G8 kein Forum zur Lösung von Globalisierungsproblemen
Der US-Ökonom plädierte bei der Veranstaltungin Graz vor allem für internationale Gerichtshöfe und Rechenschaftspflicht über die Grenzen hinaus.

Foto © APJoseph Stiglitz
Die G8 als inoffizielles Gremium der Industriestaaten
werde in geopolitischer Hinsicht nicht funktionieren, meinte der
US-Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am
Dienstagabend in Graz in einem Pressegespräch vor seinem Vortrag
"Globalisierung als Chance". Beim Klimawandel sei mit China einer der
Haupt-Verursacher von Belastungen nicht mit an Bord, beim Thema
Abholzung von Regenwald fehlten etwa Staaten wie Indonesien. In Bezug
auf die von Unternehmen verursachten Auswirkungen in sozialer und
menschenrechtlicher Hinsicht oder Umwelt sollten Konsequenzen für
diese spürbar sein. Dafür würde es internationale Gerichtshöfe
erfordern, doch das brauche Zeit.
Joseph Stiglitz
"Bei einem erhöhten Maß an Integration erwischt es bei Turbulenzen oft unschuldige Zuseher".
Änderung in Produktion und Konsum.
Stiglitz ortete drei große Veränderungen in der globalen
Wirtschaftslandschaft: Zum einen sei dies der Aufstieg von Indien und
China als ökonomische Mächte, zum anderen ein sich änderndes globales
Finanzsystem sowie der Klimawandel im Zeichen knapper werdender
Energieressourcen. Vor allem letzteres Faktum werde Veränderungen in
Produktion und Konsum nach sich ziehen, so der US-Ökonom bei dem von
der Steiermärkischen Bank und Sparkasse sowie der ICG Infora
Consulting veranstalteten Vortragsabend.
Zweischneidiges Schwert.
Die Globalisierung sei trotz aller Fehlentwicklungen eine
Erfolgsgeschichte, auch wenn beispielsweise in Ost- und Südosteuropa
in den ersten Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhanges eher
Enttäuschung und Ernüchterung geherrscht hätten, so der Professor an
der New Yorker Columbia Universität. Diese würden nun aber einem
Optimismus weichen. Stiglitz räumte ein, dass in der Globalisierung
einige Wirtschaften sich gut geschlagen hätten, andere hätten dabei
aber nicht so reüssiert. Das Zusammenrücken der Finanzmärkte sei ein
zweischneidiges Schwert: Einerseits Grundlage für den Welthandel,
funktionierten sie sie aber in einigen Bereichen nicht so gut - so
hätte es zuletzt verstärkte Kapitalströme von arme in reiche Länder
gegeben, allein im Jahr 2006 im Ausmaß von rund 500 Mrd. US-Dollar
(rund 361 Mio. Euro).
Rechenschaftspflicht gefordert.
Er plädiere für Reformen und mehr Regeln in einer globalisierten
Wirtschaft. Man brauche
effektive Kontrollmechanismen, die es derzeit nicht gebe. Viele
Verträge würden eher den Investor schützen als den Staat, sagte der
frühere Chefökonom der Weltbank. Staaten und Länder selbst wären kaum
geschützt. Es brauche eine Rechenschaftspflicht über die Grenzen
hinaus, die in den USA im Alien Tort Claims Act existiere - "So etwas
möchten die Unternehmen aber am liebsten wieder weghaben".
Joseph Eugene Stiglitz
Für seine Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten erhielt Stiglitz 2001 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Er studierte unter anderem am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und in Cambridge. In Yale wurde er mit 26 Jahren Professor für Ökonomie.





