Verbale Attacke von Ex-FBI-Chef ComeyTrump "moralisch unfähig", Präsident zu sein

In einem Interview erklärt Ex-FBI-Chef Comey Trump moralisch für unfähig die USA zu führen, er behandle Frauen wie ein Stück Fleisch, sei aber keineswegs dement, sondern im Gegenteil "überdurchschnittlich intelligent". Comey hält es auch für möglich, dass Trump die Justiz behindert hat.

Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat Donald Trump in einem Interview aufs Schärfste angegriffen und ihn als moralisch unfähig für das Präsidentenamt bezeichnet
Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat Donald Trump in einem Interview aufs Schärfste angegriffen und ihn als moralisch unfähig für das Präsidentenamt bezeichnet © APA/AFP/JIM WATSON
 

Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat Donald Trump in einem Interview aufs Schärfste angegriffen und ihn als moralisch unfähig für das Präsidentenamt bezeichnet. Eine Person, die Frauen wie ein Stück Fleisch behandele, die ständig lüge und darauf bestehe, dass das amerikanische Volk es glaube, sei moralisch ungeeignet für das Amt, so Comey.

In dem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interviews des Senders ABC News sagte Comey, er glaube nicht an Spekulationen, wonach Trump geistig nicht fit sei oder Demenz im Anfangsstadium habe. "Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht", erklärte der 57-Jährige. "Ich glaube nicht, dass er medizinisch nicht dazu in der Lage ist, Präsident zu sein. Ich denke, er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein."

"Dieser Präsident ist nicht in der Lage, das zu tun"

"Unser Präsident muss Respekt verkörpern und für die Werte stehen, die unser Land ausmachen. Das Wichtigste ist die Wahrheit", betonte Comey. "Dieser Präsident ist nicht in der Lage, das zu tun."

Justiz behindert?

Comey hält es außerdem für möglich, dass Trump die Justiz behindert haben könnte. Es gebe sicherlich Beweise für Justizbehinderung, sagte auf eine entsprechende Frage. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.

In der Interviewpassage ging es um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft.

Ich glaube nicht, dass er medizinisch nicht dazu in der Lage ist, Präsident zu sein. Ich denke, er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein

FBI-Chef James Comey

Trump hatte Comey im Mai 2017 überraschend entlassen. Der Präsident begründete den Rauswurf unter anderem mit den FBI-Ermittlungen zur Russland-Affäre - also zu den mutmaßlichen Einmischungen Russland zugunsten Trumps im Wahlkampf und möglichen illegalen Verbindungen von Trump-Mitarbeitern nach Moskau. Nach seiner Entlassung sagte Comey im Senat aus, er sei von Trump wegen der Ermittlungen bedrängt worden. Bereits seit Tagen hatten sich die beiden gegenseitig mit Beleidigungen überzogen.

Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft.

Comey rechnet auch in einem neuen Buch unbarmherzig mit dem Präsidenten ab. Das Werk mit dem Titel "A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership" (deutscher Titel: "Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an") soll am Dienstag erscheinen. Darin schildert er den Präsidenten als Mann ohne moralischen Kompass, als notorischen Lügner, der das Land im Stil eines Mafia-Bosses führt.

Donald Trump: Ein Jahr in 13 Zitaten

20. Jänner 2017: "Amerika zuerst." (in seiner Antrittsrede in Washington über die künftige Politik)

(c) AP (Evan Vucci)

27. Februar: "Niemand wusste, dass Gesundheitspolitik so kompliziert sein könnte." (vor Gouverneuren in Washington)

(c) AP (Evan Vucci)

17. März: "Zumindest haben wir vielleicht etwas gemeinsam." (bei einer Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel in Washington. Trump bringt seine unbelegten Abhörvorwürfe gegen Vorgänger Barack Obama mit dem Lauschangriff der US-Geheimdienste auf Merkels Handy während Obamas Regierungszeit in Zusammenhang)

(c) APA/AFP/MANDEL NGAN (MANDEL NGAN)

12. April: "Ich habe gesagt, es (das Bündnis) ist obsolet. Es ist nicht länger obsolet." (in Washington über die NATO)

(c) AP (Evan Vucci)

10. Mai: "Ich habe gerade den Chef des FBI gefeuert. Er war verrückt, ein echter Spinner. Ich habe wegen Russland einen großen Druck verspürt. Der ist jetzt weg." (bei einem Treffen unter anderen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow im Oval Office über FBI-Direktor James Comey. Dessen Behörde untersucht den Vorwurf von Moskau-Kontakten des Trump-Wahlkampfteams)

(c) APA/AFP/MANDEL NGAN (MANDEL NGAN)

1. Juni: "Ich wurde gewählt, um Pittsburgh zu repräsentieren, nicht Paris." (nach dem US-Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen)

(c) APA/AFP/MANDEL NGAN (MANDEL NGAN)

25. Juli: "Diese ganze Russland-Geschichte ist eine totale Hexenjagd. (...) Es gab keine Absprachen mit Russland. Wir haben uns nie mit Russland abgegeben." (in einem Interview des "Wall Street Journal")

(c) APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI (BRENDAN SMIALOWSKI)

8. August: "Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat." (in einem Pressebriefing über das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm)

(c) AP (Evan Vucci)

22. September: "Stell den Hurensohn sofort vom Feld!" (in einer Rede in Alabama über Football-Spieler der NFL, die sich als Zeichen gegen Rassendiskriminierung bei der US-Nationalhymne vor Spielen hinknien)

(c) AP (Manuel Balce Ceneta)

11. Oktober: "Es ist offen gesagt ekelhaft, dass die Presse in der Lage ist, zu schreiben, was immer sie schreiben will." (bei einer Pressekonferenz im Oval Office)

(c) AP (Andrew Harnik)

12. November: "Ich würde ihn nie als "klein und fett" bezeichnen." (auf Twitter über Nordkoreas Führer Kim Jong Un, der ihn zuvor als senilen Greis bezeichnet hatte)

(c) AP (Manuel Balce Ceneta)

6. Dezember: "Heute erkennen wir das Offensichtliche an: dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist." (in Washington)

(c) AP (Manuel Balce Ceneta)

11. Jänner 2018: "Warum lassen wir all diese Menschen aus Drecksloch-Staaten herkommen?" (laut "Washington Post" angeblich über Einwanderer aus Haiti, El Salvador und Afrika)

(c) APA/AFP/NICHOLAS KAMM (NICHOLAS KAMM)
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Kommentare (11)

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Planck
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Eigentlich wissen's eh alle.

Naja, okay, der Vilimsky und seine Truppe vielleicht nicht.
Was sagt uns das über diesen Haufen?

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minerva
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Thema verfehlt Planck...

versuchs NOCHMALS gaaaanz langsam zu lesen - hier gehts um Trump

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Planck
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*lol*

Herzig *grchch

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artjom85
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Da nicht alle Blauen komplett unterbelichtet sind, zumindest folgendes:

Dass zumindest der größte Teil der FPÖ unter ihrer Oberfläche einen Sch... auf moralische Grundsätze gibt.
Dass die FPÖ ähnlich den Türkisen nicht für das Volk, sondern durch das Volk für Großbetriebe agiert.

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KarlZoech
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Man darf getrost annehmen, dass James Comey recht hat:

Trump ist ein "Mann ohne moralischen Kompass, ein notorischen Lügner, der die USA im Stil eines Mafia-Bosses führt".
Und dazu noch agiert er emotional wie ein großkotziger, angeberischer 14-Jähriger.

Hoffentlich ist dieser Präsident längstens ab Ende Jänner 2021 Geschichte!

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georgXV
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?

offensichtlich gibt es LEIDER noch immer NICHT genügend Wähler / Senatoren / Staatsanwälte / Richter, die ihn aus dem Amte "treiben" !!!

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SoundofThunder
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🤔

Wessen Vorbild ist der Trump?

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paulrandig
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SoundofThunder

Oh, da fallen mir schon ein paar Politiker hierzulande ein...

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Bowhunter unlimited
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Also d a s ist nun nicht wirklich etwas Neues....

...oder?

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raspel
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Trump "moralisch unfähig", Präsident zu sein

Nicht nur moralisch, auch intellektuell. Dass er nicht alle Tassen im Schrank hat, stellt er Tag für Tag unter Beweis.

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dude
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Ich bedaure, Raspel,

aber da bin ich eher Comey's Meinung, daß Trump sehr wohl weiß was er tut. Bei seiner Wahl dachte ich auch noch, daß er ein Irrläufer der Weltpolitik sei, der durch Glück und Zufall an die Macht gekommen ist und so schnell wie er gekommen ist, wieder verschwinden wird. Ich habe mich leider geirrt! Ich bin überzeugt, daß er ein willfähriger Erfüllungsgehilfe der Finanz- und Rüstungsindustrie ist. Einen besseren gibt es dafür nicht! Leider! Und wenn er tatsächlich den Finanzeliten und den Konzernbossen zuwider laufen würde, wäre er in kürzester Zeit nicht mehr da!

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