"Große Deals liefen über Klagenfurt"
Der Ex-Hypo-Kroatien-Chef Heinz Truskaller hält den Rechtsstaat für peinlich und sich für blauäugig. Oberste Politiker wurden über Besonderheiten in der Hypo informiert. "Nur wollte uns damals niemand zuhören", so Truskaller.

Foto © LESERREPORTER: SALCHINGERKroatien-Ansicht (im August 2010). "In Bezug auf Istrien hat uns der Vorstand außen vor gelassen"
Die CSI Hypo erklärte, dass bei ihren Ermittlungen immer wieder der Name Truskaller falle. Und zwar nicht nur Ihrer, sondern auch der Ihres Bruders, Erwin. Wurden Sie schon einvernommen?
HEINZ TRUSKALLER: Ich hätte gerne, dass mich die CSI Hypo oder die Sonderkommission befragt. Oder dass ich zumindest die Akten der Geschäftsfälle sehen könnte, die man mir vorwirft. Tatsächlich hat aber noch nie jemand von diesen beiden Gruppen mit mir gesprochen.
Es geht um Finanzierungen bei Unternehmen von Bruno Orešara, einem Ex-Tennisspieler und Unternehmer.
TRUSKALLER: Bei dem mein Bruder in einer seiner Firmen, konkret beim Steinbruch Jadrankamen, Geschäftsführer war. Ich weiß, worauf angespielt wird. Seien Sie sich sicher: Als mein Bruder dort Geschäftsführer wurde, haben wir die Finanzierungen für den Jadrankamen eingeschränkt und dann alle Verbindlichkeiten, die zuvor bei der Hypo Kroatien eingegangen sind, auf eine andere Bank umgeschuldet - um jede schlechte Optik zu vermeiden. Die CSI Hypo sollte sich lieber auf Projekte konzentrieren, wo angeblich hohe Millionenschäden entstanden sind.
Welche Projekte meinen Sie konkret und warum haben Sie Ihre Vermutungen nicht geäußert?
TRUSKALLER: Konkret und mit Sicherheit kann ich dazu nichts sagen, da die Bank, für die ich verantwortlich war, keine großen Projekte finanziert hat und auch keine großen Schäden aufweist. Faktum ist aber, dass einige Kollegen und ich selbst oberste Politiker von gewissen Besonderheiten in der Hypo informiert haben, diese zum Teil auch reagiert haben, etwa in Form von Fragen an mehrere Aufsichtsräte. Nur wollte uns damals niemand zuhören. Leider hat sich die Realität als noch viel schlimmer erwiesen, als wir es uns damals vorstellen konnten.
Wen haben Sie informiert?
TRUSKALLER: Dazu kann ich an dieser Stelle nichts sagen, eine der Personen ist noch im Amt. Nur: Damals, Jahre vor der Krise, hat sich aber niemand wirklich um mögliche Probleme oder Signale über Fehlentwicklungen gekümmert. Aber zurück zum Thema der Untersuchungsgruppen: Man spricht von einem Milliardenverlust und nach einem halben Jahr Ermittlung sitzt ein ehemaliger Vorstand wegen eines zwei-Millionen-Kredits an die Styrian Spirit und eines Privatkredits an einen Detektiven in Untersuchungshaft? Ich dachte immer, die Verluste entstanden durch Probleme im Treasury und durch Milliarden an Vorsorgen für faule Kredite. Das Ganze ist peinlich für den Rechtsstaat und die Institutionen.
Sie selbst sehen keine Verantwortung im Kroatien-Geschäft?
TRUSKALLER: Wir waren 1997 ein engagiertes und zugegeben blauäugiges Team, das die Hypo in Kroatien aufgebaut hat. Als die Bank dann immer größer wurde, beschränkte der Staat unser Wachstum. Die großen Deals liefen dann über Klagenfurt. Wir konzentrierten uns auf das Retailgeschäft. Natürlich gab es auch Betriebsmittelfinanzierungen im Umfeld von Projekten. Das wurde auch vom Aufsichtsrat (Vorsitzender war damals Wolfgang Kulterer, Anm. d. Red.) so gefordert. Aber um das Beispiel Istrien zu nennen: Da hat uns der Vorstand außen vor gelassen.
Gerüchte über Geschäfte am Rande der Legalität gab es ja auch in Kroatien!
TRUSKALLER: Ich war darum bemüht, eine funktionierende Bank aufzubauen. Mich beschäftigten Probleme mit der IT weit mehr als der Swap-Verlust. Die Großkunden wurden von Striedinger und Kulterer betreut. Kulterer kannte Sanader gut, erfuhr aus dessen Umfeld, wo sich Geschäftsfelder auftaten. Striedinger beschäftigte sich mit anderen Großkunden und Politikern. (Striedinger selbst bezeichnete etwa Ex-General Vladimir Zagorec als Großkunden, Amn. d. Red.) Er war es letztlich auch, der die Entscheidung traf, dass die großen Geschäfte eben nicht über die kroatische Bank laufen.
Ihre persönliche Hypo-Bilanz?
TRUSKALLER: Ich könnte wirklich ein ganzes Buch über die vorwiegend positiven Erfahrungen schreiben. Aber letztlich blieb mir bei meinem jetzigen Arbeitgeber eine Führungsposition verwehrt, weil immer diese Gerüchte aufkommen.













