Flick-Engagement wird durchleuchtet
Ermittler fürchteten, dass Kulterer nach England zieht. Wohnung stehe zum Verkauf.
Es war kein Zuruf aus Wien, auch nicht der mediale Druck, endlich tätig zu werden. "Es gab konkreten Anlass, Wolfgang Kulterer am Freitag festzunehmen", erklärt ein Mitglied der SOKO Hypo, das ungenannt bleiben will. "Alles deutete darauf hin, dass Kulterer sich dauerhaft in England ansiedeln will", erklärt ein Ermittler. Das Reitergut am Muraunberg - formal ein Leasingobjekt der Hypo - wurde vor wenigen Wochen veräußert. Auch seine Klagenfurter Wohnung, in deren Tiefgarage Freitag früh SOKO-Chef Bernhard Gaber und zwei weitere Beamte den Ex-Banker stellten, steht bereits zum Verkauf.
"Konkrete Tatbegehungsgefahr"
Doch neben der Fluchtgefahr sehen die Ermittler auch eine "konkrete Tatbegehungsgefahr". Mehr als zweieinhalb Jahre nachdem er aus jeglicher Funktion in der Hypo ausgeschieden ist? "Ja, es gibt schließlich eine prominente Kärntner Privatstiftung, in der Kulterer noch immer im Vorstand ist", spielt der Ermittler auf die Flick-Stiftung an. Kulterer ist einer von drei Vorständen. Die Ermittler schauen sich an, welche Handlungen Kulterer in dieser Funktion gesetzt hat. Ob es dabei um die bekannte Beteiligung der Flick-Stiftung als Kurzzeit-Investor an der Seite Tilo Berlins geht, oder um andere Sachverhalte, lassen die Ermittler offen.
2000 Personen untersucht
Aussagen, wonach die Ermittlungen der SOKO Hypo bisher nur mit mäßigem Erfolg laufen, hören deren Mitglieder - verständlich - nicht gerne. "Wir haben auch gestern wieder eine Reihe von Unterlagen und EDV-Dokumenten sichergestellt."
Neben Kulterers Wohnung wurde auch am Muraunberg Nachschau gehalten. Über die übrigen Orte, an denen am Freitag mehr als 80 Ermittler im Einsatz waren, sagt man nur, dass es "Privatwohnungen und Firmensitze" in Wien und Kärnten waren. Allerdings beginne mit den neuen Akten erst die Arbeit. "Man muss jeden Fall einzeln nachverfolgen." In Summe werden Geschäftsverbindungen der Hypo zu rund 2000 Personen (!) von den Ermittlern unter die Lupe genommen. "Und hier ist kein einziger Fall mit einem anderen vergleichbar."













