Hypo: "Drehscheibe für Kriegs-Gelder"
Zwei Milliarden Euro aus der kroatischen Staatskasse, die für die Kriegsfinanzierung vorgesehen waren, sollen über die Hypo zurück nach Kroatien geflossen sein.

Foto © KK, WeichselbraunBinnen wenigen Wochen - wie hier vor der Insel Brioni - wurde Ödland an der Küste in teuerstes Bauland gewidmet - stets nachdem Investoren das Land günstig erworben hatten. "Privatisierungsraub" nennt es Pilz
"Mir geht es nicht um kroatische Lokalpolitiker, die bei Geschäften mit der Hypo ihren Schnitt gemacht haben sollen", versucht Peter Pilz die Fragen kroatischer Journalisten auf jenes Thema zu bringen, dessentwegen er vor wenigen Wochen begann, sich in die Aufklärung des Hypo-Skandals einzumischen. "Mir geht es um die Anfangsphase der Hypo in Kroatien." Wer seien zu Beginn der 1990er die Türöffner für die vergleichsweise kleine Bank aus Kärnten gewesen? Lief es wirklich nach der Methode ab: "Tudjman hatte das Geld, Haider die Bank", wie es manche vereinfachen wollen?
Geht es nach dem grünen Aufdecker, so hängt der Eintritt der Hypo in ihrem späteren Schicksalsmarkt Kroatien unmittelbar mit den Unabhängigkeitskriegen zusammen. Mehrere Milliarden Euro seien unter Staatspräsident Franjo Tudjman ins Ausland transferiert worden. Zweck der Aktion: Die Anschaffung von Waffen. Zu diesem Zeitpunkt ein Verstoß gegen das Embargo der Vereinten Nationen - der laut Pilz mit dem Wissen einzelner Mitglieder der österreichischen Bundesregierung begangen wurde. "Unterlagen des Heeresnachrichtenamtes werden das in Kürze bestätigen", kündigt Pilz die Nennung von Namen an.
Als der Krieg schließlich vorbei war, seien noch zwei Milliarden Euro auf Konten österreichischer Banken verblieben. "Mehrere größere Banken aus Österreich", so behauptet der Nationalratsabgeordnete hätten den Krieg auch mitfinanziert. Nur um das kroatische Geld am Staatsbudget vorbei wieder in das Land zu investieren, brauchte es einer anderen "Drehscheibe" - hier trat laut Pilz die Hypo auf den Plan.
Immobiliengeschäfte an der istrischen Küste, Investitionen in Tourismusprojekte - und plötzlich war die Hypo ein großer Spieler im Land. "Ein Kreis von zehn Personen", sei laut Pilz in die Aktionen involviert gewesen. Wer aller? "Tudjman und seine Leute", lautet die Antwort mit Verweis auf den ehemaligen Vize-Verteidigungsminister Vladimir Zagorec.
"Privatisierungsräuber"
Ein zweiter Komplex, dem Pilz gemeinsam mit dem Kärntner Grünen-Chef Rolf Holub nachspüren will, sind die "Privatisierungsräuber". Eine "österreichisch-kroatische Connection hat erst die Bevölkerung Istriens und dann die Hypo ausgeraubt", sagt Pilz und führt das Beispiel der AB Maris in Vodnjan an.
Vodnjan ist einer jener Orte, wo sich "der Raub" nachzeichnen lasse. Die istrische Küste, von Umag abwärts von Werbeagenturen klingend "Riviera" genant, ist weitgehend so, wie die Naturgewalten sie geschaffen haben. Nur nicht mehr in kroatischen Händen, seit hier im Dezember 2000 Geschäftsleute im Schlepptau der Hypo auftauchten. Erst wurde das Ödland an der Küste günstig - der Quadratmeterpreis lag bei fünf Euro für die 374.000 Quadratmeter - an ausländische Investoren verkauft. Wenige Wochen später erfolgte die Umwidmung und damit verbundene Aufwertung in Bauland - die man mit einem anschließenden Verkauf zu barer Münze machte.
Hinter der "AB Maris", so hieß die Firma, die das Grundstück in Vodnjan erwarb, befand sich ein Geflecht von Stiftungen. Eine davon ist nach Detlef Neudeck, ehemals Nationalratsabgeordneter der FPÖ und deren Finanzchef, benannt. Eine weitere nach Andreas Adami. "Er war es auch, der die ganze Sache voranzog", erklärt Neudeck. Adami war für die Kleine Zeitung nicht erreichbar. Ein weiterer Eigentümer war der Klagenfurter Anwalt Gerhard Kucher. Auch für ihn gilt die Unschuldsvermutung, wobei Pilz im Fall Kuchers ein Treuhandverhältnis vermutet.
Jedenfalls blieb AB Maris nicht lange auf de Grundstück sitzen. 2003 wurde es mit sattem Gewinn verkauft. An schweizer Briefkastenfirmen, hinter denen Vertraute des ehemaligen istrischen Landeshauptmanns Stevoufic vermutet werden. Und die ebenfalls mit Hypo-Geldern gearbeitet haben sollen. "Wenn erst das Treugeberverhältnis von Kucher offen gelegt ist, ist auch klar, wohin das Geld geflossen ist", mutmaßt Pilz illegale Finanzierungen der FPÖ.
"Povidl", sagt Neudeck dazu. Klagen wird er Pilz dennoch nicht - wohl auch um die Besitzverhältnisse nicht offenlegen zu müssen.













