Kapitalerhöhung als Karussell
Teil 2 der Serie: Die Geldmaschine der Hypo. Aktien ohne Risiko? Eigentlich undenkbar - bei der Hypo kamen Top-Kunden aber auch in diesen Genuss.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun, Jürgen Fuchs
Im Jahr 2006 fehlte es der Hypo an Geld, genauer an Eigenkapital. Die Lösung des Problems: Man holt sich das Geld am Kapitalmarkt! Wer an die Hypo und ihre Expansionspläne am Balkan glaubte - und das waren zu dieser Zeit trotz des bekannten Swap-Verlusts nicht wenige - der konnte sich über Vorzugsaktien an der Bank beteiligen. Vorausgesetzt, man war einer der Top-Kunden der Bank. Chancenreich, aber nicht frei von Risiko so ein Investment - müsste man meinen. Bei der Hypo war es allerdings etwas anders.
"Etwas bleibt hängen"
Einzelnen Vorzugsaktionären der Hypo-Leasing-Holding, über diese Tochter wurden die Aktien ausgegeben, bekamen mit den Wertpapieren auch Sonderrechte. Sogenannte Put-Optionen. Die haben zwei Effekte: Auf der Käuferseite bewirken sie Sorglosigkeit, da man die Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem bestimmten Preis wieder an die Hypo zurückgeben konnte. Auf der Bankseite ist hingegen Vorsicht geboten: Als Eigenkapital dürfen die Aktien nicht angerechnet werden. Genau das geschah bei der Hypo aber. Ein ehemaliger Vorstand meinte in einem Gespräch mit der Kleinen Zeitung: "Es ist sicher, dass da strafrechtlich etwas hängenbleibt." Die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Bilanzfälschung soll bereits kurz bevorstehen.
Doch der Fall "Vorzugsaktien" hat noch andere Facetten. Als man die Bank an die Bayern verkaufen wollte, wurden die Put-Optionen verschwiegen, weswegen jetzt in München schon an Klagen gefeilt wird. Noch brisanter ist der Sachverhalt bei Vorzugsaktien, die 2004 ausgegeben wurden. Einigen Zeichnern gab eine Hypo Tochter in Liechtenstein den Kredit. Von der Bank wurde auf die Aktien eine Dividende von 6,25 Prozent garantiert, der Zinssatz für den Kredit lag nur bei 4,5 Prozent. Geld wurde also im Kreis geschickt - und ein paar schnitten sich etwas ab.
Die Protagonisten
Siegfried Grigg hätte die Hypo nach dem Abgang von Wolfgang Kulterer in ruhige Gewässer bringen sollen. Der Vize-Chef der Grazer Wechselseitigen unterschrieb aber zumindest die Put-Optionen für drei Aktionäre - und verschwieg das bei den Kaufverhandlungen mit den Bayern.
Ingrid Flick , Witwe des deutschen Industrie-Magnaten Friedrich Karl Flick, vertraute in Finanzfragen voll und ganz auf Wolfgang Kulterer. Der Ex-Hypo-Manager fädelte auch ihre Beteiligungen an der Hypo ein: ob als Vorzugsaktionärin oder Teil der Investoren-Gruppe rund um Tilo Berlin.
Josef "Seppi" Kircher verantwortete die Ausgabe der Vorzugsaktien im Jahr 2006 - zum Teil gemeinsam mit Kulterer, zum Teil mit Grigg. Seit der Verstaatlichung hält er sich bedeckt. Eine Zivilklage der Hypo gegen ihn wurde vorläufig ausgesetzt - man wartet das Strafverfahren ab.
Herbert Koch war immer dabei, wenn es bei der Hypo etwas zu investieren gab - und jedes Mal erfolgreich. Knapp vor der Hypo-Verstaatlichung sicherte er sich noch ein Wörthersee-Grundstück. Eine Unvereinbarkeit, weil er Aufsichtsratschef der Hypo war? Die sieht der Senior-Chef der Möbelkette Kika/Leiner nicht.
Gerold Hoop bildete für die Hypo die Brücke ins Steuerparadies Liechtenstein. Der Rechtsanwalt mit Kanzleisitz in Vaduz steht aktuell auch im Fokus der Ermittlungen um die slowenische Hypo, bei denen es um Immobilien-Deals und Geldwäsche geht.














