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Zuletzt aktualisiert: 27.08.2010 um 12:09 UhrKommentare

Hypo will Schadenersatz von Ex-Bossen

In den kommenden Wochen beginnt die Ende Dezember 2009 notverstaatlichte Kärntner Hypo Alpe Adria Bank, einstige Verantwortliche der angeschlagenen Bank mit Schadenersatzklagen einzudecken.

Hypo Vorstand Gottwald Kranebitter (Mitte) bei der Pressekonferenz

Foto © APA/PfarrhoferHypo Vorstand Gottwald Kranebitter (Mitte) bei der Pressekonferenz

Es ist sein letzter öffentlicher Auftritt im noblen Palais Equitable. Bankchef Gottwald Kranebitter präsentierte dort gestern die Bilanz der Hypo Group Alpe Adria für das erste Halbjahr 2010. Und sie sieht schlecht aus: Man schreibt fast eine halbe Milliarde Euro Verlust; Kredite im Wert von mehr als acht Milliarden gelten als faul; vor allem für Südosteuropa müssen neue Risikovorsorgen in der Höhe von 677 Millionen Euro getroffen werden. Ein Tropfen auf den heißen Stein: Das Stockwerkseigentum an dem Palais Equitable in allerbester Wiener Innenstadtlage, nur wenige Meter vom Stephansdom entfernt, wird so schnell wie möglich verkauft.

Dreistelliger Millionenbetrag

Ende Dezember 2009 wurde die skandalgebeutelte Kärntner Hypo in der Not verstaatlicht. Seit April hält Kranebitter das Ruder in der Hand. Im Juni gab es noch einmal Geld von der Republik - immerhin 450 Millionen Euro. Vor zwei Wochen wurde einer von Kranebitters Vorgängern, Wolfgang Kulterer, wegen des Verdachtes der Untreue festgenommen. Kommenden Montag steht dessen erste Haftprüfung an, es ist damit zu rechnen, dass er in U-Haft bleiben wird.

In dieser Situation kündigt Kranebitter Schadenersatzklagen gegen zunächst einmal fünf ehemalige Hypo-Verantwortliche an. Ob Kulterer unter diesen früheren Vorständen und Geschäftsleitern ist, will Kranebitter nicht sagen. Auch nicht, um wie viel Geld es genau geht. Nur so viel: Er hofft auf einen "gut dreistelligen Millionenbetrag". Und: "Uns ist es wichtiger, Schadenersatzforderungen mit überschaubaren Beträgen wirksam durchzubringen, als mit astronomischen Summen medial Aufmerksamkeit zu erregen", sagt Kranebitter. Bis Mitte nächsten Jahres hofft er, diesen Teil der Vergangenheitsbewältigung abschließen zu können.

Die rasante Expansion der Hypo unter Kulterer soll mit einer Verkleinerung der Gruppe bewältigt werden. Kranebitter will sich auf das Bank- und Leasinggeschäft und auf Südosteuropa konzentrieren. Dort habe man den Kundenstock halten, den Einlagenstand im ersten Halbjahr gar um 300 Millionen Euro erhöhen können. In Kroatien, Bosnien und Slowenien wachse das Privatkundengeschäft, in Serbien halte man sich wacker.

Die Märkte Italien und Montenegro will man aufgeben. Vor allem deshalb, weil Kranebitter damit rechnet, dass die EU-Beihilfenkommission die Hypo-Gruppe ohnehin mit dieser Auflage "bestrafen" werde. Über die Tochter in Montenegro will der Vorstand später aber eventuell noch verhandeln, schließlich sei ein "geschlossenes Netz in Südosteuropa" sinnvoll.

In dem laufenden EU-Beihilfeverfahren, das bereits 2008 eröffnet worden ist, liegt es im Moment an der Hypo und an der Republik, Fragen zu beantworten. Kranebitter sagt, er gehe nicht davon aus, dass die EU am Ende eine Zerschlagung der Hypo verlangen werde. Die Sanierung brauche Zeit. Er hofft, "dass wir am richtigen Weg sind, dass wir den Eigentümer in drei bis fünf Jahren in die Lage versetzen können, die Bank wieder zu privatisieren".

Ende 2011 über den Berg

Für Ende 2011 strebt Kranebitter wieder "die Null-Linie" an, denn: "Wir haben eine ausreichende Kapitaldecke", sagt er. Das sei auch der Grund, warum sich die Bank so schnell nicht wieder um Staatshilfe bemühen müsse, so Kranebitter. Der neue Hypo-Boss versichert: "Aus heuriger Sicht gehen wir davon aus, dass kein zusätzliches Geld notwendig sein wird." Leitartikel Seite 6

EVA WEISSENBERGER

KLEINE.tv

Analyse zum Styrian-Spirit-Urteil

Mit Schuldsprüchen und Haftstrafen von 2,5 bzw. 2 Jahren endete am Freit...Bewertet mit 4 Sternen

 

Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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