Künstlerstreich

"Flüchtlings-Brücke": Ein Fake-Video zieht seine Kreise

Mit "Utopie als Waffe" will ein Künstlerkollektiv auf "reale Chancen zur Rettung von Menschenleben" hinweisen. Im Zentrum des Fake-Videos: Christian Konrad und eine Brücke von Tunesien nach Italien.

© Screenshot/YouTube
 

Das Kunstprojekt "Zentrum für politische Schönheit" lässt in einer fingierten Audio-Botschaft den österreichischen Flüchtlingskoordinator Christian Konrad für eine Brücke zwischen Nordafrika und Europa werben. "Mitmenschlichkeit ist eine Win-win-Situation für alle. Machen wir aus der Festung Europa ein offenes Haus", sagte Konrad in dem am Montag veröffentlichten Video.

Nach Vorstellung der Aktionskünstler begreifen Regierungspolitiker wie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und der Ex-Banker Konrad mit einem Mal, dass die Aufnahme von Flüchtlingen den wirtschaftlichen Aufschwung in Europa sichert.

Nach der Idee des "Zentrums für politische Schönheit" soll künftig eine 230 Kilometer lange Brücke von Tunesien nach Italien führen - und damit den Tod tausender Flüchtlinge bei der Überfahrt über das Mittelmeer verhindern. Benannt wird die Brücke nach Jean Monnet, dem französischen Unternehmer und Wegbereiter der europäischen Einigung. "Mit der Jean-Monnet-Brücke beweisen wir der Welt, dass Humanität sich auch wirtschaftlich rechnet", sagte die angebliche Stimme Konrads in dem Video.

Hinweis auf "reale Chancen zur Rettung"

Und um die Zeit bis zur Fertigstellung der imaginierten Querung zu überbrücken, sollen schon am Oktober 1000 aufblasbare Rettungsplattformen aus rotem Plastik zu Wasser gelassen werden. Die aktionistischen Künstler sehen ihre Fantasie-Brücke als Möglichkeit, auf reale Chancen zur Rettung von Menschenleben hinzuweisen. "Utopie ist eine Waffe", sagte der Gründer des Zentrums für politische Schönheit, Philipp Ruch, in einer Erklärung.

Die Kunst-Guerilleros um den Deutsch-Schweizer sorgten zuletzt bereits mit symbolischen Flüchtlingsgräbern im Rahmen der Aktion "Die Toten kommen" im Juni für Aufsehen. Vor dem Bundeskanzleramt in Berlin und auch vor dem Parlament in Wien schüttete die Kunstgruppe Erdboden auf und pflanzte schlichte Holzkreuze darin, um, nach ihrer Darstellung, die Toten an Europas Grenzen zu den Mächtigen zu bringen.

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