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Vatikan

Heiliges Jahr im Zeichen des Terrors beginnt

Mit der Eröffnung der Heiligen Pforte im Petersdom am 8. Dezember beginnt im Vatikan das "Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit", das erste im Pontifikat von Papst Franziskus und im Zeitalter der IS-Terrordrohung.

© APA/EPA/CLAUDIO PERI
 

Dieses bis 20. November laufende Heilige Jahr verspricht einen Rekord aufzustellen, nicht nur was Veranstaltungen und Pilgerzahlen, sondern auch was Sicherheitsvorkehrungen betrifft.

Verschiebung abgelehnt

Waren die Maßnahmen zur Sicherheit bereits in den vergangenen Monaten rund um den Vatikan verschärft worden, so haben die Präsenz von Polizei und Carabinieri, sowie Kontrollen seit den Anschlägen in Paris nochmals zugenommen. Einige Politiker schlugen eine Verschiebung des Jubiläumsjahres vor, aber sowohl der Vatikan als auch die Regierung in Rom lehnten dies heftig ab. Für die Sicherheit der Pilger würde eine Absage des kirchlichen Events ohnehin nichts bringen, meinte Roms zuständiger Stadt-Präfekt Franco Gabrielli. "Terroristen handeln nicht nach einem festen Kalender. Sie schlagen zu, wenn sie mit der Planung fertig sind", sagte Gabrielli.

Riesenaufwand für die Sicherheit

Mit einem Riesenaufwand wollen die staatlichen Behörden Roms für die Sicherheit des Heiligen Jahres sorgen. 2.000 Militärs und Sicherheitskräfte werden täglich im Einsatz sein. Sie sollen unter anderem 150 Punkte der Stadt bewachen, die als "besonders sensibel" eingestuft werden, angefangen mit der Wohnung des Papstes im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, aber auch 39 diplomatische Vertretungen, die Einwanderungsbehörde, Fluggesellschaften der USA und Israels und neun internationale Schulen, darunter die jüdische und die saudische. Zu den "sensiblen" Orten zählen aber auch symbolische wie das Kolosseum, die Spanische Treppe, die Synagoge, Bahnhöfe, Metro-Stationen und natürlich die Flughäfen. Über der Stadt soll ein Flugverbot gelten, besondere Gefahren sehe man durch Drohnen. Zudem wurde eine einheitliche Notrufnummer eingerichtet, in der Polizei, Carabinieri, Feuerwehr und ärztlicher Notdienst zusammenlaufen.

Verkehrsbetriebe betroffen

Unterdessen verstärken auch die römischen Verkehrsbetriebe ihre Sicherheitsmaßnahmen zum Heiligen Jahr. Haltestellen und Gleisabschnitte würden mit mehr als 3.000 Kameras überwacht, teilte das Nahverkehrsunternehmen Atac mit. Zudem habe man das Kommunikationsnetz von Polizei, Rettungskräften, Zivilschutz und Stadtregierung ausgebaut. An Knotenpunkten wie dem Bahnhof Termini oder dem Kolosseum seien Polizeihunde im Einsatz.

Auch die Päpstliche Schweizergarde, die "kleinste Armee der Welt", ist für das Großereignis gerüstet. Sie hat zusammen mit dem vatikanischen Polizeidienst die erforderlichen Vorkehrungen getroffen, um höchste Sicherheit im Vatikan zu garantieren. Aktiv ist eine Operationszentrale, die rund um die Uhr den Funkkontakt zwischen den Sicherheitseinrichtungen koordiniert. Auch die übrigen Sicherheitsorgane in und um den Vatikan haben sich auf den Ansturm der Pilger eingerichtet. Für Personenkontrollen sind zusätzliche Vorkehrungen getroffen worden.

Rom im Visier der Terroristen

Der Islamische Staat (IS) hat Rom schon länger im Visier. Als er 2014 sein "Kalifat" ausrief, verkündete er, dieses Zentrum der Christenheit erobern und "die Kreuze zerbrechen" zu wollen. In seiner Propaganda verbreitete er Fotomontagen mit der schwarzen Fahne auf dem brennenden Kolosseum oder auf dem Obelisken vor dem Petersdom.

Ob die Terrorangst Pilger aus der ganzen Welt davon abhalten wird, anlässlich des Jubiläumsjahres nach Rom zu reisen, ist fraglich. Roms Hotelierverband klagte über Stornos von Urlaubern aus dem Ausland nach den Anschlägen in Paris. "Die Menschen haben Angst. Sollte dieser Kriegszustand andauern, rechnen wir mit weiteren Stornos", so Roberto Necci, Präsident des regionalen Verbands der Hoteliers.

Präfekt Gabrielli appellierte an die Medien, die Terrorangst nicht zu schüren. "Es bedarf des Urteilsvermögens, um die vielen unfundierten Nachrichten von den wirklich wichtigen zu trennen", sagte er. Die Römer wollen sich von dem Klima der Angst nach den Anschlägen in Paris nicht erfassen lassen. Doch wegen der Terrorgefahr scheint auch Rom einen Teil seiner Leichtigkeit verloren zu haben.

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