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Michael Landau im Interview

"Das ist eine der schönsten Aufgaben im Land"

Der neue Caritas-Präsident Michael Landau schildert seinen Weg in die Kirche und bittet dringend um Hilfe für die Philippinen.

© APA
 

I ch gratuliere Ihnen zur Zweidrittelmehrheit bei Ihrer Wahl. Da kann man in Ruhe arbeiten.

LANDAU: Danke. Ich freue mich sehr, dass mich Franz Küberl vorgeschlagen hat. Es ist wohl eine der schönsten Aufgaben innerhalb der Kirche, auch eine der schönsten im ganzen Land.

Sie haben mit Küberl begonnen.

LANDAU: Franz Küberl und ich haben in den 18 Jahren sehr viel gemeinsam bewegt: Ich denke an die Mindestsicherung, an die Hospizarbeit.

Wie definieren Sie Caritas?

LANDAU: Caritas heißt Nächstenliebe ohne Wenn und Aber. Für mich gehört die Caritas an die Seite der Armen. Unsere Aufgabe besteht in der konkreten Hilfe für Menschen in Not. Das ist unser Kernauftrag. Wir müssen aber auch hartnäckig den Finger in gesellschaftliche Wunden legen. Das werden wir weiter tun.

Sie haben sich als 20-Jähriger taufen lassen. Was hat Sie damals dazu bewogen?

LANDAU: Meine Eltern, die beide schon verstorben sind, haben unterschiedliche religiöse Bekenntnisse. Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört das Gute-Nacht-Gebet zu Hause mit meinem Bruder. Ich habe während der Schulzeit freiwillig den Religionsunterricht besucht. Einige meiner guten Schulfreunde waren in ihrer Pfarre stark engagiert und so hat sich das nach und nach entwickelt.

Wie sind Sie auf das Studienfach Biochemie gekommen?

LANDAU: Ich habe während meiner Schulzeit an den Chemie-Olympiaden teilgenommen, habe auch zwei Mal den Österreich-Bewerb gewonnen und überlegt, ob ich Chemie oder Medizin studieren soll. In der Zeit meines Studiums ist der Gedanke gewachsen, Priester zu werden. Am Anfang fragt man sich, ob man das wirklich will und dann denkt man: warum eigentlich nicht? Ich bin froh, dass ich Priester geworden bin, weil ich mit Menschen zu tun habe.

Finden Sie genug Helfer?

LANDAU: Wenn ich an die Young Caritas denke, sehe ich, wie sehr junge Menschen bereit sind, sich für andere zu engagieren. Das ist keine Generation von Egoisten. Die 35.000 Freiwilligen in der Caritas sind ein ungeheurer Schatz und die Pfarren sind so etwas wie Kraftwerke der Nächstenliebe. Zugleich leben wir in einer Gesellschaft, wo viele Menschen sagen, "ich bin ja nicht die Caritas".

Ein Kompliment an die Caritas, eigentlich. Wie halten Sie die Balance zwischen Hilfe im Inland und im Ausland?

LANDAU: Ich glaube, dass die eine Not nicht gegen die andere ausgespielt werden darf. Die Caritas gehört an die Seite der Not leidenden Menschen. Das meint die Obdachlosen hier in Österreich genauso wie die Flüchtlinge in Lampedusa.

Oder auf den Philippinen.

LANDAU: Dort wird Hilfe auch aus Österreich überlebensnotwendig sein. Wir werden einen langen Atem brauchen. Die Caritas hat gerade zwei erfahrene Katastrophenhelfer auf die Philippinen geschickt. Die Situation ist vergleichbar mit dem Tsunami von 2004. Rund drei Millionen Menschen haben alles verloren. Ich bitte die Österreicher und Österreicherinnen, mitzuhelfen. Jeder Spenden-Euro rettet Leben, und um 35 Euro kann ein Hilfspaket geschnürt werden, das Menschen das Überleben sichert. Es gibt in unserem Land einen guten Grundwasserspiegel der Solidarität. Das macht mich sehr zuversichtlich.

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