Grasser: Halbe Million im Koffer
Als Ex-Finanzminister soll Grasser eine halbe Million Euro der Schwiegermutter im Geldkoffer aus der Schweiz nach Österreich gebracht haben. Sie habe damit sein Anlegertalent testen wollen. Die Einzahlung auf ein Konto bei der Meinl Bank geschah dann außerhalb der Öffnungszeiten und ohne eine Übernahmebestätigung, heißt es nun.

Foto © APAGrasser vertraute der Meinl Bank angeblich ohne jegliche Formalitäten eine halbe Million Euro an.
Neue Details aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (ÖVP) berichtet das Magazin "Format" laut Vorausmeldung in seiner neuen Ausgabe. Grasser habe den Behörden erläutert, dass das umstrittene Kärntner Hypo-Investment von 500.000 Euro aus Geldern seiner Schwiegermutter stamme, die er bar nach Österreich eingeführt, in seinem Safe verwahrt und ohne Bestätigung an die Meinl Bank übergeben habe. Den Vorwurf, er selber habe damals als amtierender Finanzminister in die Hypo investiert, hat Grasser stets zurückgewiesen.
Ohne Übernahmebestätigung
Laut den vom "Format" zitierten Akten der Grasser-Einvernahmen vom vergangenen Herbst und Kripo-Akten hat Grasser bei den Behörden angegeben, im Mai oder Juli 2005 - damals war er Finanzminister - in der Wohnung seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota von dieser 100.000 Euro in bar übernommen, nach Österreich eingeführt, in seinem Safe verwahrt, und außerhalb der Banköffnungszeiten bei der Meinl Bank auf ein Konto der Ferint AG bar eingezahlt zu haben - ohne Übernahmebestätigung.
Als Grund für diese formlose Bargeld-Transaktion gibt Grasser den Behörden laut "Format"-Bericht an, seine nunmehrige Schwiegermutter habe sein "Veranlagungsgeschick" testen wollen. "Grasser erklärte im Zuge seiner ersten Beschuldigtenvernehmung, er sei Treugeber für seine Schwiegermutter Marina Giori-Lhota gewesen", heißt es im Gerichtsakt. Im November oder Dezember 2005 habe er weitere 330.000 Euro erhalten, im Jänner oder Februar 2006 seien noch einmal 70.000 Euro in bar übergeben worden", in Summe also habe ihm seine Schwiegermutter 500.000 Euro in bar anvertraut.
Bei der Meinl Bank will man den Bericht des Nachrichtenmagazins "Format" über die Bargeldtransporte und formlosen Einzahlungen von insgesamt einer halben Million Euro durch Ex-Finanzminister auf ein Konto der Ferint AG bei der Meinl Bank nicht kommentieren. Dies betreffe Grasser und nicht die Meinl Bank, so ein Sprecher. Außerdem gelte für die Finanztransaktionen der Kunden das Bankgeheimnis.
Dass demnach die Einzahlung des Bargelds auf ein Konto bei der Meinl Bank formlos geschah, ist laut Meinl-Bank-Sprecher kein Anlass zur Verwunderung. Der Kundenbetreuer der Meinl Bank hatte laut "Format" das Geld von Grasser außerhalb der Banköffnungszeiten entgegengenommen und keine Übernahmebestätigung für insgesamt eine halbe Million Euro Bargeld ausgestellt. "Wenn ein Kunde keinen Beleg will, dann kriegt er halt keinen", meinte der Sprecher.
Ein lukratives Investment bei der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank tat sich in der Folge offenbar auf. "Grasser sei letztlich von Tilo Berlin angeboten worden, in Genussscheine zu investieren", heißt es laut "Format" im Gerichtsakt. "Grasser habe eine Veranlagung seines eigenen Vermögens in Genussscheine aufgrund seiner politischen Funktion abgelehnt. Gleichzeitig habe er aber Verantwortliche der Meinl Bank ersucht, die Sicherheit eines Investments in Hypo-Genussscheine für die Veranlagung des Geldes seiner Schwiegermutter zu prüfen".
784.000 Euro
Am 22. Dezember 2006 zeichnete die Ferint den Hypo-Alpe Adria-Genussschein, der mit 500.000 Euro Einsatz schließlich 784.000 Euro brachte. Grasser war von Februar 2000 bis Jänner 2007 österreichischer Finanzminister. Zum Kärntner Hypo-Investment habe Berlin über die Mailadresse von Grassers-Freund Walter Meischberger Mails geschrieben, die sich an "Minister Grasser" gerichtet hätten.
Den Erlös aus dem Hypo-Deal überwies Ferint auf ein Konto bei der Raiffeisenbank Liechtenstein, Kontoinhaber laut "Format" ist die "Mandarin" auf Belize. Meischberger wiederum habe über 1,5 Millionen Euro der ihm zugeflossenen Buwog-Provisionen zur Mandarin geschleust, so das "Format". Grasser hat stets dementiert, dass er von der Provision bei der Buwog-Privatisierung von 9,6 Millionen Euro, die an den Lobbyisten Peter Hochegger und Meischberger geflossen war, irgendwie profitiert hätte.
Die Ermittler glauben laut dem Magazin allerdings an eine erste Spur zu den Buwog-Provisionen.














