Sechs Millionen Euro für sechs Seiten Gutachten
Ein nun aufgetauchtes Schreiben von Dietrich Birnbacher an Jörg Haider und Josef Martinz liefert neue Hintergründe zum Hypo-Deal. Martinz bestreitet, den Brief je gesehen zu haben.

Foto © EggenbergerDietrich Birnbacher
I ch war gestern, am 14. Mai 2007 gemeinsam mit Herrn Dr. Ederer von der Grawe und Herrn Dr. Kulterer in München bei der Bayern-Landesbank und habe an den Verhandlungen über den Verkauf von Aktien der Hypo Bank International teilgenommen", beginnt Dietrich Birnbacher jenes Schreiben, das letztlich Basis seiner 12-Millionen-Euro-Honorarforderung wird. Auf sechs Seiten skizziert der Villacher Steuerberater seinen Auftraggebern Jörg Haider und Josef Martinz die Kernaussagen des Kaufvertrages, der ihnen zwei Tage später vorgelegt wurde.
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Neben Bestimmungen über die künftigen Verhältnisse im Aufsichtsrat und der Grundsätze des Syndikatvertrags hält Birnbacher - zur Sicherheit? - auch fest, dass "für ihn außer Streit steht, dass die unternehmerische Führung bei dem Mehrheitseigentümer liegt, der mehr als 50 Prozent am Unternehmen hält."
Berlin verhandelte Preis
Martinz hält fest, dass er dieses Schreiben nicht kannte. "Meines Wissens nach ging es persönlich an Jörg Haider." Dass er von Birnbacher im Brief direkt angesprochen wird, tut für ihn nichts zur Sache. "Ich war an diesen Tagen nachweislich in Lourdes", hält Martinz fest. Was war dann die Grundlage seiner Verhandlungen in München? "Mir wurde der fertige Vertrag vorgelegt, ich habe nichts anderes gebraucht." Birnbachers Honorar - nach dem "Patrioten-Rabatt" waren es sechs Millionen Euro - verteidigt Martinz weiterhin mit dem Hinweis auf den Verkaufserlös von 831 Millionen Euro. Die Summe wurde laut dem Birnbacher-Schreiben, das der Kleinen Zeitung vorliegt, übrigens von Knightsbridge Capital und Tilo Berlin verhandelt. Martinz Erklärung dafür: "Berlin hat ja auch verkauft."
Brisant ist die Passage, wonach das Land Kärnten bis zum Jahr 2014 eine Kapitalerhöhung unterbinden wollte. Birnbacher konnte diesen "verständlichen politischen Wunsch" nicht verhandeln. Dass man mit dieser Klausel die Landtagswahlen 2014 abwarten wollte, bestreitet Martinz. "Vielmehr ging es darum, dass das Land Kärnten an Wertsteigerungen, die bei einem etwaigen Börsegang möglich gewesen wären, partizipiert hätte." Laut Martinz spekulierte man also zu jenem Zeitpunkt, als man die Bank an die Bayern verkaufte, noch immer mit dem Börsegang.
Das "Ja" der Grawe-Versicherung zum Einstieg der Bayern wird aus dem Brief auch nachvollziehbar. Mit ihr wurde eine "Ausschließlichkeitsklausel für den Vertrieb der Versicherungen" vereinbart.
Dietrich Birnbacher sieht laut seinem Anwalt Richard Soyer keinen Anlass, den Brief öffentlich zu kommentieren.














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