"Eine schäbige Kindesweglegung"
Nach Marathon-Verhandlungen wurde die Hypo Ende 2009 verstaatlicht - und zuvor an die Wand gefahren.

Foto © Grafik: Kleine Zeitung, Foto: Weichselbraun
Am 14. Dezember 2009, um 7.30 Uhr, eine halbe Stunde, bevor die Bankschalter öffnen, verkündete Finanzminister Josef Pröll die Rettung namens Notverstaatlichung. Der Bund übernimmt die Hypo, die Alteigentümer BayernLB, Land Kärnten und die Grawe schießen Geld nach. (Details siehe Grafik.) Der bereits bestellte Staatskommissär konnte wieder unverrichteter Dinge abziehen.
In den Tagen davor spielte sich eine dramatische Rettungsaktion ab, in der jeder Verhandlungsteilnehmer den anderen öffentlich ausrichtete. In der Rückschau ein peinliches Pokerspiel, bei dem leichtfertig Geld verbrannt wurde.
Wie nun veröffentlichte Unterlagen der Verstaatlichung aufzeigen, wurde Pröll von seinem bayrischen Amtskollegen Georg Fahrenschon bereits im August über die Schieflage der Bank informiert. Der ignorierte die Warnungen allerdings.
Die Bayern wiederum setzten alles daran, um die Bank an die Wand zu fahren. Prüfer wurden ausgeschickt, um die Leasing-Assets der Bank zu überprüfen. Am Ende meldeten sie 400 verschollene Jachten. Dass diese im Sommer wohl kaum im Hafen liegen - darüber dachte niemand nach. Selbst der Markenname "Hypo Alpe Adria", mit dem man in 13 Ländern aktiv war, wurde von den Bayern in der Bilanz 2008 mit null bewertet. Ein Jahr zuvor war er noch 121,7 Millionen Euro wert. Zudem wurde eine Milliarde an Liquidität abgezogen. Grawe und das Land Kärnten stellen bei den Verhandlungen ohnehin auf stur. "Eine schäbige Kindesweglegung", brachte es Nationalbank Gouverneur Ewald Nowotny auf den Punkt.
Die Bank in die Pleite zu schicken? Das war nie ein Thema. Die Sorge vor einem Domino-Effekt und dem Imageschaden für die übrigen Banken in Ost-Europa war zu groß. Pröll: "Wir hatten zwei schlechte Varianten zur Auswahl. Wir haben die bessere genommen."
Fakten
Franz Pinkl, Ex-Hypo-Chef glaubt wohl nicht einmal selbst, dass jene 2,9 Millionen Euro Abfertigung, die er nach neun Monaten erhielt, gerechtfertigt sind. Die Change-of-control Klausel, die ihm den Ausstieg ermöglichte, hat er kurz vor der Verstaatlichung mit den Bayern ausverhandelt.
Gottwald Kranebitter saß bei der Hypo Rettung als Wirtschaftsprüfer am Tisch. Drei Monate war er HR-Chef. Er will, dass die Bank 2011 wieder Gewinne schreibt. Doch der Beratungs-Aufwand dafür ist enorm: 2010 sollen 60 Millionen Euro geflossen sein.
Georg Fahrenschon ist in der Rückblende der Gewinner der Verstaatlichung. Gut, die Bayern haben 3,7 Milliarden Euro verloren und er beinahe seinen Job als Finanzminister. Aber mit der Hypo konnte man von ärgeren Problemen bei Geschäften in den USA ablenken.
Josef Pröll war bei der Hypo-Rettung getrieben: von Bürgern und Bankern. Jetzt hat er, respektive die Republik, ein Institut am Hals, das niemand wollte. Schafft er es nicht, die Bank bis zur nächsten Wahl 2013 die Bank erfolgreich zu verkaufen, könnte sie zum Bumerang werden.
Gerhard Dörfler hatte im Dezember 2009 bewegte Tage. Am Vormittag zahlte er fröhlich den Teuerungsausgleich aus, am Abend verhandelte er über die Hypo-Rettung. Als das Land Kärnten die Bank abgeben musste und 200 Millionen drauflegte, erklärte er: "Kärnten ist nicht so neger."
Features
Kleine Schlagzeilen
"Gerhard Dörfler und sein Kompagnon Uwe Scheuch scheinen sich pubertär darüber zu freuen, dass Rest-Österreich nun für die hausgemachte Malaise tief in die Tasche greifen muss - eine bundesstaatliche Provokation", kommentierte die Kleine Zeitung das Verhalten der Politik nach der Verstaatlichung. Keine drei Tage später folgte das nächste Ablenkungsmanöver: Die Kärntner BZÖ-Spitze trennte sich von der Partei und schloss sich wieder der FPÖ an.














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