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Zuletzt aktualisiert: 02.07.2011 um 05:10 UhrKommentare

Daten-Gier und Freizügigkeit

Die Datenschützerin Eva Souhrada-Kirchmayer im Gespräch über Facebook, Google & Co. sowie die immer größere Sammelleidenschaft von Staaten nach dem 11. September.

Foto © AP

Wie man Nutzer vor Konzernen und sich selbst schützen kann Eine Internet-Weisheit drückt es passender kaum möglich aus: "Wenn im Netz etwas nichts kostet, ist der Nutzer das Produkt." Facebook, Google & Co. betreiben ihre Server nicht aus Selbstlosigkeit heraus, verschenken Handy-Betriebssysteme und Online-Speicherplatz nicht aus Nächstenliebe und sammeln Nutzerdaten nicht zum Spaß. Dass den meisten dies bewusst ist, darf ebenso bezweifelt werden wie die Reife so manchen Internet-Nutzers beim Teilen von heiklen Fotos oder Status-Meldungen.

Es scheint, als würde Technologie von Fotoapparaten bis hin zu Facebook immer wieder die Frage nach Privatsphäre aufbringen. Ist Technologie böse?

Souhrada-Kirchmayer: Nein. Das ist wie bei jedem anderen Werkzeug auch. Ein Messer kann zum Schneiden benutzt werden oder um jemanden umzubringen. Bei Technologie ist das genauso. Sie kann sehr viel Positives bewirken, kann aber auch negativ verwendet werden.

Gibt es einen Weg zurück zu mehr Privatsphäre?

Souhrada-Kirchmayer: Ultimative Privatsphäre ist schwer zu erreichen. Aber es gibt ein Grundrecht darauf, in das wir aber gewisse Eingriffe hinnehmen müssen. Gründe dafür können etwa öffentliche Sicherheit oder Volksgesundheit sein. Nach 9/11 schoss man in einigen Bereichen deutlich über das Ziel und es gibt nun wieder eine Tendenz zurück.

Sehen Sie das Pendel tatsächlich zurückschwingen?

Souhrada-Kirchmayer Ja, allerdings kommen aus der EU unterschiedliche Signale. Man denke nur an die Vorratsdatenspeicherung oder die Flugpassagier-Daten.

Es scheint, dass sich bei einigen Jungen die Rolle von Öffentlichkeit und Privatsphäre umdreht. Für sie ist grundsätzlich viel mehr öffentlich und weniger privat. Beobachten Sie diese Entwicklung auch?

Souhrada-Kirchmayer: Das ist vor allem in sozialen Netzwerken beobachtbar. Da stellen Leute Dinge rein, die man normalerweise nicht von sich preisgeben würde. Einige gehen damit recht offen um. Jugendliche sind sich oft nicht bewusst, was das bewirken kann und dass dies später schwierig wegzubekommen ist. Wir diskutieren daher auf internationaler Ebene das "Right to be forgotten", also das Recht, dass Daten aus dem Netz entfernt werden können oder ein Ablaufdatum bekommen.

Gibt es in Mitteleuropa ein übertriebenes Bedürfnis nach Privatsphäre? In anderen Ländern ist das nicht so.

Souhrada-Kirchmayer: Stimmt, das ist sicher eine Kultursache. In Skandinavien hatte man immer mehr Transparenz. Dass Einkommensdaten öffentlich sind, ist dort normal. Auch in Großbritaninien hat man weniger Probleme beim Sammeln von Daten und bei gewissen Eingriffen in das Grundrecht auf Datenschutz.

Eine Frage zum Kartendienst Google Streetview: Wieso ist es ein Problem, wenn ein Konzern Fotos von Häusern schießt, die jeder andere auch machen könnte?

Souhrada-Kirchmayer: Google nützt diese Daten gewerblich und veröffentlicht sie. Wenn eine Person Fotos macht, werden diese privat genutzt und nicht veröffentlicht. Fotos allerdings für alle zugänglich zu machen, ist anders zu sehen. Das kann auch für Private ein Problem darstellen. Man denke nur an Bilder eines feuchtfröhlichen Events.

Wenn es um Datenschutz geht, ist mein Vertrauen in Google, Facebook & Co. höher als etwa in eine Firma die ein x-beliebiges Gewinnspiel macht. Wie sehen Sie das?

Souhrada-Kirchmayer Das kann man nicht pauschal sagen. Freilich, wenn bei den Großen etwas falsch läuft, wird irgendwer es ans Licht bringen. Die Community ist groß.

Stichwort Google oder Facebook: Reichen die aktuellen Regeln beim Datenschutz aus? Das sind schließlich alles US-Firmen, bei denen unser Recht nicht greift.

Souhrada-Kirchmayer: Stimmt, wir bräuchten globale Regeln. Es gab Pläne der int. Datenschutzkonferenz. Diese stellen "soft law" dar und sind noch nicht umgesetzt. Es bräuchte einen, der sich aufrafft und den Anstoß gibt.

Nutzen Sie Facebook oder Twitter? Wenn nein, glauben Sie, dass Ihnen etwas entgeht?

Souhrada-Kirchmayer Ich nutze keines der sozialen Netzwerke und ich glaube nicht, dass mir etwas abgeht.

GEORG HOLZER

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