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Zuletzt aktualisiert: 09.07.2008 um 16:29 UhrKommentare

Show, Geld, Öl und Macht - Wie weiter, G-8?

Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G-8). Doch was tut sich wirklich?

Die "Großen Acht" an einem Tisch

Foto © APADie "Großen Acht" an einem Tisch

In diesem Jahr war Japans innenpolitisch angeschlagener Premierminister Yasuo Fukuda für die Regie verantwortlich, und auch fürs Budget: Geschätzte 60 Milliarden Yen oder umgerechnet 356 Millionen Euro Steuergelder flossen in das Polit-Spektakel im Ferienort Toyako. Für diesen Preis produziert Hollywood fast drei Filme vom Format wie "Titanic" oder "King Kong" - Inszenierungen, die manchen zu echten Tränen rühren.

Kein Problem verkleinert. Vielleicht hilft das Ereignis, Fukudas Popularität zu steigern. Als gesichert gilt, dass - gemessen an der Breite und Schwere der Probleme - die acht Staats- und Regierungschefs einen ganzen Sack voll kleinster gemeinsamer Nenner gefunden haben. Drei Tage saßen sie zusammen und beschäftigten sich mit der Nahrungsmittelkrise, den gefährlich hohen Energiepreisen und Angst erregenden Folgen der Erderwärmung. Nach diesem Gipfel wird keines dieser Probleme spürbar kleiner sein. Andererseits wäre es unfair, die Latte zu hoch zu legen, zumal Politik auch die Fähigkeit zu Kompromissen bedeutet und dafür schlicht Zeit nötig ist.

Uneinig. Zahlreiche Kollegen aus Afrika und den zu neuen Mächten aufsteigenden Ländern wie China und Indien kamen in die so malerische wie etwas langweilige Natur Toyakos und boten ihre Sicht der Dinge an. Doch schon die "Chefs" aus den USA, Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien waren in den wenigsten Punkten zu 100 Prozent einig. Im Kreis von zuletzt 22 Spitzenpolitikern kam dann nur eine Erklärung zum Klimaschutz heraus, die sich im Unverbindlichen verliert. Dagegen nahm sich die von den G-8 am Vortag beschlossene - und von Umweltschützern in Grund und Boden gestampfte - Erklärung im Kampf gegen die Erderwärmung bis 2050 geradezu wie ein Heilsversprechen für das geschundene Weltklima aus.

Gretchenfrage. Dennoch. Diesmal stellte Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy die alljährliche Gretchenfrage: Wie hältst du es mit der Erweiterung des exklusiven Zirkels? Seit 1998 ist Russland offiziell Mitglied. "Ich gehöre zu denen, die es für unsinnig halten, dass wir uns weiterhin zu acht treffen, um die großen Probleme der Welt zu lösen", hatte Sarkozy vor dem Abflug nach Japan gesagt. Angeblich sieht der britische Premier Gordon Brown das ähnlich. Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war das bisher kein Thema. Unter ihrem Vorsitz war im vergangenen Jahr der sogenannte Heiligendamm-Prozess ins Leben gerufen worden, der eine enge politische und wirtschaftliche Abstimmung mit der Gruppe der Fünf (G-5) auch außerhalb der Gipfel sicherstellen soll. Neben China und Indien gehören Südafrika, Brasilien und Mexiko dazu. Diese Idee hat zumindest den Vorteil, dass alle gleich sind und sich niemand bei einer möglichen Erweiterung zurückgesetzt fühlen müsste.

Immer Ärger mit McCain. Dem möglichen Nachfolger von US-Präsident George W. Bush, dem Republikaner John McCain, passt schon jetzt grundsätzlich nicht, dass Russland mit am Tisch sitzt. McCain zweifelt die demokratische Gesinnung des Kremls offen an. Welche Maßstäbe sollten da an das kommunistische China angelegt werden? Und Diplomaten weisen am Beispiel der Erklärung zu Simbabwes Diktator darauf hin, dass schon einmal gar nichts gegangen wäre, wäre China als vollwertiges G-9-Mitglied am Tisch gesessen. Die Regierung in Peking hatte bisher vergleichsweise gute Beziehungen zu Mugabe gepflegt.

Zukunft ungewiss. Wie es mit der G-8 weitergeht, welche Stärken sie entwickeln kann und muss, kann anhand dieses Gipfels nur mit Hilfe des Lesens im Kaffeesatz oder dem tiefen Blick in eine Kristallkugel angemessen analysiert werden. Denn erst einmal wartet die Welt auf den nächsten US-Präsidenten. Und das Rennen könnte auch der Demokrat Barack Obama machen. Erst wenn also im Sommer 2009 Italiens Ministerpräsident, der G-8-Veteran Silvio Berlusconi, seine Kollegen auf dem Inselchen La Maddalena vor Sardinien empfängt, wird sich zeigen, welche Vision der neue US-Präsident mit den G-8 verbindet - wenn er denn eine hat. Und vielleicht ist dann auch der russische Präsident Dmitri Medwedew ein wenig gelöster im reichen Club der Mächtigen.


Fakten

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte ihre G-8-Kollegen, eine anhaltende Nahrungsmittelkrise könnte "die Demokratisierung gefähr-den, Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen".

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Bild vergrößernAngela MerkelFoto © AP

Merkels Forderungen

  • Kurzfristige Linderung der akuten Ernährungslage
  • Langfristige Steigerung der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion
  • Standards für die Produktion von Biokraftstoffen
  • Gentechnisch verändertes Saatgut als Lösungsmöglichkeit

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