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Zuletzt aktualisiert: 18.09.2007 um 19:52 Uhr

G8 kein Forum zur Lösung von Globalisierungsproblemen

Der US-Ökonom plädierte bei der Veranstaltungin Graz vor allem für internationale Gerichtshöfe und Rechenschaftspflicht über die Grenzen hinaus.

Joseph Stiglitz

Foto © APJoseph Stiglitz

Die G8 als inoffizielles Gremium der Industriestaaten werde in geopolitischer Hinsicht nicht funktionieren, meinte der US-Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am Dienstagabend in Graz in einem Pressegespräch vor seinem Vortrag "Globalisierung als Chance". Beim Klimawandel sei mit China einer der Haupt-Verursacher von Belastungen nicht mit an Bord, beim Thema Abholzung von Regenwald fehlten etwa Staaten wie Indonesien. In Bezug auf die von Unternehmen verursachten Auswirkungen in sozialer und menschenrechtlicher Hinsicht oder Umwelt sollten Konsequenzen für diese spürbar sein. Dafür würde es internationale Gerichtshöfe erfordern, doch das brauche Zeit.

Joseph Stiglitz

"Bei einem erhöhten Maß an Integration erwischt es bei Turbulenzen oft unschuldige Zuseher".

Änderung in Produktion und Konsum. Stiglitz ortete drei große Veränderungen in der globalen Wirtschaftslandschaft: Zum einen sei dies der Aufstieg von Indien und China als ökonomische Mächte, zum anderen ein sich änderndes globales Finanzsystem sowie der Klimawandel im Zeichen knapper werdender Energieressourcen. Vor allem letzteres Faktum werde Veränderungen in Produktion und Konsum nach sich ziehen, so der US-Ökonom bei dem von der Steiermärkischen Bank und Sparkasse sowie der ICG Infora Consulting veranstalteten Vortragsabend.

Zweischneidiges Schwert. Die Globalisierung sei trotz aller Fehlentwicklungen eine Erfolgsgeschichte, auch wenn beispielsweise in Ost- und Südosteuropa in den ersten Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhanges eher Enttäuschung und Ernüchterung geherrscht hätten, so der Professor an der New Yorker Columbia Universität. Diese würden nun aber einem Optimismus weichen. Stiglitz räumte ein, dass in der Globalisierung einige Wirtschaften sich gut geschlagen hätten, andere hätten dabei aber nicht so reüssiert. Das Zusammenrücken der Finanzmärkte sei ein zweischneidiges Schwert: Einerseits Grundlage für den Welthandel, funktionierten sie sie aber in einigen Bereichen nicht so gut - so hätte es zuletzt verstärkte Kapitalströme von arme in reiche Länder gegeben, allein im Jahr 2006 im Ausmaß von rund 500 Mrd. US-Dollar (rund 361 Mio. Euro).

Rechenschaftspflicht gefordert. Er plädiere für Reformen und mehr Regeln in einer globalisierten Wirtschaft. Man brauche effektive Kontrollmechanismen, die es derzeit nicht gebe. Viele Verträge würden eher den Investor schützen als den Staat, sagte der frühere Chefökonom der Weltbank. Staaten und Länder selbst wären kaum geschützt. Es brauche eine Rechenschaftspflicht über die Grenzen hinaus, die in den USA im Alien Tort Claims Act existiere - "So etwas möchten die Unternehmen aber am liebsten wieder weghaben".


Joseph Eugene Stiglitz

Für seine Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten erhielt Stiglitz 2001 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Er studierte unter anderem am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und in Cambridge. In Yale wurde er mit 26 Jahren Professor für Ökonomie.

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