Nachdenkpause über Unschuld
Adolf Winkler in seiner Kolumne "Chefetage" über kommenden Mittwoch, den Tag der Wahrheit für Birnbacher, Megymorez und Xander. Am selben Tag kann Nassfeld-Deal am Veto des Landes platzen.

Foto © EggenbergerTag der Wahrheit: Hans-Jörg Megymorez (l.), Gert Xander
Erschöpft von fünf Stunden Befragung nahm Dietrich Birnbacher am Donnerstagnachmittag den Vorschlag von Richter Manfred Herrnhofer, die Einvernahme zu vertagen, an. Sie wird am Mittwoch mit der Vernehmung von Birnbacher und den Landesholding-Vorständen Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander fortgesetzt - Zeit, um über Schuld und Unschuld nachzudenken. Zwei Mal hatte der Richter direkt und indirekt Birnbacher ein Geständnis zur Überlegung gegeben. Ein zentrales Thema war bisher der erst 2008 erstellte Gegenbrief mit dem Beratungsauftrag an Birnbacher, den Jörg Haider und Josef Martinz rückdatiert mit April 2007 unterschrieben. Birnbacher hat das erst 2011 der Staatsanwaltschaft gelüftet. Von der von Megymorez entworfenen Rückdatierung hat Xander erst 2011 erfahren, worauf sein Anwalt Gernot Murko deutlich pocht. Ein bis Mittwoch von wem immer überlegtes Geständnis würde dem Prozess mit ÖVP-Chef Martinz als Mitangeklagten eine scharfe Wendung geben.
Die SPÖ fordert dazu eine neuerliche Sitzung des Holding-Aufsichtsrates. "Wir wollen einen Beschluss erreichen, dass sich die Landesholding als Klägerin an dem Prozess beteiligt, um allfällige Schäden einzufordern", verlangt Aufsichtsrat Reinhart Rohr. Einen solchen Beschluss müssten dann aber die Vorstände umsetzen. Xander und Megymorez müssten sich quasi selbst klagen, was unmittelbar Rücktritt bedeuten würde. Dafür müsste aber auch die FPK sein, zum Beispiel mit ihren Aufsichtsräten Uwe Scheuch und Kurt Scheuch. Für Aufsichtsratschef Achill Rumpold ist "keine Sondersitzung notwendig", vor Ende des Prozesses werde es aber jedenfalls eine Sitzung geben, "um auf etwaige Ergebnisse der Verhandlung reagieren zu können".
Ebenfalls am Mittwoch soll in der Hauptversammlung der Nassfeld Pramollo Bergbahnen AG die Übertragung von 30 Prozent Anteilen der Hypo an die Wiener Busunternehmer Ludwig Richard jun. und sen. beschlossen werden. Bank und Ludwig sind, wie exklusiv berichtet, einig. Auch die Zustimmung der örtlichen Dritteleigentümer mit Arnold Pucher und Christoph Herzog an der Spitze wird erwartet. Doch der Deal könnte am Mittwoch platzen, wenn für das Land die Kärntner Tourismus Holding KTH mit Geschäftsführer Reinhard Zechner ein Veto einlegt.
Dem Vernehmen nach will Richard vorerst nur die Hypo-Anteile kaufen und nicht zugleich auch die 33 Prozent des Landes, die ihm Landesrat Harald Dobernig angeboten hatte. Um den Wertbestand der Landesanteile abzusichern, hat Zechner daher einen Brief mit dem Verlangen nach Bekanntgabe des Preises und anderer Informationen an Hypo-Vorstand Gottwald Kranebitter geschickt. "Es gab aber bisher keine Antwort", so Zechner.
Bei der Hypo hofft man auf die Einsicht des Landes, weil Richard ein guter Partner für die Weiterentwicklung des Nassfelds wäre. Dobernig und Rumpold werden sich vermutlich selbst in den finalen Poker bis Mittwoch einschalten.













