"Für Banken gibt es derzeit keine Käufer"
Die Hypo-Vergangenheit steht mit im Brennpunkt des Martinz-Prozesses. Wie aber geht es eigentlich der Alpe Adria Bank bei ihrer Sanierung?

Foto © TraussnigDr. Gottwald Kranebitter Vorstandsvorsitzender der Hypo Alpe-Adria Klagenfurt
Das Hypo-Sparbuch, mit dem Josef Martinz 65.000 Euro "Schandgeld" dem Gericht übergab, hat Hypo-Vorstand Gottwald Kranebitter kaum erfreut. Die Bank steht oft im Negativkontext des Birnbacher-Honorars. Doch die Vergangenheit mit Sanierungserfolg abzuschütteln, ist im akuten Finanzklima schwierig. "Die Hypo Österreich ist restrukturiert, die Hypo Italien und die Hypo in Südosteuropa sind früher als geplant verkaufsbereit. Für Banken gibt es aber derzeit keine Käufer", so Kranebitter.
"Alles andere wird geordnet abgebaut, aber es geht langsamer als wir wünschen." Da wird der Verkauf von 2000 Leasingfahrzeugen, davon 50 Motorboote, bereits als Fortschritt gefeiert. Für 600 Millionen Euro hat man Immobilien und Ähnliches im ersten Halbjahr 2012 verwertet. Die von 41 auf 34 Milliarden Euro geschrumpfte Bilanzsumme ist der EU im laufenden Beihilfeverfahren aber noch viel zu hoch. Für die vor Jahresende aus Brüssel zu erwartenden EU-Vorgaben zum Verkauf der Banktöchter hofft Kranebitter, "dass wir ausreichend Zeit bekommen, denn Druck lässt die Preise fallen."
Die zweite Hürde ist das Eigenkapital. Nach der letzten Notenbank-Bewertung (an der Bilanz 2010) besteht ein Kapitalbedarf von 1,5 Milliarden Euro. Braucht die Hypo nach bisher 1,55 Milliarden Euro neues Staatsgeld? "Das legt der Regulator fest. Wir haben positive und negative Entwicklungen und die sind von der Nationalbank zu würdigen", sagt Kranebitter. "Selbst wenn die Bank Geld bekommt, heißt das nicht, dass es verloren geht", erklärt der Hypo-Vorstand. "Wenn die Bank den Bach hinuntergeht, kostet es sechs Milliarden Euro", wirbt er "für geordneten Abbau. Alles andere ist programmierte Vermögensvernichtung." Für den maroden Abbauteil (rund zehn Milliarden Euro) wünscht er geringere Kapitalunterlegung. Die Bank hat noch 17 Milliarden Euro Haftungen des Landes Kärnten. 2011 zahlte die Hypo widerwillig 20 Millionen Euro Provision.
Bilanz der CSI Hypo: 100 Anzeigen, sechs Zivilklagen, 90 Beschuldigte, 17,5 Millionen Euro Rückfluss aus Klagen und Anzeigen, sieben Inhaftierungen in Slowenien.
Die Berater-Honorare habe man heuer halbiert, 200 Mitarbeiter abgebaut, knapp eine Milliarde Euro Neugeschäft gemacht. Ob das für ein annähernd positives Halbjahresergebnis reicht, will man nächste Woche mitteilen.
Die Staatsbank von Fekter bis Flick
"Zahlen 70 Millionen Steuern und Provisionen"
Lässt Maria Fekter noch eine Hypo-Staatshilfe zu? Wie zufrieden ist sie mit der bisherigen Sanierung der Staatsbank? "Die Finanzministerin hat klar gesagt, dass eine Bad-Bank-Lösung für Österreich nicht infrage kommt. Klare Aussagen sind mir lieber als schwammige. Ich sehe einen Eigentümer, der Verantwortung wahrnimmt und präsent ist", sagt Kranebitter. Wie gut sind seine Drähte im Eigenkapital-Poker? "Freundschaftsdienste gibt es nicht. Ich habe zu Finanzministerin Fekter und zu Bundeskanzler Faymann eine gute Kommunikationsbasis. Die Hypo zahlt der öffentlichen Hand rund 70 Millionen Euro an Haftungsprovisionen und Bankensteuer."
"Androsch ist der Wachrüttler"
Hannes Androsch nimmt sich kein Blatt vor den Mund und prophezeit wiederholt, dass die Hypo noch fünf, sechs Milliarden kosten wird. Kranebitter zu Androsch: "Wir führen positive, verständnisvolle Gespräche. Er sieht sich als Wachrüttler und Mahner der Politik und hat als ?Elder Statesman' die Gunst, Dinge pointierter auszusprechen. Er sollte aber der Bank nicht schaden."
"Haben Verjährungsproblem"
"Wir haben bei vielen Themen ein Verjährungsproblem, weil meine Vorgänger Grigg, Berlin und Pinkl sie nicht angegangen sind", sagt Kranebitter zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Das könnte auch die umstrittene Kapitalerhöhung 2006 betreffen. "Die Flick-Stiftung ist wegen der Organidentität von Wolfgang Kulterer ein besonderer Fall. Er war Stiftungsvorstand und Aufsichtsrat."
"Bank spürt die Skandale"
Der Hypo-Chef zu Josef Martinz, Uwe Scheuch und Skandalen: "Ich bedauere die Situation für Kärnten, weil die Skandale dem Ansehen und der Wirtschaft schaden. Das spürt auch die Bank. Kärnten braucht einen Neubeginn und ein neues Image. Dieses wunderschöne Land und seine Bevölkerung haben es nicht verdient, dass sie jeden Tag durch den Dreck gezogen werden."













