Ländle

Grüne bestehen auf Bildungsmodellregion Vorarlberg

Die Grünen verlangen weiter die Möglichkeit der Einrichtung einer landesweiten Modellregion Vorarlberg für eine gemeinsame Schule. Die zwischen SPÖ und ÖVP vereinbarte Obergrenze von 15 Prozent der Standorte bzw. Schüler einer Schulart "muss verhandelbar sein", so Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz am Freitag. "Innerhalb einer Modellregion kann es keine Beschränkung geben."

© APA
 

Für eine gesetzliche Verankerung der im Zuge der Gespräche zur Bildungsreform vereinbarten Modellregionen bedarf es einer Zwei-Drittel-Mehrheit und damit der Zustimmung von FPÖ oder Grünen. "Da liegt ein hartes Stück Arbeit vor uns", verwies Walser auf erste Kontakte mit Regierungsvertretern. "Im Gegensatz zur Regierung wollen wir eine richtige Modellregion."

Der Dekan der School of Education an der Uni Innsbruck, Michael Schratz, plädierte ebenfalls für eine Modellregion im gesamten Ländle: "Die Voraussetzungen in Vorarlberg wären ideal." Einerseits wäre es ein überschaubarer Raum, andererseits gingen sowohl die Elternwünsche in diese Richtung, und es existiere ein einhelliger Landtagsbeschluss für die Umsetzung.

Bei einer im Vorjahr präsentierten Befragung von Eltern und Lehrern tendierten Eltern sowie Lehrer an Volksschulen und Neuen Mittelschulen (NMS) eher in Richtung gemeinsamer Schule, jene an AHS eher dagegen. Diese Bedingungen müsse man ausnützen, meinte Schratz. "Bisher hatten wir in Österreich nur Einzel-Schulversuche." Und wenn man lediglich aus Hauptschulen NMS mache, sei das kein Modell einer gemeinsamen Schule.

Die von der Regierung geplante 15-Prozent-Grenze lasse keine wirkliche Modellregion zu, so Schratz. So seien etwa im Rheintal sieben der zehn AHS in Vorarlberg in einem Umkreis von zehn Kilometern. Mit der 15-Prozent-Grenze könne gerade einmal eine teilnehmen. "Da kann ich nicht wirklich modellhaft arbeiten."

Daher habe eine Arbeitsgruppe unter seiner Leitung versucht, Bedingungen für eine erfolgreiche Modellregion zu erarbeiten, betonte Schratz: Vor allem brauche man eine "Kohärenz im System": "Wir müssen alle in eine gemeinsame Zukunft denken." Das gehe nur mit einer flächendeckenden Umsetzung, da sonst wieder verschiedene Subsysteme bestünden. Außerdem brauchten die Lehrer "multiprofessionelle Unterstützung" etwa durch Psychologen oder Freizeitpädagogen in ganztägigen Schulformen. Und schließlich bedürfe es einer flexiblen Organisationskultur mit der Möglichkeit autonomer Entscheidungen der Schulen.

"Zentraler Punkt für das Gelingen einer Reform ist ein einheitlicher politischer Wille", meinte Walser. "Der ist in Österreich derzeit nicht gegeben, in Vorarlberg durch den einstimmigen Landtagsbeschluss schon. Und wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz: Die ist in Österreich zum Teil gegeben, in Vorarlberg ist sie gegeben."

Ihm gehe es nicht darum, alle Länder über einen Kamm zu scheren, so Walser: "Aber jenen Ländern, die sich zur Modellregion wandeln wollen, soll das auch ermöglicht werden. Die Frage ist ja nicht, ob wir Niederösterreich dazu machen wollen, weil dort gibt es den politischen Willen nicht."

Kommentare (1)

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Olivia30
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Lesenswert?

Ich hab immer gedacht ...

Erpressung ist ein Verbrechen! Aber in der Politik ist das offensichtlich erlaubt. Was soll das: "flächendeckend" für ein Bundesland? Wenn ich mein Kind nicht in eine solche Schule schicken will, welche Möglichkeiten hab ich dann? Muss ich auswandern?

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