Hypo-Affäre: Druck auf Flick-Stiftung steigt
Die Flick-Privatstiftung machte gute Geschäfte mit der Hypo Group. Grund für die CSI-Hypo, gegen Ingrid Flick und die Stiftung wegen Bevorzugung zu ermitteln.

Foto © APA/WeichselbraunIngrid Flick machte gute Geschäfte mit der Hypo
Von den Klatschspalten der internationalen Presse könnte Multimillionärin und Society-Lady Ingrid Flick nun auf jene Seiten wandern, wo in Sachen Wirtschaftskriminalität berichtet wird.
Das Nahverhältnis zu ihren Beratern und Finanzmanagern, den Ex-Hypo-Chefs Wolfgang Kulterer und Tilo Berlin, könnte Flick noch größere Troubles bereiten. Wolfgang Kulterer, Anwalt Alexander Klaus und Wirtschaftsberater Jörg-Andreas Lohr fungierten ab Oktober 2006 als Vorstände der Flick-Stiftung und als enge Berater in finanziellen Belangen. Flick wird nun vorgehalten, die "Freunderlwirtschaft" mit den Hypo-Vorständen könnten der Stiftung vorteilhafte Privilegien gesichert haben. Seit seiner Untersuchungshaft im August ist Kulterer allerdings nicht länger im Flick-Stiftungsvorstand.
Wie das "Format" berichtet, interessieren sich die Ermittler der CSI-Hypo jetzt auch für die Flick-Gruppe. Im Zuge der Recherchen im Kriminalfall Hypo Group Alpe Adria seien die Ermittler auf Akten und Kaufverträge gestoßen, die angeblich beweisen sollen, dass von den exzellenten Privatkontakten Flicks auch die millionenschwere Privatstiftung profitiert haben soll.
"Wir haben mit der Hypo, wie mit anderen Banken auch, Geschäfte gemacht. Warum wir dabei privilegiert gewesen sein hätten sollen, leuchtet mir nicht ein", stellt Stiftungsvorstand Jörg Andreas Lohr klar.
Vorzugsaktien erworben
Im Mittelpunkt steht der Erwerb von Vorzugsaktien, ein Deal, den die von der Finanzprokuratur eingesetzte CSI-Hypo im August bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hat. "Vorzugsaktien gibt es bei vielen Banken. Es ist normal, dass solche Anleihen begeben werden", findet Lohr nichts dabei. Ob er gute Gewinne gemacht habe? Lohr: "Die Gewinne sind uns damals, in Hinblick auf das Risiko, angemessen erschienen." Von einer Anzeige weiß Lohr noch nichts. "Sollte es diese geben, werden wir das sicherlich rechtlich genau beurteilen", sagt Lohr und fügt ironisch hinzu: "Gibt es einen in Kärnten, der derzeit nicht angezeigt wird?"
Ob Flick, Kulterer, Klaus, Lohr und Berlin in dieser Causa als Beschuldigte gelten, wollte die Staatsanwaltschaft Klagenfurt nicht bestätigen. "In dieser Causa gibt es über 60 beschuldige Personen", erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Helmut Jamnig, "aber nicht alle Personen, die als Beschuldigte aufscheinen, werden auch angeklagt". Um den Stigmatisierungen einzelner Personen aus dem Weg zu gehen, würden die Namen nicht bekannt gegeben werden.
Der Vorzugsaktien-Deal soll in Zeiten der existenzbedrohenden Finanzkrise nach den Swap-Verlusten im Jahr 2006 eingefädelt worden sein. Das akute Finanzproblem löste Kulterer über den Verkauf von Vorzugsaktien der Hypo Alpe Adria Leasing Holding (HLH). Kulterer machte seinen Freunden den Aktienkauf mit hohen Zinsen oder Gratis-Put-Optionen schmackhaft. Sie erlaubten auch den Verkauf von Hypo-Leasing-Papieren an die Hypo Group zum Einstandspreis. Put Besitzer - und dazu gehörten Ingrid Flick als auch die Stiftung - besaßen diese Options-Rechte.
Das Brisante dabei: Wer Vorzugsaktien mit Put-Optionen als Eigenkapital ausweist, begeht Bilanzfälschung. Auf dieser Basis prüft die BayernLB bekanntlich auch Schadenersatzklagen gegen Berlin und Kulterer.
Call-Option gezogen
Dem widerspricht Stiftungsvorstand Lohr: "Nicht wir haben den Rückkauf betrieben, die Bank hat die Call-Option gezogen, dem konnten wir nicht widersprechen. Ich bin sozusagen geholt worden und habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe auch kein schlechtes Gefühl dabei."
Die Flick Stiftung war 2007 auch bei der Finanzgruppe Tilo Berlins dabei, die ein gutes Geschäft beim Verkauf der Hypo an die BayernLB gemacht hat. Lohr klagt darüber, dass die Investoren in den Hypo-Skandal hineingezogen werden. "Investoren tragen ein Risiko und haben dabei die Chance, einen Ertrag zu erzielen, das ist normal." Das Hypo-Desaster hätten andere zu verantworten, nicht die Investoren. Lohr: "Wer wird denn in Zukunft überhaupt noch bei einer österreichischen Bank investieren?"
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