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Zuletzt aktualisiert: 30.03.2011 um 16:59 UhrKommentare

Hypo Kärnten: Für 2011 nur mehr 400 Mio. Euro Risikovorsorge

Die notverstaatlichte Kärntner Bank Hype Alpe Adria hat ihre Vorsorge für Kreditausfälle für das laufende Geschäftsjahr 2011 deutlich reduziert.

Foto © Weichselbraun

Nach 1,2 Mrd. für 2010 und noch 1,7 Mrd. für 2009 sind diesmal 400 Mio. Euro budgetiert, das doppelte eines Normalwertes, wie Hypo-Chef Gottwald Kranebitter beim Bilanzpressegespräch sagte. Um wie geplant beim Ergebnis die Null-Linie zu erreichen, muss somit das operative Ergebnis 2011 auch mindestens 400 Mio. Euro betragen, 2010 lag es bei 227,4 Mio. Euro.

"2011 wird ein schwieriges Jahr, das makroökonomische Umfeld ist nicht so gut, wie wir es gerne hätten", so Kranebitter. Um die Null-Linie erreichen zu können, sei nach einem verhaltenen Neugeschäft 2010 "Rückenwind" von den Märkten erforderlich, Voraussetzung sei eine moderate Erholung der Märkte und der Abschluss und die Umsetzung der Risikoanalyse in den einzelnen Ländern. Auch müsste man bei der Neugeschäftsproduktion sowohl im Zins- als auch Dienstleistungsgeschäft erfolgreich sein. "Diese Voraussetzungen halten wir für möglich und realistisch", sagte Kranebitter. In den kommenden drei Jahren sollen weiters 72 Filialen dazukommen.

Neue Inhalte, neue Bildsprache

Als flankierende Maßnahme bezeichnete Kranebitter den geplanten "Soft-Relaunch" der Marke, mit dem bereits in den nächsten Wochen begonnen werde soll. Während das Logo unverändert bleiben soll, soll die Marke mit "neuen Inhalten und einer neuen Bildsprache" gefüllt werden, mit denen die Werte "supportive, friendly und fair" vermittelt werden sollen.

Kapitalmäßig bereite man sich auf die Erfüllung der geplanten neuen Eigenkapitalvorschriften durch Basel III vor und baue das nichtperformende Portfolio konsequent ab. Erste positive Zeichen seien bereits sichtbar. Hinsichtlich des Risikomanagements seien 2010 die Grundlagen geschaffen worden, um "Licht im Keller" zu haben. Es gebe jetzt einen besseren Einblick in die Kreditrisiken als früher, bei der Neukreditvergabe sollen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Die Refinanzierung soll auf ganz neue Beine gestellt werden, um sich auf die Rückzahlung der staats- und landesgarantierten Finanzierungen in den nächsten Jahren vorzubereiten. Die Einlagenbasis will man auf ein bankübliches Niveau anheben.

Ziel sei es, die Bank für die Reprivatisierung vorzubereiten. Dazu sei man in konstruktiven und sehr intensiven Dialogen mit der EU-Kommission. 2011 erwarte man sich hier richtungsweisende Entscheidungen. Der Restrukturierungsplan sei zwingend umzusetzen, um die Zukunft der Bank abzusichern. "Wir gehen den Weg einer neuen Bank, die in ihrer Struktur einfacher, deutlich kleiner und kundenorientierte sein wird", so Kranebitter.

Rückzahlungsplan bis 2017

Das von der Republik Österreich und dem Land Kärnten in die Bank gesteckte Geld - 900 und 450 Mio. Euro PS-Kapital sowie 200 Mio. Euro Bürgschaft - werde dann zurückfließen, wenn der Verkauf der Gruppe und die Abwicklung des Abbauanteiles abgeschlossen sind, meinte Kranebitter. Dies könne auch länger dauern. Daneben gebe es die mit Staats- und Landesgarantien behafteten Finanzierungen im Ausmaß von 20,6 Mrd. Euro. Dafür gebe es einen Rückzahlungsplan bis 2017. Dieser könne eingehalten werden, wenn der Businessplan - Halbierung der Bank, Verkauf der Bankentöchter - gelinge. Dann seien die Haftungen nicht in Gefahr.

Der Abbauteil von 8,2 Mrd. Euro bestehe im Wesentlichen aus dem Leasingportfolio in jenen Ländern, wo damit Schluss gemacht werden soll. Mit 1,4 Mrd. Euro entfalle der größte Teil davon auf Kroatien, sowie auf Deutschland, die Ukraine, Italien, Ungarn, Mazedonien und Österreich. Insgesamt seien es 3,5 Mrd. Euro. 500 Mitarbeiter seien betroffen, die künftig für Restrukturierungsaufgaben eingesetzt werden aber auch abgebaut werden sollen. Einheiten, die nicht verkauft werden können, sollen bis 2014 oder 2015 abgebaut werden.

Weiters soll in der Österreich-Holding das dort angesiedelte großvolumige Kommerz- und Immogeschäft, das zu über 50 Prozent nicht performend sei, abgebaut und die gesunden Teile in die einzelnen Länder übertragen werden - Volumen: wieder 3,5 Mrd. Euro. Der dritte Teil betreffe die Österreich-Bank, wo etwa 1,0 Mrd. Euro Kommerzkredite abgebaut werden sollen.

Die im Zuge der Notverstaatlichung von der BayernLB zur Verfügung gestellte Refinanzierung von 3 Mrd. Euro laufe zum größten Teil bis 2013, weitere Teile bis 2014 und 2015. Geplant sei eine vertragskonforme Rückführung.

"Return on investment"

Laufende oder anhängige gerichtliche Verfahren wollte Kranebitter nicht kommentieren. Die Staatsanwaltschaft werde aber von der Bank in enger Kooperation mit Unterlagen gefüttert. 20 Mio. Euro habe die Bank in die systematische Untersuchung investiert, der "return on investment" bestehe in einer Anhebung der ethischen Standards und in geplanten Rückforderungen der Schäden, wie zum Beispiel zuletzt der Sonderdividende.

"Wir haben Grund zur Vermutung, dass der Bank durch malversationsverdächtige Geschäfte ein dreistelliger Millionenbetrag entzogen wurde", so Kranebitter. Die gerichtliche oder außergerichtliche Durchsetzung sei aber noch offen. 2011 wolle man die größten Fälle aufgearbeitet haben. Die gerichtliche Aufarbeitung werde sicher noch Jahre in Anspruch nehmen. Den sich aus den rund 1.000 untersuchten Einzelfällen ergebenden Schadensbetrag bezifferte Kranebitter mit mehr als 1 Mrd. Euro. Davon seien "gerechtfertigte unternehmerische Entscheidungen" abzuziehen.

Für Berater hat die Hypo im Vorjahr 27,8 Mio. Euro aufgewandt, nach 34,9 Mio. Euro 2009. Weiters seien für Sanierungs- und Restrukturierungsprojekte 20,2 (20,5) Mio. Euro angefallen. Für das gesamte CSI-Programm seien 18,4 Mio. Euro für externe Berater rückgestellt worden.


KLEINE.tv

Analyse zum Styrian-Spirit-Urteil

Mit Schuldsprüchen und Haftstrafen von 2,5 bzw. 2 Jahren endete am Freit...Bewertet mit 4 Sternen

 

Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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