"Öko ist das pralle Leben"
Trendforscher Matthias Horx über grüne Perspektiven und darüber, was aus der ÖBB wird.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunZukunftsforscher Matthias Horx
Herr Horx, freuen Sie sich
auf die Zukunft?
Matthias Horx:
Ja, unbedingt. Sowohl
professionell als auch privat.
Hilft Ihnen Ihr Zukunftsoptimismus
dabei?
Matthias Horx:
Es ist ja nicht meine Aufgabe in
die allgemeine Hysterie und Jammerei
miteinzustimmen, denn apokalyptische
Priester gibt es mehr als genug.
John Naisbitt sagte einmal, es sei
ihm peinlich, Zukunftsforscher
genannt zu werden, weil es schon so
viele gebe. Wie geht es Ihnen?
Matthias Horx:
Wir fangen ja erst langsam an, die
Welt zu verstehen. Zukunftsforschung
ist so alt, wie die Welt. Denken Sie an
das Orakel von Delphi oder an die Visionäre
im frühen Mittelalter. Nach dem Krieg kamen ganz neue Techniken der
Zukunftsforschung hinzu. Naisbitt verwendet
sie nur zu wenig.
In Ihrem Pamphlet gegen Untergangs-
Ideologien schreiben Sie,
dass uns weder die Überalterung,
noch die Klimakatastrophe droht.
Lässt sich diese These angesichts
zunehmender Naturkatastrophen
und explodierender Pflege- und
Pensionskosten aufrechterhalten?
Matthias Horx:
Glauben Sie denn, die Katastrophen
haben mit Klimaerwärmung zu
tun? Wie ist dann die große Flut von
1708 zu erklären? Es ist die Frage, ob
wir mit unserem Wahrnehmungssystem
so richtig liegen. Die Wissenschaft
und die Medien lieben solche Untergangs-
Szenarien.
Es sind die Häufung und
die Intensität, die auf einen
Klimawandel hindeuten.
Matthias Horx:
Ich weiß, meine Thesen sind nicht
medienkonform. Aber ehrlich: Wandel
ist ja nichts Negatives, Wandel hat es
immer gegeben und die Spezies konnte
sich zu allen Zeiten anpassen. Der
technische Fortschritt wird uns helfen,
den Klimawandel in den Griff zu bekommen.
Länder wie China sind schon
dabei, den technologischen Wandel zu
vollziehen und der Großteil im Silicon
Valley ist längst "Green Money".
China ist aber auch der größte
Umweltverschmutzer weltweit.
Matthias Horx:
Das war Europa auch. Aber die
Chinesen haben heute ganz andere
Technologien, dort wird alles viel
schneller gehen, als bei uns. Der Klimaschutz
wird weiterhin eine große Rolle
spielen, er wird zur Weltrettungs-
Religion werden.
Wird der moderne Straßenverkehr
jemals ihrem Bild von Öffis und
"coolen Bikes" entsprechen?
Matthias Horx: Mit den neuen intelligenten Elektrobikes
wird es schnell gehen, dass die
Menschen auf Fahrräder umsteigen.
Auch bei den Autos ist alles eine Frage
der Technologie und des Preises. Eine
Technologie hält sich so lange, bis sie
an ihre systemischen Grenzen stößt.
Pferdefuhrwerke gab es so lange, bis das
Auto sie verdrängte. In Zukunft werden
schnelle, bequeme Züge durch Europa
flitzen, weil private Firmen Hochtechnologie-
Züge auf Schiene bringen.
Und Sie glauben, das gilt auch für
die Österreichischen Bundesbahnen?
Sie sind wirklich Optimist.
Matthias Horx:
Wenn die ÖBB diese Chance
versäumt, wird sie von den Chinesen
gekauft oder mit der deutschen oder
ungarischen Bahn verschmolzen.
Riskieren Sie einen Blick in das
Jahr 2019. Woraus werden wir die
Energie schöpfen?
Matthias Horx:
Der Anteil an erneuerbarer Energie
wird 70 Prozent betragen und ich
werde mein Handy verstehen lernen,
weil es smart sein wird. Autos werden
statt Energiefresser, Energielieferanten
sein. Ich baue in Wien gerade ein
Haus, das mehr Energie erzeugt, als es
verbraucht. Der Rohbau steht schon.
Sie meinten einmal, den erneuerbaren
Energien fehlt die Sexyness.
Matthias Horx:
Ich sehe wenig spannende Designteile
für erneurerbare Energien. Ich
bin zum Beispiel ungern in einem Passivhaus,
ich will nämlich nicht passiv
sein und möchte Fenster öffnen können.
Ökologie hat nichts mit Verzicht
zu tun. Sparen mag kein Mensch. Wie
Bio lustvoll vermittelt werden kann,
zeigt "Ja! Natürlich", da ist nichts verschrumpelt,
sondern das pralle Leben.
Als Sandra Bullock bei der Oskarverleihung
mit dem Prior-Hybrid vorgefahren
ist, war das Hybrid-Auto plötzlich
Kult und die Stretchlimusinen
sahen alt aus.
Sehen Sie die Krise überwunden?
Matthias Horx:
Eine Krise ist ja nicht unbedingt
negativ. Menschen verändern sich
durch Krisen. Meine beiden Buben
sind in der Pubertät, das ist eine einzige
Krise.
Sie sagen, Pessimismus sei eine
kollektive Epidemie. Ist nicht auch
zu viel Optimismus naiv?
Matthias Horx:
Die Psychologie hat eine Glücksformel
erarbeitet: Sie lautet 3 zu 1.
Das heißt, der Anteil positiver Gefühle
muss drei Mal so hoch sein, wie die negativen
Gefühle. 5 zu 1 wäre schlecht.
Nur happy zu sein, bringt nicht weiter.
Zur Person
Matthias Horx (54) gilt als einer der einflussreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. 1993 gründete er das Trendbüro in Hamburg, 1998 das Zukunftsinstitut, mit dem er 1999 nach Wien übersiedelte. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.













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