Kranebitter: "Hypo ist kein Schnäppchenladen"
Der neue Chef der Kärntner Hypo blickt trotz der Probleme optimistisch in die Zukunft der Bank. In Kroatien gebe es "viel Schatten, aber auch viel Licht". Ab 2011 soll es schwarze Zahlen geben.

Foto © APA/EggenbergerGottwald Kranebitter, neuer neuer Vorstandschef der Hypo Group Alpe Adria
Seit Anfang April ist Gottwald Kranebitter neuer Vorstandschef der im Dezember 2009 notverstaatlichten Kärntner Bank Hypo Group Alpe Adria. Seither "sind die Nächte kurz und die Wochenenden nicht vorhanden", wie er im APA-Interview am Montag erklärte. Er habe sich inzwischen zwar schon einen guten Überblick verschafft, ganz bis zum Boden sei er aber noch nicht vorgedrungen. Kranebitter glaubt an die Sanierung des Geldinstitutes, ab 2011 sollen wieder Gewinne geschrieben werden.
APA: Die Deutsche Kreditbank hat etliche Millionen Euro an Sponsorgeld für den Kärntner Fußballklub an die Hypo in Klagenfurt überwiesen. Für die deutsche Justiz ist das Schmiergeld, werden Sie es zurückzahlen?
Kranebitter: Ich habe ganz am Anfang die Entscheidung getroffen, dass es eine saubere Abgrenzung zwischen der Aufarbeitung der Vergangenheit, die die Basis für die Zukunft der Bank ist, und der aktuellen Führung der Geschäfte geben muss. Das heißt, dass das Team unabhängig arbeiten muss, es hat dabei meine und unsere volle Unterstützung. Unabhängig heißt aber auch, dass ich mich nicht in Einzelfällen zu Wort melde.
APA: Sie sagen also gar nichts zu den zahlreichen Baustellen, etwa in Kroatien?
Kranebitter: Es gibt dabei auch eine ganze Reihe von aktuellen Kreditfällen, wie etwa das Projekt Skiper. Da müssen wir entscheiden, was wir tun, ob wir etwas abstoßen oder fertig finanzieren. Das wichtigste Anliegen dabei ist, dass die Bank kein weiteres Geld verliert. Große Kreditfälle sehe ich mir selbst an, ich war deshalb am Wochenende auch zum dritten Mal in Kroatien. Da gibt es natürlich viel Schatten, es gibt aber auch viel Licht. Besonders auffallend ist, dass bedeutende Kunden aus der Wirtschaft mir versichern, dass sie zu 100 Prozent hinter der Hypo stehen. Wir haben dort einen hervorragenden Ruf. Natürlich gibt es auch Problemfälle, die erfordern sehr viel Engagement, aber auch Zeit.
APA: Haben Sie ausreichend Zeit? Es hat ja seitens des Aufsichtsrates geheißen, die Hypo soll in drei Jahren verkauft werden.
Kranebitter: Zwischen Aufsichtsrat, Eigentümer und Vorstand passt kein Blatt. Wir haben eine klare Ausrichtung, über die Einigkeit herrscht. Bei allen Dingen gibt es einen richtigen Zeitpunkt, für den man eine profunde Einschätzung erstellen muss. Wenn der Punkt dann da ist, muss es einen kurzen, professionellen Verkaufsprozess geben. Wenn gewisse Dinge etwas länger dauern, dauern sie eben länger. Aber eines ist klar: Die Hypo ist kein Schnäppchenladen.
APA: Die EU-Kommission verlangt einen Verkauf der Italien-Tochter. Blutet Ihnen da nicht das Herz, immerhin ist die Hypo Italien sehr profitabel?
Kranebitter: Mir blutet das Herz nicht nur wegen der Profitabilität, da arbeiten gute Leute, das ist eine stabile Einheit. Aber es macht wenig Sinn, gegen Windmühlen zu kämpfen, wir werden Italien wohl abgeben müssen.
APA: Am Ende der Umstrukturierung wird die Hypo nur noch in Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien vertreten sein. Heißt das, 2015 gibt es eine Hypo mit 4.000 Mitarbeitern in fünf Ländern und 20 Milliarden Bilanzsumme?
Kranebitter: Ich teile diese Einschätzung, ohne die Zahlen im Einzelnen zu bestätigen, aber die Bank wird kleiner sein, als sie derzeit geografisch ist. In jenen Ländern, wo wir weiter aktiv sein werden, wird es auch Wachstum geben, denn wir wollen ja profitabel sein und dafür braucht es auch Wachstum.
APA: Wachstum war auch das Credo der vergangenen Jahre, mit den bekannten Folgen.
Kranebitter: Sie werden der Bank zubilligen, dass sie gelernt hat.
APA: Das Abstoßen von Geschäftsfeldern ist sicher auch mit einem Schrumpfen der Belegschaft verbunden. Es geistern viele Zahlen durch die Medien, wird es in Österreich heuer Personalabbau geben?
Kranebitter: Es stimmt, dass noch unter dem vorherigen Eigentümer BayernLB ein Programm ausgearbeitet worden ist, das bis 2013 einen Abbau von etwa 250 Mitarbeitern in Österreich vorsieht. Derzeit brauchen wir aber, etwa im Bereich der Kreditrisikovorsorgen, nicht weniger, sondern mehr Mitarbeiter. Ich sehe für 2010 in Summe keinesfalls einen Abbau. Den Mitarbeitern sage ich, dass Profitabilität mit Jobgarantie gleichzusetzen ist. Natürlich ist dafür auch Effizienz in allen Bereichen nötig, hier arbeite ich aber in Übereinstimmung mit dem Betriebsrat, der ein wertvoller Ansprechpartner ist.
APA: Bund und Land Kärnten haben bei der Verstaatlichung Kapitalspritzen zugesagt, der Bund 450 Millionen, das Land 200 Millionen. Ist das Geld schon geflossen?
Kranebitter: 50 Millionen vom Land waren ja bereits in der Bank, das Geld wurde Ende 2009 in PS-Kapital gewandelt. Das restliche Geld kommt bis Ende Juni. Die von der Grazer Wechselseitigen zugesagten 30 Millionen sind bereits da.
APA: Ihre Vorgänger haben beim Kommunizieren von Verlusten oder Kapitalbedarf stets gesagt, das sei es jetzt gewesen, da komme nichts mehr. Sind Sie sicher, dass die Kapitalspritze reicht, oder braucht die Hypo noch mehr Geld?
Kranebitter: Wir haben als neuer Vorstand die Möglichkeit, das Risiko anzusehen und tun das für den Halbjahresabschluss in einer großen Detailtiefe. Wir werden dem viel Aufmerksamkeit widmen und dann eine bessere Einsicht haben. Aus heutiger Sicht sage ich, es ist das erklärte Ziel, dass das reicht.
APA: Wann kommt die Hypo wieder in die Gewinnzone?
Kranebitter: Für 2010 ist kein Gewinn geplant, aber 2011 wollen wir wieder schwarze Zahlen schreiben, ebenso in den Folgejahren.
APA: In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie hoch Ihr Engagement in Griechenland sowie Spanien, Portugal und Italien ist?
Kranebitter: Unser Griechenland-Exposure ist sehr überschaubar, es liegt unter 100 Millionen Euro. Auch in den anderen drei Ländern sehe ich keine Gefährdung für die Bank, die Summen sind nicht sehr hoch.













