurti
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Das Credo der EU :

Jeder ist sich selbst der nächste.Das sollte mittlerweile jedem klar sein.

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Erhalten
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es steht der eminenz frei seine gesamte entourage

für humanitäre hilfe an sie grie. mace. grenze zu entsenden.

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jukeboxhero81
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Irgendjemand...

...sollte dem guten Kardinal Schönborn einmal erklären, dass es in Österreich eine Trennung zwischen Staat und Kirche gibt. Seine permanenten politischen Wortmeldungen sind also nicht nur inhaltlich mehr als entbehrlich.
Anstatt vom österreichischen Steuerzahler noch mehr einzufordern und die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel zu setzen, sollte Herr Schönborn einmal selbst beginnen, den Menschen persönlich zu helfen. Und zwar am besten dort, wo Hilfe am notwendigsten wäre, z.B. direkt in Syrien.
Aber so weit wird seine Nächstenliebe dann wohl auch nicht reichen. Lieber den Österreichern Vorschriften machen, ist ja schließlich viel bequemer...

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hakre
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1. die kirche hat sehr viele Flüchtlinge in ihren Gebäuden aufgenommen und die Institution "Caritas" hat und hilft weiter sehr sehr vielen menschen.
2. jeder mensch, auch der kardinal hat das recht in Österreich sich zu wort zu melden, auch im politischen sinn.
3. wer setzt unsere Kinder aufs spiel?
wer verhindert (durch Abtreibung ) Kinder?

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jukeboxhero81
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@hakre

zu 1.) Die "Institution Caritas" wird maßgeblich durch Steuergelder finanziert, und stellt zudem für jede "Leistung" im Zuge der Flüchtlingskrise eine Rechnung an das Innenministerium. Somit blecht das Ganze wiederum der Steuerzahler.
zu 2.) Natürlich hat Herr Schönborn das Recht seine Meinung zu äußern, er hat allerdings nicht das Recht, Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger im Namen der Kirche zu nehmen (und das versucht er permanent).
zu 3.)Durch unkontrollierte Massenzuwanderung wird unser Sozialsystem kollabieren, der soziale Friede enden, Terrorismus und Kriminalität werden Überhand nehmen. Die Politik, die Herr Schönborn fordert, gefährdet deshalb die Zukunft unserer Kinder.
Und eine Diskussion über Verhütung und Abtreibung im Jahre 2016 führe ich nicht. Das wäre genauso rückständig, wie etwa die Evolutionstheorie in Frage zu stellen, nur weil sie nicht mit der heiligen Schrift kompatibel ist.

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dalvero
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Das Recht etwas zu sagen? - Klar sollte jeder haben, aber

Sie schreiben die Kirche hat "sehr viele" Flüchtlinge aufgenommen.
Wie viel ist sehr viel?
Wir haben rund 90.000 in Ö. aufgenommen und die Kirche?????

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cindymax
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die Flüchtlinge fliehen vor dem "heiligen" Krieg
und sollen laut Schönborn bei uns
"heiliges" Asyl bekommen.

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socke1
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Erst in der eigenen Kirche aufräumen...

...und dann der Politik zum Flüchtlingsproblem dreinreden! Mit dem Aufräumen ist die Abspaltung eines Teils der Christen durch das sektenähnliche Neokatechumenat gemeint. Solche Randpolarisierungen taten der röm.-kath. Kirche noch nie gut... (Ich bin Kirchenbeitragszahler. Noch!)

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raspel
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Na ja, wenn er meint,..

..wir tun zu wenig, dann kann er ja die 37000 von heuer in Klöstern unterbringen, davon gibt es ja mehr als genug in Österreich.

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barnhelmvon
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Wenn ich dem Hr. Wiener Kardinal so zuhöre, dann meine ich fast, er möchte so eine Art Märtyrer werden, "O Abendland lassen wir uns doch dem Islam hingeben, mit großer christlicher Zuversicht". Amen, Amen, Amen.
Nein Hr. Doktor, das wird nichts, ich tue da sicher nicht mit !!
Übrigens, so nebenbei, ich bin ein registrierter Katholik.

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advitam
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@barnhelmvon

Quasi zur Gewissensberuhigung ein Kerzerlhalter? Na ja, jeder wie er meint...

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Aristokritos
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Matthäus

Seine Eminenz geruht offenbar Mt. 5,39 sehr wörtlich zu nehmen: "Wenn dir jemand auf die linke Backe schlägt, halte ihm auch noch die andere hin."

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49erkorl
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Bravo Herr Schöborn !

Wieder einmal trefflich an die Beine jener österr. Politiker gepinkelt, die eine Reduktion der Immigranteninvasion herbeigeführt haben ?
Sie loben Frau Merkel?
Wofür, bitte?
Frau Merkel hat in dieser Causa außer verrückten Vorschlägen nichts vorzuweisen.

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Aristokritos
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Islamische Expansion

Was würde wohl Seine Eminenz den katholischen Königen, die in Spanien nach Jahrhunderten in der Reconquista gegen die maurische Expansion erfolgreich waren, antworten, wenn sie ihn fragten: "Wofür haben wir gekämpft?" Und den Verteidigern von Wien 1683?

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