Rätselraten um Tibor Foco

Beinahe 20 Jahre ist es her, dass der wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Tibor Foco auf einem Studienausgang geflüchtet ist. Hinweise gibt es nach wie vor, gesichert ist aber nichts. Nicht zuletzt deshalb dürfte der Chef der Zielfahnder des Bundeskriminalamt (BK), Oberst Helmut Reinmüller, im Fachmagazin "kripo.at" die Frage aufgeworfen haben: "Was ist, wenn er tot ist?"

© APA (Rubra)
 

Spekulieren will das BK nicht: "So lange es keine offizielle Bestätigung gibt, ist die Fahndung bei uns aufrecht. So lange es keinen Beweis gibt, dass er tot ist - DNA-Spuren oder was immer -, müssen wir unserem gesetzlichen Auftrag nachkommen", sagte BK-Sprecher Mario Hejl auf APA-Anfrage. Das Neueste sei ein sogenanntes Aging-Bild aus dem Jahr 2012. "Noch immer gibt es Hinweise, manche sind besser, manche schlechter."

Faktum ist, dass die Fahndungsseite des BK nicht immer den aktuellen Fahndungsstand widerspiegelt. Beispiel Alois Brunner: Noch immer wird nach dem SS-Hauptsturmführer, der als "rechte Hand" des Organisators der Deportationen von Juden in die Vernichtungslager der Nazis für den Tod von etwa 130.000 Menschen verantwortlich war, gesucht.

Das Simon Wiesenthal Center gab Ende November 2014 bekannt, dass es Brunner von der Liste der meistgesuchten NS-Verbrecher gestrichen hat. Brunner, der im April 103 Jahre alt werden würde, sei 2009 oder 2010 in Damaskus gestorben und begraben worden. Das Bundeskriminalamt wies auch in diesem Fall darauf hin, dass es bisher keinen eindeutigen Beweis für das Ableben Brunners gebe und man daher gesetzlich verpflichtet sei, die Fahndung aufrecht zu erhalten, bis es entweder Beweise gibt oder Brunner gerichtlich für tot erklärt wird.

Im Fall Foco werden die Hinweise überprüft, wenn sie die Zielfahnder des Bundeskriminalamts erreichen. Gesucht wurde der ehemalige Motorradrennfahrer und Bordellbetreiber mehr oder weniger auf der gesamten Welt: von Kanada bis Thailand, dazu kamen Südamerika oder auch Südafrika. Hinweise gab es auch auf nördliche Regionen Niederösterreichs. Insider sind sich sicher: Wenn Foco - er wäre derzeit 58 - noch lebt, dann wäre er ein sonniger, sportlicher, braun gebrannter und gesunder Endfünfziger.

Der Gesuchte wurde am 31. März 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er am 13. März 1986 die Prostituierte Elfriede H. durch einen Revolverschuss in den Kopf ermordet haben soll. Foco betrieb laut BK in Linz ein Rotlichtlokal und habe die professionellen Dienste des damals 23-jährigen Opfers in Anspruch nehmen wollen. Es soll in der Mordnacht zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, wobei Elfriede H. brutal zusammengeschlagen wurde. Sie erlitt eine Vielzahl von Wunden, Prellungen im Kopfbereich und Knochenbrüchen an den Armen. In den Morgenstunden des 14. März 1986 wurde der Leichnam von Elfriede H. auf den Gleisen der Westbahn gefunden.

Die ursprünglich als Mittäter verurteilten Peter L. und Regina U. wurden später freigesprochen, Peter L. bei der Wiederaufnahme des Verfahrens, die Kronzeugin Regina U. wegen entschuldigten Notstands. Auch Foco bemühte sich bis zu seiner Flucht um eine Wiederaufnahme, 1997 wurde das Urteil gegen ihn vom Oberlandesgericht aufgehoben und seinem Antrag auf Wiederaufnahme stattgegeben.

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