Neuer Wind für die Weltklimakonferenz
In Posen ist Obama als Hoffnungsträger dabei.

Foto © APNeue Richtung gesucht: Hoffen auf Obama
Barack Obama zählte nicht zu den 9.000
Delegierten aus rund 190 Ländern, die am Wochenende zur
Weltklimakonferenz nach Polen aufgebrochen sind. Wenn die Konferenz
am (morgigen) Montag eröffnet wird, um bis zum 12. Dezember den
Rahmen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls zu entwerfen,
wird Obama aber als neuer Hoffnungsträger anwesend sein.
"Amerika ist wieder da", sagt Senator John Kerry. "Nach acht
Jahren der Behinderung und Verzögerung und Verweigerung werden sich
die Vereinigten Staaten der Weltgemeinschaft anschließen, um diese
globale Herausforderung zu bewältigen." Auch die Umweltschützer
freuen sich auf einen neuen Wind. "In Posen wird es eine neue
Begeisterung geben", erwartet Jake Schmidt vom Natural Resources
Defense Council. "Die USA sind zu den Gesprächen zurückgekehrt,
zurück mit einem Führer, der es begriffen hat."
Fakten
Nach jüngst vorgelegten Daten nehmen die CO2-Emissionen eher zu als dass sie reduziert werden. Die UN-Experten registrierten, dass die Emissionen von mehr als 40 Ländern, die dazu Angaben machten, von 2000 bis 2006 um 2,3 Prozent gestiegen sind.
Nur das Ziel ist klar: Bis Dezember 2009, zur Klimakonferenz in Kopenhagen, soll es ein umfassendes neues Abkommen geben, das den weltweiten Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen begrenzt. Dem bisherigen Abkommen, dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll, hielten sich die USA fern, weil der scheidende Präsident George W. Bush der eigenen Wirtschaft keine Fesseln anlegen wollte. Jetzt aber hat sein designierter Nachfolger Barack Obama den Klimaschutz zur Priorität seiner Politik erklärt.
Hintergrund
Das Kyoto-Protokoll von 1997 verpflichtete 37 Industriestaaten, ihre Emissionen bis 2012 um durchschnittlich fünf Prozent unter die Werte von 1990 zu senken.
Die Krise.
Geprägt wird die Konferenz in Posen (Poznan) auch von der
Finanzkrise, die auf ganz unterschiedliche Weise den Klimaschutz
beeinflussen könnte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte vor der
Konferenz der polnischen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza",
Investitionen in klimafreundliche Technik könnten auch der Wirtschaft
wieder auf die Beine helfen. "Deswegen können die Mittel, die wir
gegen die globale Erwärmung einsetzen, auch im Kampf gegen die
Finanzkrise helfen."
Nach Schätzungen des UNFCCC werden jährlich mindestens 200
Milliarden Dollar erforderlich sein, um die Kohlendioxid-Emissionen
bis 2030 um 25 Prozent unter die im Jahr 2000 erreichten Werte zu
drücken. Aber Hunderte Milliarden mehr würde es kosten, um die Folgen
der globalen Erwärmung wie steigende Meeresspiegel, Trinkwassermangel
und Verschiebungen in der Landwirtschaft zu bewältigen.
Hoffnung.
Ob der Obama-Effekt in Posen schon wirksam werden kann, wird sich
zeigen. Die US-Delegation wird noch von der scheidenden Regierung
Bush geführt. Delegationsleitern Paula Dobriansky aus dem
Außenministerium will sich dem Vernehmen nach nicht in den
Vordergrund drängen. "Ihre Haltung könnte sein: Keinen Schaden
anrichten und keine Hindernisse aufwerfen, welche die
Handlungsfähigkeit der nächsten Regierung einschränken", sagte der
republikanische Kongressmitarbeiter Mark Helmke, der die letzten vier
Klimakonferenzen beobachtet hat.
Features
Fakten
Noch auf der letzten großen Klimakonferenz der Vereinten Nationen vor einem Jahr auf Bali bestimmten kleinliches Gezänk, offene Konfrontation und Feilschen um Kompromisse das Verhandlungsklima.
Fakten
Der Exekutivdirektor des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC), Yvo de Boer, spricht denn auch von den schwierigsten und kompliziertesten internationalen Verhandlungen in der Geschichte.
Foto

Hillary ClintonFoto © AP
Hillary fix?
Der künftige US-Präsident Barack Obama, der am 20. Jänner sein Amt antritt, will am Montag seine Entscheidung bekanntgeben, die ehemalige First Lady und gegenwärtige Senatorin Hillary Rodham Clinton an die Spitze des Außenministeriums zu berufen.





