Gegenwind für Magna
BMW und VW wollen die Zusammenarbeit mit Magna überdenken - schließlich ist man durch den Opel-Deal nun direkter Konkurrent. Betriebsräte machen Druck wegen Werk-Schließungen.

Foto © ReutersGegenwind für Magna und Siegfried Wolf
Die angekündigte Schließung des Opel-Werks in Antwerpen stößt bei den Betriebsräten europaweit auf erbitterten Widerstand. "Wir werden gegen die Schließung kämpfen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Dienstag auf der IAA in Frankfurt. Unterdessen drohen prominente Magna-Kunden wegen der geplanten Übernahme von Opel mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen. Sowohl VW als auch BMW wollen ihre Zusammenarbeit überdenken.
"Wir haben es jetzt mit einem Fahrzeughersteller zu tun", sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner am Dienstag auf der IAA. "Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert." Eichiner fügte hinzu: "Insofern müssen wir schon darüber nachdenken, welche Technologie wollen wir in die Hände eines Konkurrenten geben. Das muss jetzt sicher überdacht werden." Entschieden sei aber noch nichts. Magna erzeugt in Graz derzeit noch den kleinen Geländewagen X3, dessen Produktion 2010 ausläuft. BMW übernimmt die Fertigung wie berichtet selbst. Bei Teilen zählt Magna mitsamt seinen Konzerntöchtern zu den größten Lieferanten von BMW.
Kündigt VW Zusammenarbeit?
Gegenwind kommt auch von Europas größtem Autobauer VW. VW-Chef Martin Winterkorn bekräftigte am Montagabend in Frankfurt, Volkswagen werde sein Geschäftsmodell mit dem österreichisch-kanadischen Magna-Konzern überprüfen: "Wo laufen wir Gefahr, dass wir bestimmte Informationen an die Konkurrenz geben?" VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech sagte: "Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden." VW gehört zu den großen Kunden von Magna.
Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte zuvor bestritten, dass VW oder andere Kunden gedroht hätten, die Zusammenarbeit mit Magna zu beenden. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf die wettbewerbsfähigen Produkte verzichtet. "Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind." Außerdem werde Magna das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen. "Es wird keine organisatorischen oder personellen Überschneidungen geben", versprach Wolf.
Betriebsräte machen Druck
Die Betriebsräte und Gewerkschaften wollen Franz zufolge bei einem Treffen in der belgischen Hafenstadt am 23. September ihr weiteres Vorgehen beraten. Gleichzeitig seien erste Protestaktionen geplant. Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte am Montag bestätigt, dass Antwerpen als einziges europäisches Werk geschlossen werden soll. Dort bauten zuletzt 2.580 Mitarbeiter den Opel Astra.
Franz betonte, dass die Arbeitnehmervertreter bei den anstehenden Verhandlungen mit Magna Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ablehnen werden. Gleichzeitig forderte er, dass die Lasten gerecht zwischen den europäischen Standorten verteilt werden. Auch die von dem neuen Eigentümer angekündigte Streichung von 10.500 Stellen in Europa und gut 4.000 in Deutschland sei noch nicht in Stein gemeißelt: "Das sind Planzahlen. Was als Ergebnis rauskommt, werden wir sehen. Notfalls streiten wir uns mit Magna und den anderen Investoren", sagte Franz. Im Übernahmepoker hatte die Belegschaft den kanadisch-österreichischen Zulieferer zwar von Anfang an bevorzugt. Harte Verhandlungen hatte Franz aber nie ausgeschlossen und stattdessen betont: "Wir sind nicht der Magna-Fan-Club."
Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende und designierte neue Opel-Chef Carl-Peter Forster sagte: "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Magna und den anderen Partnern und sehen darin eine gute Zukunft." Opel und die Investoren - der Automobilzulieferer Magna und und die russische Sberbank - würden sich sehr gut ergänzen. Auch die enge Zusammenarbeit mit der langjährigen Mutter General Motors (GM) sei wichtig, um im gemeinsamen Einkauf Kosten zu sparen und mehr Mittel für Forschung und Entwicklung zu haben. "Ohne diese Zusammenarbeit wären Produkte wie der neue Ampera nicht möglich." Das Elektroauto soll Ende 2011 auf den Markt kommen.













