SalzburgVermisste bei Suche getötet: Taxler verurteilt

Am Landesgericht Salzburg ist am Montag ein 57-jähriger Taxilenker wegen grob fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten Haft, drei davon unbedingt, verurteilt worden.

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Der Mann soll am 31. Mai 2017 in Seekirchen (Flachgau) bei der Suche nach einer vermissten Frau geholfen und die in einer Wiese liegende 52-Jährige irrtümlich mit dem Auto überrollt und getötet haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Dem Unfall war ein Beziehungsstreit zwischen der Frau und ihrem Lebensgefährten (76) vorausgegangen. Dabei telefonierte sie auch kurz mit ihrer Mutter. "Mama, ich kann nicht mehr. Er macht mich kaputt", schilderte die Mutter heute vor Gericht das letzte Telefonat mit ihrer Tochter. Weil sie Angst hatte, dass sich ihr Kind etwas antun könnte und der Freund zuvor Alkohol und Tabletten erwähnt hatte, verständigte sie einen Taxifahrer, der sie zur 52-Jährigen bringen sollte.

Fernlicht statt Nahlicht

Kurz vor deren Haus trafen die beiden gegen 22.40 Uhr auf der Straße auf den Freund der Frau. Dieser erzählte, dass seine Lebensgefährtin das Haus verlassen hat und in die angrenzende Wiese gelaufen ist. Dort habe er sie aus den Augen verloren. Der Taxler fuhr darauf ins Gras und drehte einige Runden, um die Vermisste zu suchen. Laut Anklage soll er dabei das Fernlicht und nicht das Nahlicht verwendet haben und dadurch die im bis zu 45 Zentimeter hohen Gras liegende Frau übersehen haben. Die 52-Jährige wurde vom rechten Vorderrad im Bereich des Brustkorbes überrollt und starb an inneren Blutungen.

Der Angeklagte bekannte sich am Montag für nicht schuldig. "Ich bin nur kurz in die frisch geschnittene Wiese und nicht ins hohe Gras gefahren." Einen Widerstand habe er nicht gespürt. Das Fernlicht habe er verwendet, weil er damit genauso gut wie mit dem Abblendlicht gesehen habe, dafür aber viel weiter. Er sei dann aber gleich wieder zurück auf die Straße gefahren, weil er für einen Auftrag weiter musste.

Reifenspuren untersucht

Das Opfer wurde erst gefunden, als sich wenig später auch der Lebensgefährte in sein Auto setzte, ebenfalls einige Runden in der Wiese drehte und auf den Körper der Frau stieß. Für die 52-Jährige kam da aber bereits jede Hilfe zu spät. Ermittelt wurde zunächst auch gegen den Freund, ein Kfz-Gutachten ordnete die Abdrücke der Reifenspuren auf der Haut der Frau aber eindeutig dem Taxi zu. Von vier im Auftrag der Polizei untersuchten Fahrzeugen habe nur dieses das entsprechende Profil aufgewiesen.

Laut einem Gutachten der Gerichtsmedizin hatte die Frau 1,2 Promille Alkohol im Blut. Hinweise auf Drogen oder Medikamente habe man nicht gefunden. Es sei möglich gewesen, dass die Frau zum Unfallzeitpunkt im Gras geschlafen habe, erklärte ein Gerichtsmediziner: "Das ist aber nicht nachweisbar." Und auf Nachfrage des Verteidigers: Spuren, die auf einen Kampf hinweisen, habe man bei der Obduktion nicht gefunden.

Für die Abdrücke von seinem Auto konnte der Angeklagte am Montag keine Erklärung abgeben. Richterin Martina Pfarrkirchner sprach den Taxilenker schließlich im Sinne der Anklage schuldig.

 

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