Show, Geld, Öl und Macht - Wie weiter, G-8?
Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G-8). Doch was tut sich wirklich?

Foto © APADie "Großen Acht" an einem Tisch
In diesem Jahr war Japans innenpolitisch angeschlagener Premierminister Yasuo Fukuda für die Regie verantwortlich, und auch fürs Budget: Geschätzte 60 Milliarden Yen oder umgerechnet 356 Millionen Euro Steuergelder flossen in das Polit-Spektakel im Ferienort Toyako. Für diesen Preis produziert Hollywood fast drei Filme vom Format wie "Titanic" oder "King Kong" - Inszenierungen, die manchen zu echten Tränen rühren.
Zum Thema
Kein Problem verkleinert.
Vielleicht hilft das Ereignis, Fukudas Popularität zu steigern.
Als gesichert gilt, dass - gemessen an der Breite und Schwere der
Probleme - die acht Staats- und Regierungschefs einen ganzen Sack
voll kleinster gemeinsamer Nenner gefunden haben. Drei Tage saßen sie
zusammen und beschäftigten sich mit der Nahrungsmittelkrise, den
gefährlich hohen Energiepreisen und Angst erregenden Folgen der
Erderwärmung. Nach diesem Gipfel wird keines dieser Probleme spürbar
kleiner sein. Andererseits wäre es unfair, die Latte zu hoch zu
legen, zumal Politik auch die Fähigkeit zu Kompromissen bedeutet und
dafür schlicht Zeit nötig ist.
Uneinig.
Zahlreiche Kollegen aus Afrika und den zu neuen Mächten
aufsteigenden Ländern wie China und Indien kamen in die so malerische
wie etwas langweilige Natur Toyakos und boten ihre Sicht der Dinge
an. Doch schon die "Chefs" aus den USA, Kanada, Japan, Russland,
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien waren in den
wenigsten Punkten zu 100 Prozent einig. Im Kreis von zuletzt 22
Spitzenpolitikern kam dann nur eine Erklärung zum Klimaschutz heraus,
die sich im Unverbindlichen verliert. Dagegen nahm sich die von den
G-8 am Vortag beschlossene - und von Umweltschützern in Grund und
Boden gestampfte - Erklärung im Kampf gegen die Erderwärmung bis 2050
geradezu wie ein Heilsversprechen für das geschundene Weltklima aus.
Gretchenfrage.
Dennoch. Diesmal stellte Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy
die alljährliche Gretchenfrage: Wie hältst du es mit der Erweiterung
des exklusiven Zirkels? Seit 1998 ist Russland offiziell Mitglied.
"Ich gehöre zu denen, die es für unsinnig halten, dass wir uns
weiterhin zu acht treffen, um die großen Probleme der Welt zu lösen",
hatte Sarkozy vor dem Abflug nach Japan gesagt. Angeblich sieht der
britische Premier Gordon Brown das ähnlich.
Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war das bisher kein
Thema. Unter ihrem Vorsitz war im vergangenen Jahr der sogenannte
Heiligendamm-Prozess ins Leben gerufen worden, der eine enge
politische und wirtschaftliche Abstimmung mit der Gruppe der Fünf
(G-5) auch außerhalb der Gipfel sicherstellen soll. Neben China und
Indien gehören Südafrika, Brasilien und Mexiko dazu. Diese Idee hat
zumindest den Vorteil, dass alle gleich sind und sich niemand bei
einer möglichen Erweiterung zurückgesetzt fühlen müsste.
Immer Ärger mit McCain.
Dem möglichen Nachfolger von US-Präsident George W. Bush, dem
Republikaner John McCain, passt schon jetzt grundsätzlich nicht, dass
Russland mit am Tisch sitzt. McCain zweifelt die demokratische
Gesinnung des Kremls offen an. Welche Maßstäbe sollten da an das
kommunistische China angelegt werden? Und Diplomaten weisen am
Beispiel der Erklärung zu Simbabwes Diktator darauf hin, dass schon
einmal gar nichts gegangen wäre, wäre China als vollwertiges
G-9-Mitglied am Tisch gesessen. Die Regierung in Peking hatte bisher
vergleichsweise gute Beziehungen zu Mugabe gepflegt.
Zukunft ungewiss.
Wie es mit der G-8 weitergeht, welche Stärken sie entwickeln kann
und muss, kann anhand dieses Gipfels nur mit Hilfe des Lesens im
Kaffeesatz oder dem tiefen Blick in eine Kristallkugel angemessen
analysiert werden. Denn erst einmal wartet die Welt auf den nächsten
US-Präsidenten. Und das Rennen könnte auch der Demokrat Barack Obama
machen. Erst wenn also im Sommer 2009 Italiens Ministerpräsident, der
G-8-Veteran Silvio Berlusconi, seine Kollegen auf dem Inselchen La
Maddalena vor Sardinien empfängt, wird sich zeigen, welche Vision der
neue US-Präsident mit den G-8 verbindet - wenn er denn eine hat. Und
vielleicht ist dann auch der russische Präsident Dmitri Medwedew ein
wenig gelöster im reichen Club der Mächtigen.
Features
Fakten
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte ihre G-8-Kollegen, eine anhaltende Nahrungsmittelkrise könnte "die Demokratisierung gefähr-
Merkels Forderungen
- Kurzfristige Linderung der akuten Ernährungslage
- Langfristige Steigerung der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion
- Standards für die Produktion von Biokraftstoffen
- Gentechnisch verändertes Saatgut als Lösungsmöglichkeit







