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    Zuletzt aktualisiert: 07.06.2011 um 18:10 UhrKommentare

    Androsch: "Hypo wird viel teurer"

    Den Steuerzahler dürfte die Kärntner Hypo noch teuer zu stehen kommen: 700 Millionen Euro Staatsgeldverlust waren "erst der Anfang", so Unternehmer Androsch. Dass es bisher kein Interesse an der Hypo Österreich gegeben hat, ist für Vorstandschef Kranebitter ein "taktisches Manöver".

    Foto © Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

    Die Hypo Alpe Adria Bank muss nach der Notverstaatlichung im Dezember 2009 schrumpfen, die Töchter in Österreich und Italien stehen zum Verkauf. Dass es bisher keine Interessensbekundungen vor allem für die Hypo Österreich gegeben hat, beunruhigt Hypo-Vorstandschef Gottwald Kranebitter aber nicht. Er sieht dies eher als "taktisches Manöver" potenzieller Interessenten. Für beide Töchter gemeinsam müssten knapp 500 Millionen Euro bezahlt und vier Mrd. Euro an Refinanzierungen übernommen werden.

    Bis zum 17. Juni sind Bieter aufgerufen, Angebote für die Hypo Österreich zu legen. Die Bank hat im vergangenen Jahr bei rund 5 Mrd. Euro Bilanzsumme einen Verlust von gut 100 Millionen Euro geschrieben. Die Hypo Italien hat hingegen 2009 und 2010 Gewinne gemacht, wenngleich der Überschuss im Vorjahr mit 3,55 Mio. Euro nicht sehr üppig ausgefallen ist. Trotz der leichten Erholung nach der Krise sei es zugegebenermaßen früh, eine Bank veräußern zu wollen, meinte Kranebitter bei einem Kamingespräch am Montagabend in Klagenfurt. "Wir haben uns aber entschieden, früher hinauszugehen, so haben wir auch mehr Zeit", so der Bankvorstand. Die Entscheidung für den Verkauf sei alternativlos, dafür hätten schon die Vorgaben der EU gesorgt, die der staatlichen Finanzhilfe für das Geldinstitut nur unter Bedingungen zugestimmt hat. "Die wirtschaftliche Situation in Norditalien ist zwar derzeit schwierig, trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir ein gutes Verkaufsergebnis erzielen werden", bleibt Kranebitter optimistisch. Die Hypo insgesamt will er im kommenden Jahr wieder in der Gewinnzone sehen. Für das laufende Geschäftsjahr ließ sich der seit 14 Monaten amtierende Vorstandschef keine Prognosen entlocken. "Ich bin kein Prophet."

    Hilfreich für das Unternehmen sei jedenfalls der Kapitalschnitt gewesen, vor allem im Konnex mit der für Ende Juni anberaumten Sonder-Hauptversammlung, bei der 450 Mio. Euro PS-Kapital des Bundes in Grundkapital umgewandelt werden. "Das ist vertraglich so vereinbart", unterstrich Kranebitter. Mit gut 469 Mio. Euro "echtem" Grundkapital sei man dann gut aufgestellt. Die 450 Mio. vom Staat sind von Anfang an als künftiges Grundkapital geplant gewesen, offenbar war man im Finanzministerium schon im vergangenen Jahr davon ausgegangen, dass es ohne Kapitalschnitt nicht gehen werde. Dieser ist allerdings noch mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. So haben die Kärntner Landesholding und das Land Kärnten Widerspruch gegen die Maßnahmen erhoben, sie wollen die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse prüfen lassen, durch die das Land 21 Mio. Euro PS-Kapital und die Holding 104 Mio. Euro PS-Kapital abschreiben müssen. Der Bund muss 700 Mio. abschreiben, durch das Aufrechnen der Verluste gegen das PS-Kapital habe man die Altlasten "glattgestellt", so die Bank.

    700 Mio. Staatsgeldverlust

    Die Kärntner Hypo dürfte den Steuerzahler noch teuer zu stehen kommen. Davon ist der Unternehmer und frühere Finanzminister Hannes Androsch überzeugt. Dass der Staat beim jetzigen Kapitalschnitt bei der notverstaatlichten Kärntner Hypo Alpe Adria als "erste Tranche" mehr als 700 Mio. Euro vom eingeschossenen Kapital abschreiben muss, ist für Androsch erst der Anfang. "Das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange", sagte Androsch am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

    Androsch sprach heute vielmehr von "ein paar Milliarden". Die genaue Höhe der Lasten wage ja nicht einmal Hypo-Vorstandschef Gottwald Kranebitter abzuschätzen. Androsch geht dabei nicht davon aus, dass es die rund 18 Mrd. Euro Haftungen des Landes Kärnten sind, die irgendwann doch einmal in "Bundesbesitz" übergehen könnten, wie in Kreisen von Bankern gemutmaßt wird. "Die Haftung ist zwar unangemessen hoch für die Budgetkraft Kärntens. Aber das ist mehr eine Formalhaftung." Die wirkliche Haftung liege bei rund 6 Mrd. Euro. Die befürchteten Milliardenlasten, die von der Kärntner Hypo noch drohen würden, sieht er aus den Non-performing-Loans (faulen Krediten) erwachsen, die 7 bis 8 Mrd. Euro ausmachten.

    Keine Idee hat Androsch, wer in der Hypo Alpe Adria den Alleineigentümer Bund ablösen soll: "Wer soll das kaufen? Das ist wie bei der Bundesbahn." Die bayerischen Milliarden, die ein Asset gewesen wäre, habe man im Herbst 2009 abziehen lassen. Nicht nur am Land Kärnten machte Androsch heute seine Kritik an der Gebarung der öffentlichen Hände fest. Die Länder sind für ihn "Geldvernichtungseinrichtungen". In den 70er Jahren hätten sie hohe Überschüsse gehabt, und heute wiesen sie riesige Defizite auf, "obwohl man ihnen im Finanzausgleich Milliarden nachgeschmissen hat". Unter dem Diktat leerer Kassen gäbe es zwar vereinzelte Bemühungen. Er sieht aber auch das steirische Budget trotz massiver Schnitte nicht saniert.


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