Opel - Erste Weichenstellungen zeichnen sich ab
GM-Vorstand kündigte am Wochenende Einsparungen von insgesamt 30 Prozent an. Unklar ist nach wie vor, wer das Europa-Geschäft Konzerns lenken soll. Angelbich soll die Stelle mit einem Deutschen besetzt werden .

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Nach dem geplatzten Opel-Verkauf zeichnen sich erste konkrete Weichenstellungen für die Zukunft der europäischen GM-Tochter ab. GM-Vorstand Bob Lutz kündigte am Wochenende Einsparungen von insgesamt 30 Prozent an. Unklar ist allerdings nach wie vor, wer das Europa-Geschäft des US-Konzerns lenken soll. Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt GM, einen Deutschen an die Spitze zu holen.
Erwartet wird, dass GM schon diese Woche ein Sanierungskonzept vorlegt. Kreisen zufolge wird Vorstandschef Fritz Henderson Anfang der Woche nach Rüsselsheim kommen. Für die Sanierung von Opel/Vauxhall hat der Konzern rund 3 Mrd. Euro veranschlagt. Ungewiss ist, ob GM dafür Staatshilfen beantragen wird. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag, GM müsse jetzt den Weg der Kooperation gehen. Die Glaubwürdigkeit des US-Konzerns in Deutschland sei ohnehin auf dem Nullpunkt.
Spekulation um Nachfolge
Medienberichten zufolge soll GM-Asienmanager Nick Reilly die Sanierung von Opel übernehmen und damit die Nachfolge des scheidenden Europa-Chefs Carl-Peter Forster antreten. Lutz ist als Opel-Aufsichtsratschef im Gespräch. Das "Wall Street Journal" berichtete allerdings am Samstag auf seiner Internetseite, GM wolle einen Deutschen zum neuen Europa-Chef machen. Zur Begründung hieß es unter Berufung auf Insider, damit könnten die Spannungen zwischen GM und den deutschen Beschäftigten sowie der Bundesregierung entschärft werden.
Franz sprach sich für eine externe Lösung aus: "Wir brauchen einen neuen Opel-Chef von außen. Er muss Europäer sein, mit Teamgeist und Benzin im Blut", sagte Franz der "Bild am Sonntag". GM hatte am Dienstag völlig überraschend entschieden, Opel doch nicht an den kanadischen Autozulieferer Magna zu verkaufen, sondern eigenständig zu sanieren. Die deutsche Regierung, die sich vehement für Magna eingesetzt hatte, traf dies völlig unvorbereitet. Befürchtet wird, dass die Stellenstreichungen jetzt über die 10.000 hinausgehen, die Magna in Europa insgesamt geplant hatte.
Lutz sagte der Schweizer Zeitung "Sonntag", GM werde die Kosten bei Opel aller Voraussicht nach wie ursprünglich geplant um 30 Prozent senken. Der Ende vergangenen Jahres erarbeitete Restrukturierungsplan sei noch immer die Basis für ein profitables Geschäftsmodell. "Wir werden die aktuelle Situation sorgfältig prüfen und entsprechende Maßnahmen vorschlagen." In Europa beschäftigt GM insgesamt 50.000 Menschen, davon 25.000 in Deutschland in den Werken Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch und der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers forderten, dass sich GM künftig zurückhält. "GM wäre gut beraten, wenn sie Opel Europa mehr Freiheiten und Eigenständigkeit lassen", sagte Koch der "Passauer Neuen Presse". Rüttgers schlug vor, Opel in eine neue Rechtsform zu bringen, "so dass da nicht permanent aus Detroit hineinregiert wird". Denn "die Herren haben keine Ahnung vom deutschen Markt", sagte er der "WAZ".
Ob sich GM um Staatsbürgschaften bemühen wird, die die Bundesregierung Magna bereits zugesagt hatte, steht noch nicht fest. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte der "Bild am Sonntag", sollte GM einen Antrag auf Staatshilfen stellen, gälten die gleichen Kriterien wie für alle anderen Unternehmen. Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes mahnte in der "Berliner Zeitung" erneut an, Staatshilfen dürften nicht an einen Arbeitsplatzerhalt in Deutschland geknüpft werden. Dies hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter an der Gewährung der Staatsbürgschaft für Magna von insgesamt 4,5 Mrd. Euro bereits bemängelt.
Unterdessen kündigte auch der frühere Conti-Chef Manfred Wennemer seinen Rückzug aus der Treuhandgesellschaft an, die noch als Opel-Verwalter fungiert. Wennemer hatte sich gegen den Verkauf an Magna ausgesprochen, obwohl er als Vertreter der Bundesregierung in das Gremium berufen worden war. Der Länder-Vertreter und FDP-Politiker Dirk Pfeil, der ebenfalls gegen Magna war, wurde aus dem Gremium bereits abberufen.













