"Keinen Rabatt, nur mehr Zeit"
Ugo Barchiesi ließ sich schon in Velden als neuer Schlossherr feiern. Dann erklärte die Hypo die Verhandlungen für gescheitert. Er sagt aber "Ende September gehört mir das Schloss Velden."

Foto © APA, Eggenberger?Ich zahle nicht vier Millionen Euro, wenn ich mir der Sache nicht sicher wäre“, so Schloss-Investor Ugo Barchiesi
Herr Barchiesi, die Hypo hat erklärt, die Verkaufsverhandlungenüber das Schloss Velden mit Ihnen seien am Ende. Glauben Sie, dass sie noch jemals Schlossherr werden?
UGO BARCHIESI: Ja, denn ich bin niemand, der Sachen anfängt und dann einfach so aufgibt.
Sie verstehen aber, dass viele in Kärnten den Kopf über Sie schütteln: Vor einem Jahr haben Sie das Schloss schon einmal kaufen wollen – dann wurde der Deal abgesagt. Jetzt haben sie fünf Millionen Euro überwiesen und plötzlich ist die Sache wieder gelaufen.
BARCHIESI: Wer sagt, dass ich fünf Millionen Euro bezahlt habe?
Die Hypo selbst.
BARCHIESI: Das stimmt nicht. Es waren vier Millionen Euro. Am 11. April, einen Tag vor dem Vertragsabschluss, habe ich zwei Millionen Euro überwiesen. Am 29. April den Rest. Und jetzt Frage ich Sie: Würden Sie ein Angeld in dieser Höhe zahlen, wenn Sie das Objekt nicht kaufen wollten?
Was ist seit jenem 29. April passiert, dass die Hypo sagt, Sie hätten kein Interesse mehr am Hotel?
BARCHIESI: Zwischen dem Signing und dem Closing habe ich einige Prüfungen vorgenommen. Einige Unterlagen wurden uns aber viel zu spät überreicht, andere zum Teil überhaupt nicht.
Über die Finanzen des Hauses?
BARCHIESI: Bitte verstehen Sie, dass ich dazu nichts sagen kann. Ich bin an eine Verschwiegenheitsverpflichtung gebunden – denn der Abtretungsvertrag ist für mich noch immer aufrecht. Am 29. Juni hätte ich dann ein weiteres Angeld überweisen sollen, aber ich habe mich entschlossen, das nicht zu machen, bis ich nicht alle Gutachten durchgearbeitet habe. Sie müssen sich vorstellen: Das ist ein schwer verständliches Konvolut und alles auf Deutsch.
Haben Sie der Bank mitgeteilt, dass Sie mehr Zeit brauchen?
BARCHIESI: Schriftlich sogar.
Und deren Reaktion?
BARCHIESI: Sie haben die Meldungen gesehen. Per Aussendung erklärte die Bank die Verhandlungen für beendet. Wir haben das aus dem Internet erfahren.
Sie wollen das Haus nun im Klagsweg erwerben? Oder versuchen Sie es noch einmal mit Verhandlungen mit der Bank?
BARCHIESI: Man wird sehen. Ich will auch klar sagen, dass weder den Vorstand noch den Aufsichtsrat Schuld an dieser Situation trifft. Es ist auf beiden Seiten eine komplizierte Situation.
Also gibt es keine Verstimmung zwischen Ihnen und Hypo-Chef Gottwald Kranebitter?
BARCHIESI: Ich habe Kranebitter drei Mal getroffen. Und es wäre kompliziert, mit Ihm zu streiten, denn ich spreche kein Deutsch und er kein Italienisch. Auch Johannes Ditz, der Aufsichtsratschef, ist eine korrekte Person. Aber wenn die ernsthaft meinen, dass der Vertrag sei, nicht mehr gültig, dann werden diese Herren auch die Rechtsfolgen tragen.
Bei der Hypo lacht man über Ihre Klagsdrohung nur.
BARCHIESI: In Italien gibt es ein Sprichwort: Wer lacht, bekommt gutes Blut. Ich freue mich für die Gesundheit der Hypo-Leute.
Warum ist im Vorjahr der Deal geplatzt?
BARCHIESI: Der Aufsichtsrat wollte ein Angeld sehen, noch bevor über den Vertragstext abgestimmt wurde. Jetzt haben wir das anders gelöst. Nun verlange ich nur mehr Zeit für die Prüfung. Ich habe schließlich Verantwortung: Gegenüber meiner Familie, gegenüber den Angestellten und gegenüber Kärnten.
Wie viel Zeit verlangen Sie?
BARCHIESI: Bis Ende September.
Damit müsste die Hypo den Verlust dieser Saison selbst tragen.
BARCHIESI: Ja, es wäre ein großer Fehler, den Betrieb Mitte der Saison zu übernehmen. Wir wollten ja schon ursprünglich das Hotel erst im September übernehmen. Die Bank wollte das nicht, deswegen war vorgesehen, das Closing früher zu machen – aber in der Zwischenzeit sind eben einige Probleme aufgetaucht.
Wollen Sie diese Probleme zum Anlass nehmen, um den Preis von kolportierten 50 bis 60 Millionen Euro weiter zu drücken?
BARCHIESI: Absolut nicht. Ich will keinen Groschen Rabatt. Den Preis, den ich akzeptiert habe – über die Höhe darf ich nichts sagen – werde ich auch bezahlen.
Und wenn die Bank mit anderen Investoren spricht . . .
BARCHIESI: Dann wäre das ein Vertragsbruch. Die Bank sollte das aber schon aus moralischen Gründen nicht tun: Die haben vier Millionen Euro von mir. Ich glaube kaum, dass es Irre gibt, die einfach so vier Millionen zahlen.
Den Plan eines Gesundheits- Ressorts haben Sie noch?
BARCHIESI: Natürlich! 18 Professoren von drei Universitäten sind in dem Projekt involviert. Ich bin nicht hier um ein Spekulationsgeschäft zu machen und jedes Jahr eine Rendite vom Betreiber zu bekommen. Ich will das Hotel selbst führen, nach meinen Vorstellungen. Und ab Ende September werde ich das tun können.
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Barchiesi und Rechtsanwältin Enrica Maggi im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung"Foto © Eggenberger













