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Zuletzt aktualisiert: 28.07.2012 um 16:18 UhrKommentare

Birnbacher: "Ich lernte mit der Schuld zu leben"

Der Steuerberater Dietrich Birnbacher deckte mit seinem Geständnis den Kärntner Polit-Sumpf auf. Im Kleine Zeitung-Interview spricht er über seine Motive und attackiert Landeshauptmann Dörfler.

Foto © KLZ/Markus Traussnig

Herr Dr. Birnbacher, wie sind Sie nach der Annahme des Millionenhonorars mit der Angst umgegangen, dass die Malversationen eines Tages ans Licht kommen könnten?

DIETRICH BIRNBACHER: Ich habe mit Schuld und Angst zu leben gelernt. Ich wusste, dass ich die Schuld nicht alleine zu tragen habe, ebenso dass auch andere Angst haben mussten. Es war ein langwieriger Prozess zu lernen, keine falschen Rücksichten zu nehmen. Ich bin froh, endlich einen Schlussstrich gezogen zu haben und fühle mich jetzt sehr befreit.

Wie haben Sie das Vertrauen Jörg Haiders erworben, wie sind Sie Teil seines Netzwerkes geworden und was war es, das Sie empfänglich gemacht hat für den Rechtsbruch?

BIRNBACHER: Ich kannte Dr. Haider seit vielen Jahren. Wie mit vielen Kärntnern war er auch mit mir per Du. Ich habe mir in meinem Beruf einen Namen erarbeitet und habe daher Klienten aus allen politischen Lagern. Auch hatte ich immer wieder mit dem Land Kärnten beruflich zu tun. Steuerlich vertreten habe ich Jörg Haider nie! Bis zum Anlassfall hatte ich keinen bedenklichen näheren Kontakt mit ihm und seinem Umfeld. Ich habe diesen Auftrag angenommen, da es eine interessante und daher reizvolle Arbeit war. Die einzigartige Höhe des in Aussicht gestellten Honorars, auch die Eitelkeit als Berater zugezogen zu werden, haben mich dazu bewogen den seinerzeitigen Auftrag zu übernehmen.

Das Eingestehen der Schuld, die Enthüllung: Wann wurde der Wunsch dazu übermächtig? War es eine Empfehlung des Anwaltes, in Erwartung einer milderen Strafe, oder wuchs der Wunsch von innen?

BIRNBACHER: Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Dieser klaren Sachlage wollte und konnte ich mich nicht mehr länger verschließen. Es war ein langwieriger Prozess. Mein Anwalt ist mir dabei in den letzten Wochen mit großer Besonnenheit und Sachkunde zur Verfügung gestanden. Diesen Schritt zu setzen war einzig meine Entscheidung, und ich stelle mich der von mir zu tragenden Verantwortung.

Was werden Sie sich niemals verzeihen?

BIRNBACHER: Dass ich dieses Angebot überhaupt angenommen habe. Und auch, dass ich mit meinen Handlungen Familie, Mitarbeiter und Freunde schwer enttäuscht habe.

Ist der Fall mit Ihrem Geständnis ausgeleuchtet oder sind weitere Enthüllungen zu erwarten? Wenn ja, wer muss sie fürchten?

BIRNBACHER: Da es vier Angeklagte gibt, kann mit meinem Geständnis alleine der Fall nicht ausgeleuchtet sein. Ich war offenbar nicht in alle Teile der Geschehnisse involviert. Mein Wissen habe ich den Behörden offenbart. Spekulationen anzustellen ist nicht meine Aufgabe.

Sie haben im Zuge Ihres Geständnisses auch die beiden heutigen Regierungsmitglieder Uwe Scheuch und Harald Dobernig belastet. Diese hätten nach Haiders Tod auf die Erfüllung des Paktes gepocht und einen Honorar-Anteil von einer halben Million Euro für die Partei begehrt, was Sie abgelehnt hätten. Die Beschuldigten bestreiten das, auch Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Er sagte im Fernsehen, jemand, der jahrelang gelogen habe, besitze keine Glaubwürdigkeit mehr. Deshalb hätten die Behauptungen keine faktische und moralische Relevanz. Was antworten Sie dem Landeshauptmann?

BIRNBACHER: Gegen die Anwürfe und Anfeindungen des Herrn Dörfler verwahre ich mich ganz entschieden, umso mehr, da er auch Landeshauptmann von Kärnten ist. Er demaskiert sich selbst, nachdem ich Ihm schon vor einigen Monaten schriftlich über meinen Anwalt drauf hingewiesen habe, dass es zu seinem Pflichtenkreis gehört, auch das Verhalten anderer Personen in der Kärntner Landesholding und in der Regierung kritisch zu hinterfragen. Mit Erstaunen habe ich seine Untätigkeit registriert. Es ist Sache der kritischen Öffentlichkeit und der zuständigen Amtsträger, dieses politische Agieren und die Parteilichkeit zurechtzurücken. Im Ermittlungsverfahren habe ich jahrelang bewusst geschwiegen, da ich nicht lügen wollte.

Sind Sie in der Lage zu belegen, dass das ominöse Gespräch mit Scheuch und Dobernig stattgefunden hat? Oder können Sie die näheren Umstände der Begegnung schildern?

BIRNBACHER: Ich habe mein ganzes Wissen bereits den Zuständigen mitgeteilt. Mittlerweile hat auch Dr. Martinz bei seinem Geständnis bestätigt, dass mit Dobernig und Scheuch geredet wurde. Sie sagten, Sie verstünden Ihr Geständnis als Versuch der ?Wiedergutmachung“, als ?Dienst am Land Kärnten“.

Gehört dazu nicht auch die Rückzahlung des missbräuchlich verwendeten Geldes an die Steuerzahler? Können Sie der Öffentlichkeit im Detail erklären, wohin die sechs Millionen Euro tatsächlich geflossen sind?

BIRNBACHER: Zu diesen Thema weise ich darauf hin, dass ich einen vollsteckbaren Rückstandsausweis der Finanzverwaltung als Vertreter der Steuerzahler über 5,4 Millionen Euro habe. Dies wäre zuzüglich einer Million Umsatzsteuer mehr als ich überwiesen bekommen habe. Der gesamte Geldfluss wurde der Justiz offengelegt. Rund eine Million Euro erliegt bei den Gerichtsbehörden.

Wie reagieren die Bürger, wenn Sie Ihnen begegnen?

BIRNBACHER: Es wird mir Anerkennung für den Mut die Wahrheit auszusprechen zuteil. Anerkennung gebührt aber viel mehr jenen, die nie mitgespielt haben und sich um die Aufklärungen aller Facetten des Falles bemühen.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Zukunft?

BIRNBACHER: Hoffentlich gesund und nach Abschluss des Prozesses mit mehr Ruhe.

INTERVIEW: HUBERT PATTERER

KLEINE.tv

Analyse zum Styrian-Spirit-Urteil

Mit Schuldsprüchen und Haftstrafen von 2,5 bzw. 2 Jahren endete am Freit...Bewertet mit 4 Sternen

 

Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

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Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

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