"Staatsanwalt braucht einen Sündenbock"
Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer muss sich ab heute im Hypo-Prozess vor Gericht verantworten. Wir berichten für Sie live mit Ticker, Videos und Fotos.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunMedienansturm auf Wolfgang Kulterer
Ein Medienspektakel war bereits vor Prozessbeginn absehbar: Ganz Österreich schaut auf Kulterer - und auf die Kärntner Justiz, wie sie den Hypo-Skandal im Prozess aufarbeitet. Und Dienstag kurz vor 9 Uhr drängten sich Fernsehteams und Fotografen dann auch um die besten Plätze für Aufnahmen und Bilder von Wolfgang Kulterer. Gemeinsam mit Gert Xander und Albin Ruhdorfer muss er sich heute wegen des Verdachts der Untreue verantworten. Neben inländischen Medien sind auch TV-Teams aus Kroatien vor Ort. Vor dem Gerichtsgebäude stehen Übertragunswägen. Wolfgang Kulterer stand vor der Verhandlung für einige, wenn auch nur sehr kurze, Interviews zu Verfügung. Noch am Vormittag finden Sie hier ein Video des Prozessauftaktes. Richter Norbert Jenny ließ den Bildreportern übrigens gut eine Viertelstunde über den Beginntermin hinaus Zeit, um ihre Fotos zu schießen.
Die Anwälte der Angeklagten wiederholten vor den Kameras, ihre Mandanten seien unschuldig, es müsse einen Freispruch geben. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Andreas Höbl, er wirft den Managern vor, einen Zwei-Mio.-Euro-Kredit an die später pleitegegangene Fluglinie Styrian Spirit sowie 150.000 Euro an Kredit an den Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler vergeben zu haben. In beiden Fällen kam es zu Totalausfällen. Kulterer wird außerdem Falschaussage im Hypo-U-Ausschuss vorgeworfen. Kulters Anwalt Ferdinand Lanker: "In der Ära Kulterer hat es keinen Hypo-Skandal gegeben." Für Lanker liegt der Skandal beim Verkauf an die Bayern. Die Staatsanwaltschaft versuche, den Mister Hypo (Kulterer Anm. d. Red.) zu kriminalisieren. Die U-Haft wurde zu Unrecht verhängt. Es werde Stimmung gegen ihn (Kulterer) gemacht. Die Anklageschrift sei nicht objektiv und die Staatsanwaltschaft brauche einen Sündenbock.
Die Anklage
Wie führte Wolfgang Kulterer die Hypo Alpe-Adria-Bank, dass ein Anruf Jörg Haiders für einen Kredit genügte? Das Politiksystem Jörg Haiders steht mit auf dem Prüfstand, wenn Kulterer ab heute am Landesgericht Klagenfurt als Angeklagter vor Richter Norbert Jenny steht. "Nicht schuldig" wird sich Kulterer bekennen - so wie bei seinem ersten Hypo-Prozess im Jahr 2008, der mit Geständnis, Verurteilung und Geldstrafe für Bilanzfälschung nach dem Swap-Skandal endete. Diesmal wird Kulterer Untreue vorgeworfen, für die bis zu zehn Jahre Haft drohen. Ihm und den Mitangeklagten Ex-Hypo-Österreich-Chef Gerd Xander und Ex-Kreditchef Albin Ruhdorfer wirft Staatsanwalt Andreas Höbl sorglose Vergabe von zwei Krediten vor: zwei Millionen Euro an die Pleite-Fluglinie Styrian Spirit, 150.000 Euro an den Detektiven Dietmar Guggenbichler.
Wie im ersten Prozess, als Kulterer für die Swap-Bilanzierung eine Buchhalterin für zuständig erklärte, sieht sich der Ex-Hypo-Konzernchef auch diesmal nicht verantwortlich. Er sei nicht Vorstand der Hypo-Österreich, sondern deren Aufsichtsratsvorsitzender gewesen und habe weder Kredite vergeben noch Weisungen erteilt, führt Verteidiger Ferdinand Lanker ins Treffen. Es war jedoch Kulterer, der Guggenbichler einen Termin gab - und Spitzelaufträge in Kroatien, wofür der Detektiv 180.000 Euro von der Hypo kassierte, aber seinen Kredit nicht abzahlte.
Bei der Styrian Spirit verteidigt sich Kulterer damit, dass das Land Kärnten mit 43 Prozent beteiligt war und selbst drei Millionen setzte. Kulterer zur Kleinen Zeitung: "Haider sagte: das ist ein Unternehmen des Landes. Dass er die Garantie nicht eingehalten hat, ist ein anderes Thema". Ob das dem Gericht genügt?
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Zwei Millionen Schadenssumme
Zwei Millionen Euro macht die Schadenssumme im aktuellen Hypo-Prozess aus. Zum Vergleich: Der Swap-Verlust belief sich auf 328 Millionen Euro. Im AvW-Fall lag der Schaden bei 440 Millionen Euro.
Kleine Schlagzeilen
Vier Wochen lang saßen im Herbst 2008 die Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer, Thomas Morgl und Günther Striedinger wegen Bilanzfälschung auf der Anklagebank. Erst nach einer belastenden Aussage einer Mitarbeiterin bekannte sich Kulterer schuldig. Er musste 140.000 Euro Strafe zahlen.















