Salzburg"Zwischen zwei Stühlen": Cannabis-Aktivist erneut verurteilt

Auch in seinem zweiten Drogenprozess ist der Obmann des Cannabis Social Club Salzburg schuldig gesprochen worden. Der 58-Jährige erhielt neun Monate Haft, drei Monate davon unbedingt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

© APA/AFP/--/RAUL ARBOLEDA
 

Der Gründer des Cannabis Social Club Salzburg ist am Donnerstag zum zweiten Mal binnen fünf Monaten vor Gericht gestanden. Der 58-jährige Schmerzpatient soll Drogen angebaut und gehandelt haben, außerdem musste er sich wegen Kurpfuscherei verantworten. Er wurde schuldig gesprochen, der 58-Jährige erhielt neun Monate Haft, drei Monate davon unbedingt. Weil der Flachgauer diese Zeit bereits in der U-Haft abgesessen hat, konnte er das Landesgericht nach der Verhandlung heute als freier Mann verlassen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

"Zwischen Ärzteschaft und Justiz"

Drei Mitangeklagte des Mannes erhielten am Donnerstag bedingte Haftstrafen in der Höhe von drei bis fünf Monaten. Die Verfahren gegen zwei weitere Angeklagte wurde ausgeschieden, der Prozess gegen einen sechsten Beschuldigten vertagt. Der Flachgauer zeigte sich zuvor im Prozess teilweise geständig, meinte aber auch: "Ich sitze zwischen zwei Stühlen, zwischen Ärzteschaft und Justiz."

Der ehemalige Lkw-Fahrer hatte bei einem Arbeitsunfall im Jahr 2004 einen schweren Knorpel- und Bänderschaden am Fuß erlitten, der zu spät erkannt wurde. Nach drei Operationen und langen Krankenhausaufenthalten leidet er an chronischen Schmerzen. Er bekam Morphium verschrieben, welches er laut eigenen Angaben nicht vertrug. Also begann er im Jahr 2010, mit Cannabis zu experimentieren.

"Mir war klar, dass das verboten ist. Aber es hat mir wegen der muskelentspannenden Wirkung einfach geholfen." Auf das Ersatzmedikament Sativex spreche er nur bedingt an. Er brauche regelmäßig Abwechslung bei der Medikation, darum habe er auch verschiedene Sorten von Cannabis gezüchtet. Ärzte hätten ihm die positive Wirkung von Cannabis-Produkten auf seine Lebensqualität bescheinigt und ihn sogar zum Anbau aufgefordert. Weil er daraus kein Geheimnis machte, wurde irgendwann die Polizei aktiv.

Verarbeitung zu Butter und Pralinen

Nachdem er fünf Jahre lang Cannabis gegen seine Schmerzen anbaute, konsumierte und in einigen wenigen Fällen auch an Leidensgenossen weitergab, stand der 58-Jährige deswegen schon am 1. Februar 2017 vor Gericht. Er erhielt im Prozess eine bedingte Gefängnisstrafe, die in der Berufungsverhandlung in eine Geldstrafe in der Höhe von 480 Euro umgewandelt wurde. Weil er nach der Verhandlung aber weiter Cannabis anbaute, klickten am 27. Februar 2017 für ihn die Handschellen. Bei einer Hausdurchsuchung waren Dutzende ausgewachsene Cannabispflanzen, getrocknetes Cannabiskraut und Cannabisöl sichergestellt worden.

Der Flachgauer saß seitdem in Untersuchungshaft. Neben der Erzeugung und dem Besitz von Cannabis soll der Angeklagte auch Drogen weitergegeben haben. Der 58-Jährige soll das abgeerntete Cannabiskraut zu Cannabisöl, aber auch zu Butter, Pralinen, Tropfen und Salben verarbeitet haben. Und das keineswegs nur zum Eigengebrauch: Laut Staatsanwaltschaft soll der Vereinsobmann die Cannabisprodukte dann "gewinnbringend" an 47 Personen weiterverkauft haben.

Exakt 715,50 Euro Gewinn

"Er wollte sich nicht bereichern, sondern nahm sich um das Schicksal anderer schmerzgeplagter Patienten an. Er hat einen Verein ins Leben gerufen und Cannabisprodukte zum Selbstkostenpreis weitergegeben", sagte sein Verteidiger Franz Essl. Sein Mandant habe über alle Vereinsaktivitäten genau Buch geführt. "In den Jahren 2014 bis 2016 hat er exakt 715,50 Euro Gewinn erzielt."

Auch dass der 58-Jährige Diagnosen erstellt und Beratungen durchgeführt haben soll, "ohne die zur Ausübung des ärztlichen Berufs erforderliche Ausbildung erhalten zu haben", wie es in der Anklage heißt, wies Essl vor Gericht entschieden zurück. Sein Mandant habe sich nie als Arzt ausgegeben oder Ärzten vorbehaltene Tätigkeiten vorgenommen. "Ich habe maximal über die Wirkung von Cannabis aufgeklärt", meinte der Angeklagte dazu selbst.

"Wie wird es nach dem Prozess weitergehen?", fragte ihn Richter Günther Nocker. "Ich muss mir Alternativen suchen", meinte der Angeklagte. Er habe nur gemacht, was ihm die Ärzte empfohlen hätten. "An solche Tipps werden Sie sich in Zukunft nicht halten. So mühsam es ist, Sie werden wohl was anderes ausprobieren müssen", sagte Nocker. "Die Legalisierung von Cannabis mag für manche wünschenswert sein, aber es ist hierzulande nun einmal verboten."

Kommentare (2)

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Schwupdiwup
1
9
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Ein Vergleich

Seine Wahl: Cannabis
Hilft diesem Mann offenbar
Kann sehr günstig selbst hergestellt werden.
Sehr sicher, da eine Überdosierung nicht möglich ist.

Seine Alternative: Morphine
Vielen Patienten helfen diese auf Dauer nicht mehr, viele vertragen diese auch nicht (Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsprobleme, Kreislaufprobleme,.....).
Teuer für den Patienten und teuer für den Steuerzahler (es verdient nur die Pharmaindustrie)
Überdosierung mit Todesfolge möglich.

Möchte jetzt niemanden zum Cannabiskonsum überreden, aber jeder Erwachsene sollte zumindest selbst über die eigene Medikation entscheiden dürfen. Die derzeitige rechtliche Situation gleicht der Hexenjagd im Mittelalter und die Strafverfolgung kostet den Steuerzahler Millionen.

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Schwupdiwup
1
6
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Derzeit...

...läuft eine parlamentarische Bürgerinitiative zur Straffreistellung von Besitz und Erzeugung von Cannabis(-produkten) bei PatientInnen mit entsprechender medizinischer Indikation.
Diese kann online auf der Seite des Österreichischen Parlaments unterzeichnet werden.

Leider ist das posten von Links in diesem Forum nicht erlaubt. Bei Interesse suchen Sie bitte nach der Internetseite des Initiators, der so genannten "Arge Canna". Dort finden Sie gleich auf der ersten Seite den entsprechenden Link zur Parlamentsseite

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