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Zuletzt aktualisiert: 20.04.2009 um 12:51 UhrKommentare

"Ich bin nicht der Robin Hood der Börse"

Alexander Proschofsky machte als lautstarker Anführer der Meinl-Rebellen von sich reden. Jetzt redet er.

Foto © Reuters

Die Einladung, sich beim Meinl am Graben zu treffen, lehnt Alexander Proschofsky ab. "Was soll ich dort? Ich bin nicht einmal sicher, ob die mich überhaupt reinlassen." Wenngleich: "Früher habe ich gerne beim Meinl eingekauft."

Früher, das war vor dem Aufstand der Kleinanleger gegen das System Meinl im Vorjahr. Ein Aufstand, dem Proschofsky ein Gesicht gab. Einer, dem man das Leben ansieht; mit Augen, aus denen Willenskraft funkelt und mit Haaren herum, die einen einfach fragen lassen: Was bitte soll denn das sein? "Die hab ich jetzt seit drei Jahren", grinst Alexander Proschofsky und zwirbelt eine der blonden Dreadlocks. Die nähere Begründung für die Haarpracht: "Damals hatte ich lange Haare und hab' mir gedacht, entweder jetzt oder nie. Und in meinem Beruf bin ich eigentlich nie negativ darauf angesprochen worden."

Kollegen hat er schließlich keine, hier, in einem Penthouse hoch über der Wiener City, wo er das Büro Cube Invest eingerichtet hat. "Meine eigene Firma, die in den nächsten Jahren noch ordentlich wachsen und mir dabei die größtmögliche Unabhängigkeit bewahren soll."

Erst als er im Zuge des Meinl-Aufstandes als Sprecher der "Rebellen" einer breiteren Masse bekannt wurde, stieg das öffentliche Interesse an dem Zwei-Meter-Mann. Reggae am Kopf und Wissen um Finanzmärkte drinnen, vertragen sich nach Ansicht der Öffentlichkeit nicht – so die reaktionäre Meinung.

Der hält er nicht viel entgegen, nur sein Arbeitsprinzip: "Jeden Tag kann man dazulernen." Davon, dass ihm Kleinanleger und Medien gleich die Rolle des Retters der Börsendemokratie zudachten, hält Proschofsky allerdings auch nichts. "Das war ein Projekt, wie viele andere auch, die ich schon betreut habe." Im letzten Frühjahr sei man "mit ein paar Leuten" über das Thema Meinl ins Reden gekommen. "Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir gemeinsam rund zehn Prozent der Anteile halten."

Wer das "wir" war, will er nicht verraten, Hedgefonds, das bestätigt er dagegen, waren aber dabei. "Das muss a priori aber auch nichts Schlechtes sein. Denn alle Beteiligten verfolgten dasselbe Ziel: Die Geldverbrennung, die da passierte, zu stoppen." Mitglieder des derzeitigen Meinlboards seien aber weder direkt noch indirekt dabei gewesen. Die lernte er alle erst später kennen. Und Geld verdient habe er bei seinen wortgewaltigen Auftritten auch nicht.

Dass er diese Geschichte von sich aus und in aller Ausführlichkeit schildert, zeigt: Die üble Nachrede von Hans Haider und Co. setzten ihm mehr zu, als er eingestehen mag. Jüngste Entwicklungen in der Causa Meinl will er nicht kommentieren. "Das Projekt ist für mich abgeschlossen. Jetzt stehen andere Dinge an."

Etwa ein Mitwirken an der angekündigten Reform des Interessensverbands der Kleinanleger? "Nein, ich werde sicher nicht der neue Rasinger. Und schon gar nicht bin ich der Robin Hood der Börse." Stimmt, er ist der "David". Denn mit dem nach dem biblischen "David" benannten Preis wurde er im Vorjahr vom Interessensverband der Kleinanleger ausgezeichnet. "Sprechen wir nicht darüber, ich bin ein Marktteilnehmer wie andere auch." Und als solcher nimmt er lieber eigenes Geld und verteilt es in diversen Firmen – mit entsprechenden Erfolgen in den vergangenen 17 Jahren. Die gaben ihm einen wirtschaftlichen Status, der es ihm auch erlaubte, sich 2007 beim Squeeze-Out von Bank Austria- Aktionären sich mit der Uni Credit anzulegen.

Oder Hans Haider öffentlich zu fragen ob er "auf gut Wienerisch einen Knall habe". "Normalerweise ist das nicht mein Ton", bemüht er sich dem Image des Rüpels vorzubeugen.

Stattdessen erzählt er bereitwillig von seinem Dasein als Patchwork-Papa, der eben getanen Reise in das Eishotel in Schweden und der Traumreise ins "goldene Dreieck" Laos, Kambodscha und Vietnam. Und liefert gleich die Selbstbeschreibung nach: "Einer, der gerne mit Freunden auf ein Bier geht."

Unvermeidbare Frage: Wie soll man aktuell sein Geld investieren? "Da gibt es einige österreichische Werte, die nicht nur auf dem Ost-Geschäft basieren und die ganz ordentliche Aussichten nach der Krise haben." Und ein konkreter Titel: "Abonnieren sie den Austria Börsebrief. Da bin ich Chefanalyst."

THOMAS CIK

Fakten

Alexander Proschofsky (39), ist Betriebswirt und seit 17 Jahren Geschäftsführer des Ein-Personen- Unter-nehmens Cube Invest. Der Marathonläufer gilt als Enfant terrible der Börseszene – jedoch nur bei oberflächlicher Betrachtung. Im Vorjahr trat er als lautstarker Gegner des MIP-Boards um den ehemaligen Verbund-Chef Hans Haider in Erscheinung. Ein Auftritt, der sich radikal von seinem eigentlichen Wesen unterscheidet.

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