2 ° C
Graz

Evangelischer Bischof Bünker fordert mehr Mitgefühl ein

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker fordert im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle mehr Mitgefühl ein. "Ich glaube, dass diese Gesellschaft vor die Hunde geht, wenn wir uns von dieser eigenen Fähigkeit abschneiden", sagte er im APA-Interview. Eine weitere Verschärfung der Krise sieht er durch den Klimawandel auf Europa zukommen. Von der Bildungsreform ist er mäßig begeistert.

© APA (Archiv)
 

Erst kürzlich hat sich die evangelische Generalsynode gegen "jede Form von Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Hass, auch in den eigenen Reihen" ausgesprochen. "Wir sehen natürlich, dass unterschiedliche Meinungen auch innerhalb der evangelischen Kirche vertreten sind", erklärt Bünker dazu. Pfarrgemeinden und Einrichtungen seien in der Flüchtlingshilfe dennoch in sehr hohem Ausmaß engagiert, "wir werden das kräftig verstärken", kündigt der Bischof an - auch finanziell. Derzeit habe man 180.000 Euro in die Begleitung, Schulung und Betreuung von ehrenamtlichen Helfern investiert.

Bünker schließt sich der Warnung mehrerer Hilfsorganisationen an, wonach das Erstaufnahme-System zusammengebrochen sei: "Das ist alles sehr besorgniserregend." Erstaufnahmezentren gehörten in jedem Bundesland eingerichtet und "das Gezerre zwischen Bund, Ländern und Gemeinden muss endlich einmal aufhören". Kritik übte der Bischof an den Regierungsplänen zu Asyl auf Zeit, was es aus rein menschenrechtlichen Gründen gar nicht geben könne. "Da kann man aus kirchlicher Sicht nie damit einverstanden sein", findet er und reiht das Vorhaben unter eine "Politik der Signale" ohne realistische Basis ein.

Für den lutherischen Bischof ist der Höhepunkt der Flüchtlingswelle aber noch längst nicht erreicht - aus einem weiteren Grund: "Es sind schon jetzt 22 Mio. Menschen Klimaflüchtlinge. Von denen ist noch kaum jemand bei uns", meint er. Die Umsetzung des Klimagipfels von Paris müsse nun wirklich angegangen werden "und ich bin mir sicher, dass Österreich mehr tun muss". Die Überprüfung der Ziele alle fünf Jahre ist für Bünker jedenfalls "sicher zu selten" und er gibt zu bedenken: "Es ist auch unsere Art zu leben, die dazu führt, dass Menschen fliehen müssen."

Hinsichtlich der Aufregung über "islamische Kindergärten" in Wien führt Bünker an, dass die Studie einen wunden Punkt angreife, "aber sie ist noch nicht verlässlich genug". Er würde es für sinnvoll halten, wenn die religiöse Erziehung für Muslime ausschließlich durch deren offizielle Vertretung, der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), verantwortet würde.

Was dem evangelischen Bischof weiterhin fehlt, ist ein verpflichtender Ethikunterricht für jene Schüler, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind. Auch ein Fach politische Bildung wäre sinnvoller als die oft geforderte "Werteerziehung, wo niemand weiß, was das sein soll". Angesichts der Bildungsreform ist der Jubel bei Bünker "eher verhalten". "Wir haben in Österreich ein Bildungssystem, wo einfach Armut vererbt wird", meint er.

Reformbedarf sieht Bünker außerdem im Hospiz- und Palliativ-, sowie im Pflegesystem. "Zwei riesige Probleme, die auf uns zukommen, sind die Zunahme an demenziell Erkrankten und der Umgang mit dem Sterben", findet er. Letzteres sei zwar etwa durch eine parlamentarische Enquete intensiv diskutiert worden, aber die Umsetzung stehe noch aus.

Eine Segnung homosexueller Paare gibt es in der lutherischen wie etwa auch in der römisch-katholischen Kirche nicht, in der evangelisch-reformierten Kirche schon. Dennoch weist er darauf hin, dass es in der lutherischen Kirche etwa offen in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebende Pfarrer gebe. Zudem sehe die evangelisch-lutherische Kirche die Möglichkeit einer Segnung "im seelsorgerlichen Rahmen" vor. "Den zu definieren ist die Verantwortung des Pfarrers oder der Pfarrerin, da gibt es keine kirchlichen Vorschriften, was das ist", meint Bünker dazu und: "Das ist ein gewisser Kompromiss. Nicht jeder Kompromiss ist faul."

Im Blick auf die römisch-katholische Kirche zeigt sich Bünker mit deren Oberhaupt zufrieden. "Die Richtung, die Papst Franziskus einschlägt, kann man aus evangelischer Sicht nur unterstützen und unterstreichen", sagt er, ebenso glücklich ist er auch mit der Bestellung des bisherigen Innsbrucker Bischofs Manfred Scheuer in die Diözese Linz, vor allem im Hinblick auf dessen Auftrag in der Ökumene.

Vom Reformationsjubiläum 2017 erwartet Bünker auch selbstkritische Beschäftigung der evangelischen Kirche mit sich selbst. Denn schon die Vorbereitung darauf habe gezeigt, "dass wir einiges an Standpunkten wohl überdenken müssen". Etwa die antisemitischen Schriften des Kirchengründers Martin Luthers, "weil man weiter drauf kommt, das war nicht ein Ausrutscher eines alten, griesgrämigen, verhärmten, frustrierten Mannes, sondern das liegt schon in seiner gesamten Biografie und Theologie auch begründet." Diese Ansichten Luthers habe die Synode in Österreich 1998 verworfen, denn: "Luther ist ja kein Heiliger für uns."

Dennoch hat sich Bünker vollends in Jubiläumsstimmung versetzt und ist auch dem kircheneigenen Merchandising-Boom erlegen. Die Playmobil-Ausführung Luthers besitzt er bereits "selbstverständlich" - "In mehrfacher Ausführung, groß und klein".

Kommentare (7)

Kommentieren
tschele
0
0
Lesenswert?

"..in Begleitung, Schulung und Betreung von ...

ehrenamtlichen Helfern investiert". Also die 180 bleiben wie es so heißt "schön brav in der Familie" Große Leistung!
So läuft es bei den "Mitbewerbern auch. Die mit dem Roten Kreuzerln, die Freunde der Kinder, die NGO's halt, nur die Polizisten und Heeresangehörigen gehen leer aus. Selber Schuld! sagt der gelernte Österreicher.

Antworten
mMeinung
0
6
Lesenswert?

Von der Bildungsreform ist er mäßig begeistert

das scheint der größte defizit diesen pseudoheiligen zu sein

lernens wenigstens gschichte!!

wir waren vor kurzen ein christliches land!!
YouTube:
Interview with Brigitte Gabriel

Antworten
Roland222
1
3
Lesenswert?

Roland222

oder warten Sie hier in untertänigster Art, um ihre kath.
Betrüder nicht zu verärgern darauf,?
Oder was spricht dagegen?
Mir wurde von unserern Pfarrern immer gelehrt,,,euer Gott und Jesus liebt alle gleich,,,,,
Also doch nicht ganz gleich,,,,weil,,,,ihr ja so seid?
Bitte überdenken Sie einmal diese paar Ansätze von einem Kärntner, der natürlich zuerst an seine Gemeine
Denkt!

Antworten
Roland222
0
6
Lesenswert?

Roland222

bitte sg.Herr Bischon Bünker.unsere kleine Kirche in Österreich verzeichnet einen stets nach unten gerichteten Trend. Unsere armen Leutchen in Arriach, Trebesing, Weißbriach, Pörtschach und vielenGemeinden mehr sollten. Sie sich vermehrt kümmern. Nicht ob es den Muslimen gut geht und ihnen an nichts fehlt, in ihren mit Strom auf unsere Kosten beheizten Zelte! Wieviele Arme
Weiblein in Weißbriach.oder Trebesing können sich nicht mal von Ihrer Rente Holz kaufen. Wieviele unserer armen Leute bekommen 2 Warme Mahlzeiten,wovon die Hälfte im Mistkübel landet,
Unsere Evang.leute werden weiterhin alles dazu beitragen, daß jede Instandtsetzung an Kirchen Friedhöfen, Kindergärten etc, gemacht wird. Erwarten Sie
Nie in ihrer Einfältigkeit, daß eine muslimische Gesellschaft uns auch nur ein Dankeschön sagt,
Beschwerden gehen ein,daß das Essen zu wenig gut etc, ist.
Zu Ihrem weiteren Punkt von der Segnung von homosexuellen Paaren, sollten Sie längst, wie die reformierte Kirche soweit sein!

Antworten
mejer
1
9
Lesenswert?

Bünkers Ansichten,

in Sachen Flüchtlingsaufnahme haben für die meisten Menschen unseres Landes, keinerlei Relevanz.Er kann ja mit seinem Geld und dem Geld einer Anhänger versuchen die ganze Welt zu retten.Nur den Menschen, welche seine Ansichten nicht teilen, sollte er nicht versuchen, sie zu zwangsbeglücken.Er sollte sich nicht so quasi als Gesetzgeber aufspielen und jenen Menschen,welche seine "Marotten" nicht akzeptieren, versuchen sein Weltbild auf zu oktrieren!

Antworten
Aristophanes
1
8
Lesenswert?

Er sollte sich zuerst um seine eigenen Schäfchen kümmern, dann erst die Rettung der Welt angehen !

Er kommt wie vor wie ein Student, der dauernd zu Friedensdemonstrationen unterwegs ist, aber nicht auf die Idee kommt einer alten Frau, die mit ihm am Stock wohnt, zu helfen den Kohlenkübel hinaufzutragen ....

Antworten
fredfeuerstein
0
8
Lesenswert?

Die Last auf andere abschieben

wie alle Gutmenschen mit ihren Floskeln und Forderungen stellen ist ja nicht schwer und populär.

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.