Neuer "Kronzeuge" ist Ex-Treasury-Leiter Rauscher
Der frühere Prokurist berichtete im Fernsehen von "diskreten Geschäften" mit Geldkoffern Richtung Liechtenstein. Rauscher wurde schon 2007 in U-Ausschüssen in Wien und Klagenfurt vernommen.

Foto © APAEhemalige Treasury-Leiter der Hypo Alpe Adria Bank, Christian Rauscher
Die Identität des neuen "Kronzeugen" in Sachen Kärntner Hypo-Bank ist gelüftet: Bei dem Ex-Mitarbeiter des Instituts, der sich Freitagabend via Fernsehen gemeldet und frühere Vorstände belastet hat, handelt es sich um den ehemaligen Treasury-Leiter der Hypo Alpe Adria Bank, Christian Rauscher, berichteten "Österreich" und "Kleine Zeitung" am Sonntag. Obwohl sein Gesicht nicht gezeigt wurde, war die Identifizierung des Mannes für seine Ex-Kollegen ein Kinderspiel, schreibt die "Krone". Rauscher leitete von 1999 bis 2005 als Prokurist die Treasury-Abteilung in der Hypo, zur Zeit der damaligen Swap-Affäre der Bank.
Diskrete Geschäfte
Bei der von Finanzminister Josef Pröll (V) eingesetzten "CSI Hypo" zeigte man sich am Wochenende überrascht von den Aussagen, offenbar war Rauscher von den Ermittlern bis dato nicht einvernommen worden. In der ZiB2 am Freitagabend hatte Rauscher unter anderem von "diskreten Geschäften" mit Geldkoffern berichtet. Gelder aus Kroatien seien mit Learjets nach Klagenfurt geflogen und von dort weiter nach Liechtenstein transferiert worden. Drehscheibe sei das Schloss Freyenthurn nahe dem Wörther See gewesen, das die Hypo im Zusammenhang mit der Firmenpleite von General Partners "geerbt" hatte und in dem heute ein Nobel-Nightclub ("Babylon") untergebracht ist. Das Schloss wurde den Angaben Rauschers zufolge als diskrete Filiale benutzt: "Da hat es im Schloss einen Beratungsschalter gegeben und einen Tresor, bei dem Gelder ausgezahlt worden sind." Die Kunden seien diskret aus Italien und Kroatien angereist.
Kulterer habe Kontakt zu Ivo Sanader
Ex-Vorstandschef Wolfgang Kulterer soll, so die Aussage Rauschers im TV, den Kontakt zum damaligen kroatischen Regierungschef Ivo Sanader (HDZ) gepflegt haben. Kulterers Stellvertreter Günter Striedinger habe sich um General Vladimir Zagorec "gekümmert". Gelder aus Kroatien seien mit Learjets nach Klagenfurt geflogen und von dort weiter nach Liechtenstein transferiert worden. Der Zeuge: Für die Gelder aus Kroatien Richtung Liechtenstein sei "Abflug in Klagenfurt" gewesen, "ohne große Kontrollen konnte man da mitnehmen, was man wollte. Da war immer ein Vorstand mit dabei und ein Geldkoffer." Striedinger bestritt gegenüber dem ORF und auch gegenüber der APA die Teilnahme an Geldtransporten. Sein Anwalt Norbert Weiss betonte am Samstag in einer schriftlichen Stellungnahme, sein Mandant habe "in keinster Weise mit derartigen Praktiken" zu tun gehabt. Und Kredite an Zagorec seien stets im Rahmen von Gremialbeschlüssen erfolgt. Kulterer ist in U-Haft und nicht erreichbar.
Rauscher wurde, wie "Österreich" erinnert, bereits 2007 im Banken-Untersuchungsausschuss des Parlaments einvernommen - auch die APA berichtete damals ausführlich. Laut seinem Anwalt wurden 2007 gegen ihn eingeleitete Ermittlungen wegen Untreue nach langer Prüfung eingestellt. Auch im Prozess gegen Kulterer und Striedinger, die in der Swap-Affäre wegen Bilanzfälschung verurteilt wurden, musste Rauscher aussagen. Kulterer hatte von 1992 bis 2006 die Bank geleitet, er musste nach dem Auffliegen von nicht in der Bilanz verbuchten 328 Mio. Euro Swap-Verlusten im Sommer 2006 seinen Hut nehmen.













