Kathrin Nachbauer

"Sie hat sich von Frank freigespielt"

Das Team Stronach steht vor dem Zerfall: Kathrin Nachbaur tritt aus der Partei aus, auch der Klub will sich vom Übervater lossagen. Die Geschichte einer Entfremdung. Von Michael Jungwirth.

Kathrin Nachbaur
Kathrin Nachbaur © APA/BARBARA GINDL
 

Nun erlebt auch Frank Stronach sein Knittelfeld. Kathrin Nachbaur, über Jahre hinweg die rechte Hand des austrokanadischen Parteigründers, nabelt sich von ihrem Mentor ab, tritt aus der Partei aus, bleibt aber Klubobfrau der elfköpfigen Parlamentsriege. Damit steht der austrokanadische Multimilliardär vor dem Scherbenhaufen seiner Politik. Nun dürfte die Bewegung auch auf Bundesebene zerbröckeln.

Der Austritt sei bereits am Mittwoch erfolgt, erklärt Abgeordneter Marcus Franz im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. "Sie hat sich von Frank Stronach freigespielt und genießt unser Vertrauen." Alle Parlamentarier hätten sich in einem einstimmigen Votum hinter Nachbaur gestellt. Franz spricht von einem „Emanzipationsprozess“ gegenüber dem Parteigründer, der die Bewegung angestoßen habe.

Wenig schmeichelhafte Worte findet der langjährige Wiener Primar über den bisherigen Übervater. "Man kann nicht halb in Österreich und halb in Kanada sein", so Franz. "Das ist wie bei einem Fußballmatch: Man kann nicht der Coach sein und nur fallweise da sein." Und weiter: "Wenn ein Zugpferd in die eine Richtung zieht, kann das nicht auf Dauer gut gehen."

Frank Stronach will die Ereignisse nicht kommentieren. "Dazu will ich nichts sagen", so der Steirer am Abend telefonisch. Stronach hatte Freitag Vormittag – vor Bekanntgabe der Abspaltung – die Kleine Zeitung in seinem Domizil in Oberwaltersdorf empfangen. In dem langen Gespräch verlor er kein böses Wort über Nachbaur. Kein Anflug von Kritik, keine einzige Silbe war ihm zu entlocken – auch nicht, als die Mikrofone abgedreht waren.

Der Bruch kommt nicht überraschend. Dass zwischen dem Parteigründer und seiner vormals engsten Mitstreiterin der Haussegen schief hängt, war seit Monaten ein offenes Geheimnis. Bereits zu Wochenbeginn hatte das Gerücht die Runde gemacht, Nachbaur würde alles hinschmeißen – und entweder der Politik den Rücken kehren oder als wilde Abgeordnete weitermachen. Sogar von einem Angebot der ÖVP war die Rede, was ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka am Freitag dementierte. Dass Stronach am Mittwoch am Rande eines Gerichtstermins von einer ORF-Journalistin zufällig von Nachbaurs Schwangerschaft erfuhr, ist bezeichnend.

Bitter für Stronach

Die Entfremdung setzte spätestens im Frühjahr ein. Während Stronach sein Abgeordnetenmandat an den Nagel hing, brach Nachbaur die Zelte in Kanada ab und kehrte nach Graz zurück. Mit der Distanz wuchs die Kluft – nicht nur zu Nachbaur, auch zu den anderen Abgeordneten. Die katastrophalen Umfragewerte im Frühjahr verschärften den Konflikt. Stronach machte dafür das amateurhafte Auftreten seiner rot-weiß-roten Kommilitonen verantwortlich. Diese wiederum schoben die Schuld dem Parteichef und seinen skurril-erratischen Auftritten in die Schuhe.

Dass sich Stronach von Übersee aus in die Vorgänge in Wien einzumischen versuchte, brachte wiederholt das Fass zum Überlaufen. Vor dem Sommer bereits trug sich Nachbaur mit dem Gedanken, die Bewegung in "Team Österreich" umzubenennen.

Für Frank Stronach ist die aktuelle Entwicklung äußerst bitter. Derzeit bastelt er an seinem politischen Comeback. Im Herbst will er bei den steirischen Landtagswahlen antreten – nicht als Spitzenkandidat, aber mit einer schlagkräftigen Truppe. Seine steirische Heimat ist ihm ein Herzensanliegen.

Kommentare (55)

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Snowwhite2013
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Bye bye

Sie ist ohnehin zu lange in dieser maroden Partei geblieben. Einen Frank Stronach, der nur seine Meinung gelten lässt, muss man mal aushalten.

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WolfgangPhilipp
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Herr Stronach

hat jetzt beim Westenthaler Prozeß mit breiter Brust erklärt er mache 50.000,-- am Tag. Und dann beginnt er bei der Kathrin zu sparen.

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Aristophanes
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Kinderrechte ? Diskriminerung ?

Momantan wird viel über Kinderrechten und gegen Diskriminierung diskutiert -
und der Strohsack trennt sich von einer Schwangeren ?
Wie schaut denn hier die Rechtslage aus ?

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Aristophanes
3
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Herr "Pinsel 54"!

--- diese von Ihnen beschimpften Angeordneten wurden rechtmäßig gewählt -- als was sollen ihre diktatorischen Rülpser ?
Und wer auch immer hier von Betrug am Wähler spricht, der könnte diese Frage auch dem Strohsack Franze stellen, ach, nach wievielen Sitzungen hat er dem Parlament "tschau" gesagt ? (Das haben ja vorher alle gewußt, die ihn gewählt hatten, oder ?)
Wer wirft da der Frau Nachbaur vor ein WEndehals zu sein ?
Bin schon gespannt, mit welchen Typen der Franze es nochmal versuchen wird -- vielleicht kapiert er es erst nach dem dritten oder vierten mal, daß hier ÖSterreich ist ......

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ghfklgjr
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Man muss nur Rechtswissenschaften studieren - dann kennt man sich aus

Zuvor war bekannt geworden, dass Stronach Nachbaur die Gage als Vizepräsidentin der Stronach-Gruppe von rund 140.000 Euro im Jahr gestrichen hatte, wobei sie als Klubchefin eigentlich keinen Zuverdienst haben dürfte. Dies wurde legal umgangen indem Waltraud Dietrich geschäftsführende Klubchefin war, Nachbaur trat in den Medien als Klubchefin auf und bezog statt des Klubobfrau-Gehalts von rund 14.000 Euro ein Abgeordnetengehalt von 8300 Euro brutto im Monat. Zusätzlich zu ihrem Abgeordnetengehalt sowie rund 10.000 Euro von der Stronach Group erhielt sie ab Februar 2014 noch 4.000 Euro als Geschäftsführerin der TS-Akademie.
--
Wer melken kann - der melkt!

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ghfklgjr
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Wo wäre

Frau Wendehals heute ohne Stronach?
Aus dem Parlament austreten ist wohl kein Thema - da würden ja 8.300,- im Monat an Einkommen fehlen. :-P

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derKritiker
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..

die grundgedanken vom stronach waren absolut richtig. österreich ist versumpft von beamten, freunderlwirtschaften, dummen politikern..darüber braucht man gar nicht streiten. aber wenn man es soo vergurkt wie er und sein komischer haufen handaufhalter, darf man sich nicht wundern wenn die wähler weg sind. der hätte langsam wachsen müssen. langsam gute leute aufbauen. aber in dem alter hat man alles, nur keine zeit........

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woelffchen
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Betrug am Wähler

ist dieses Antiteam. Verschwendung von Steuergeld und Verschiebung von unnützen Mandaten. Warum gibt es kein Gesetz gegen solche Vorgehensweisen??

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pinsel54
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Diese "Partei" ist zum Wohle unseres Landes sehr wichtig ???

Was war ihre bisherige Leistung an das Volk ???
Und was haben diese Möchtegernpolitiker dem Steuerzahler bis jetzt gekostet?

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flatulenzia
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Prima

Da wird sich aber der HC freuen ....

Ned vergessen : stay cool and dont forget to vote for Taxiwerner and Chary Blecha the cupbrother!

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WernStein
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Was sagt ...

...der Landesrat Gerhard Köfer dazu? Er wird nun etwas Sodbrennen haben und seine Kollegen auch. Viele haben es damals vorausgesagt: Aus Strohsack wurde ein Strohfeuer.

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joschi41
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Bitter, bitter

In das Parlament stieg Frau Dr. Nachbaur quer ein. Zu der Rolle als Klubobfrau kam sie wie die Jungfrau zum Kind. Zur Spitzenverdienerin wurde sie einerseits durch einen Trick und andererseits durch ihren Gönner aus Übersee. Rollenwechsel: Frau Nachbaur wird Mutter. Dass ihr Mentor als letzter von ihrer Schwangerschaft erfuhr, erzürnte den alten Herr dermaßen, dass er ihr prompt den Goldhahn zudrehte. Nach dem Einstieg naht jetzt der Ausstieg.

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WolfgangPhilipp
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Diese Partei

hat kein Konzept und nun auch keine Leitfigur denn Stronach war doch nicht mehr wirklich involviert. Aber trotzdem im Parlament weiter machen. Na gut, das Geld liegt dort zur Abholung bereit.

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transylvaner
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Die persönliche

Spieleliste:

FK Austria Wien
FC Wr. Neustadt
Magna Racino
Team Stronach
Schloss Reifnitz
... beim nächsten Mal funktioniert es bestimmt fair Franky!

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glaubmirnix
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Anständige gibt es einfach nicht mehr

Politikerin Nachbauer und ihr ganzer Club, mit den grenzen ex BZÖ- Kasperln würde ohne Onkel Frank gar nicht existieren. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und das Gesinde glaubt ihn nicht mehr zu brauchen. Ich hoffe diese ganzen Kasperln sind wir bald los und keine Partei erbarmt sich ihrer..den ideologisch wäre es ihnen sicher egal!

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Michl
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Gerade in Graz gibt es noch solche - nur eben in der KPÖ, nicht bei den anderen Parteien!

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krisenfest
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Der alte Sack war mir nie sympatisch

und außerdem ist er nicht so gscheit wie er vorgibt.

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dominic
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Ts

was hat der strohsack in österreich schon zusammengebracht ? sport autoindustrie politik pferderennen partei/team stronach etc. viel geld investiert für nichts ! nicht war !!

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zooboo
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Fast schon sympathisch

Dass Frau Nachbaur eine eigene Position wagt, auf das fette Geld des alten kanadischen Geldmenschen verzichtet und dann noch das Vertrauen ihrer Leute behält macht sie fast schon sympathisch. Weiter so!

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ghfklgjr
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Aso?

Und wo wäre Frau Nachbaur heute ohne Stronach?

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harryschweiz
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Egal

immerhin wurde alles aus eigener Tasche finanziert. Leider keine Alternative zu den regierenden Chaoten, den restlichen Parteien. Passt zu unserer Politlandschaft,keine Linie-kein Gefühl für die Probleme-kein Verständnis für das Volk !

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mansoon
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Jede(r) .....

....der/die STRONACH 'bewundert', sollte nun langsam erkennen, dass er/sie unter der Einschränkung 'jenseits von gut und böse' beurteilt werden muss.....

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mansoon
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Die entscheidende Frage

Wie konnte ein Chaot, wie Franz STROHNAL, derart viel Kohle während der letzten Jahrzehnte scheffeln, wo doch dieser Mensch so ziemlich alles vermissen lässt, was in Bezug auf Souveränität, Abgeklärtheit, Übersicht, etc... von einer Führungspersönlichkeit erwartet werden darf.
Des weiteren würde ich gerne wissen, wie das alles (in wirtschaftlicher Hinsicht) derart geschmiert laufen konnte, wo er sich doch ausschließlich mit 'Pappeimern' vom Schlage eines Sigi WOLF umgeben hat? Ach ja, an dem hat ihm primär imponiert, dass er ein Bauernsohn aus Fürstenfeld ist, als ob das allein genug wäre, um als 'kompetent' gelten zu dürfen....
Auch die TS-Parlamentsriege - ..... ein jämmerlicher Haufen 'lang übersetzter' Sesselkleber, die es sich nicht verkneifen konnten, noch einmal für eine Gesetzgebungsperiode am 'Futtertrog mitzunaschen; und die NACHBAUR ist ebenfalls nichts anderes als ein harmloses Täubchen, das sich jahrelang von der Bewunderung für Onkel Frank genährt hat.... erbärmlich!!

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einfachso56
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Herr/Frau Mansoon

hat nicht ganz unrecht!

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Hartholz
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Wer ist Herr Strohnal und wie schaffen Sie es, so viele Dummheiten in einem einzigen Posting unterzubringen?

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Bananenbieger
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Herr/Frau Mansoon: Aus Ihnen spricht der blanke Neid wie man unschwer aus Ihrem Geschreibsel ersehen kann!

Erbärmlich ist nur Ihr Hassposting. Wenn Sie schon nichts im Leben zusammenbringen, dann sollten Sie nicht auf andere, erfolgreiche Menschen losziehen.
Dass Stronach unternehmerisch Erfolg hatte ist unschwer zu erkennen. Das "wie" kann Ihnen eigentlilch egal sein!

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