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Zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 um 13:46 UhrKommentare

"Öko ist das pralle Leben"

Trendforscher Matthias Horx über grüne Perspektiven und darüber, was aus der ÖBB wird.

Zukunftsforscher Matthias Horx

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunZukunftsforscher Matthias Horx

Herr Horx, freuen Sie sich auf die Zukunft?
Matthias Horx: Ja, unbedingt. Sowohl professionell als auch privat.

Hilft Ihnen Ihr Zukunftsoptimismus dabei?
Matthias Horx: Es ist ja nicht meine Aufgabe in die allgemeine Hysterie und Jammerei miteinzustimmen, denn apokalyptische Priester gibt es mehr als genug.

John Naisbitt sagte einmal, es sei ihm peinlich, Zukunftsforscher genannt zu werden, weil es schon so viele gebe. Wie geht es Ihnen?
Matthias Horx: Wir fangen ja erst langsam an, die Welt zu verstehen. Zukunftsforschung ist so alt, wie die Welt. Denken Sie an das Orakel von Delphi oder an die Visionäre im frühen Mittelalter. Nach dem Krieg kamen ganz neue Techniken der Zukunftsforschung hinzu. Naisbitt verwendet sie nur zu wenig.

In Ihrem Pamphlet gegen Untergangs- Ideologien schreiben Sie, dass uns weder die Überalterung, noch die Klimakatastrophe droht. Lässt sich diese These angesichts zunehmender Naturkatastrophen und explodierender Pflege- und Pensionskosten aufrechterhalten?
Matthias Horx: Glauben Sie denn, die Katastrophen haben mit Klimaerwärmung zu tun? Wie ist dann die große Flut von 1708 zu erklären? Es ist die Frage, ob wir mit unserem Wahrnehmungssystem so richtig liegen. Die Wissenschaft und die Medien lieben solche Untergangs- Szenarien.

Es sind die Häufung und die Intensität, die auf einen Klimawandel hindeuten.
Matthias Horx: Ich weiß, meine Thesen sind nicht medienkonform. Aber ehrlich: Wandel ist ja nichts Negatives, Wandel hat es immer gegeben und die Spezies konnte sich zu allen Zeiten anpassen. Der technische Fortschritt wird uns helfen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Länder wie China sind schon dabei, den technologischen Wandel zu vollziehen und der Großteil im Silicon Valley ist längst "Green Money".

China ist aber auch der größte Umweltverschmutzer weltweit.
Matthias Horx: Das war Europa auch. Aber die Chinesen haben heute ganz andere Technologien, dort wird alles viel schneller gehen, als bei uns. Der Klimaschutz wird weiterhin eine große Rolle spielen, er wird zur Weltrettungs- Religion werden.

Wird der moderne Straßenverkehr jemals ihrem Bild von Öffis und "coolen Bikes" entsprechen?
Matthias Horx: Mit den neuen intelligenten Elektrobikes wird es schnell gehen, dass die Menschen auf Fahrräder umsteigen. Auch bei den Autos ist alles eine Frage der Technologie und des Preises. Eine Technologie hält sich so lange, bis sie an ihre systemischen Grenzen stößt. Pferdefuhrwerke gab es so lange, bis das Auto sie verdrängte. In Zukunft werden schnelle, bequeme Züge durch Europa flitzen, weil private Firmen Hochtechnologie- Züge auf Schiene bringen.

Und Sie glauben, das gilt auch für die Österreichischen Bundesbahnen? Sie sind wirklich Optimist.
Matthias Horx: Wenn die ÖBB diese Chance versäumt, wird sie von den Chinesen gekauft oder mit der deutschen oder ungarischen Bahn verschmolzen.

Riskieren Sie einen Blick in das Jahr 2019. Woraus werden wir die Energie schöpfen?
Matthias Horx: Der Anteil an erneuerbarer Energie wird 70 Prozent betragen und ich werde mein Handy verstehen lernen, weil es smart sein wird. Autos werden statt Energiefresser, Energielieferanten sein. Ich baue in Wien gerade ein Haus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Der Rohbau steht schon.

Sie meinten einmal, den erneuerbaren Energien fehlt die Sexyness.
Matthias Horx: Ich sehe wenig spannende Designteile für erneurerbare Energien. Ich bin zum Beispiel ungern in einem Passivhaus, ich will nämlich nicht passiv sein und möchte Fenster öffnen können. Ökologie hat nichts mit Verzicht zu tun. Sparen mag kein Mensch. Wie Bio lustvoll vermittelt werden kann, zeigt "Ja! Natürlich", da ist nichts verschrumpelt, sondern das pralle Leben. Als Sandra Bullock bei der Oskarverleihung mit dem Prior-Hybrid vorgefahren ist, war das Hybrid-Auto plötzlich Kult und die Stretchlimusinen sahen alt aus.

Sehen Sie die Krise überwunden?
Matthias Horx: Eine Krise ist ja nicht unbedingt negativ. Menschen verändern sich durch Krisen. Meine beiden Buben sind in der Pubertät, das ist eine einzige Krise.

Sie sagen, Pessimismus sei eine kollektive Epidemie. Ist nicht auch zu viel Optimismus naiv?
Matthias Horx: Die Psychologie hat eine Glücksformel erarbeitet: Sie lautet 3 zu 1. Das heißt, der Anteil positiver Gefühle muss drei Mal so hoch sein, wie die negativen Gefühle. 5 zu 1 wäre schlecht. Nur happy zu sein, bringt nicht weiter.

INTERVIEW: ELISABETH TSCHERNITZ-BERGER

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Zur Person

Matthias Horx (54) gilt als einer der einflussreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. 1993 gründete er das Trendbüro in Hamburg, 1998 das Zukunftsinstitut, mit dem er 1999 nach Wien übersiedelte. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

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