Wie Tilo Berlin Heidi Horten angeln wollte
Hortens Berater Hanno Burger-Scheidlin packt aus: Berlin wollte die Milliardärin am Hypo-Deal beteiligen. Doch Burger-Scheidlin bewahrte sie davor. Nun rechnet er ab und denkt an eine neue Kärntner Partei.

Foto © EggenbergerHanno Burger-Scheidlin: "Es brodelt. Ziel ist allenfalls eine neue Partei. Ich selbst habe keine Absichten"
So kann man mit Volksvermögen nicht umgehen. Man verkauft es und Milliardenhaftungen bleiben beim Land Kärnten picken!" Hanno Burger-Scheidlin wird hörbar zornig, redet er vom Verkauf der Kärntner Hypo an die BayernLB unter Jörg Haider. Ein Justizfall, den die Staatsanwaltschaft München II untersucht und in den man im Frühjahr 2007 Burger-Scheidlin mit hineinziehen wollte. Sowie auch noch seine prominente Klientin Heidi Horten. Denn der Klagenfurter Rechtsanwalt ist zugleich der persönliche Berater der Milliardärin Heidi Horten und hat somit großen Einfluss auf ihre Geldangelegenheiten.
Angebot abgelehnt
So wie andere Wörthersee-Magnaten sollte auch die reichste Frau Österreichs beim Hypo-Deal mitmachen und mit einer fetten Rendite belohnt werden. "Tilo Berlin hat mir angeboten, mit einzusteigen. Man trat an mich heran, ob ich Investoren hätte", berichtet Burger-Scheidlin, "aber ich habe abgelehnt. Da bin ich nicht dabei." Und nicht nur er sagte damals ab. "Heute sind mir viele dankbar, dass ich ihnen damals abgeraten habe, dass sie bei so etwas mitmachen."
Berlin wollte am Mittwoch den Vorgang nicht kommentieren, dementierte ihn aber nicht. Den Verkauf der Hypo-Anteile zog Berlin damals mit anderen, nicht minder prominenten Investoren sowie der BayernLB und ihrem Ex-Chef Werner Schmidt auf der anderen Seite durch. Gegen Schmidt und Berlin ermittelt die bayerische Justiz wegen eines mutmaßlich zu hohen Kaufpreises. Tatkräftige Mithilfe leistete die Kärntner Politik. Der damalige Landeshauptmann Jörg Haider und ÖVP-Obmann Josef Martinz engagierten sogar privat den später mit einem Millionenhonorar belohnten Steuerprüfer Dietrich Birnbacher, um den Deal geheim vorzubereiten
"Hochpolitischer Verkauf"
"Das war ein hochpolitischer Verkauf. Jede Putzfraustelle wird ausgeschrieben, Volksvermögen aber nicht", prangert Burger- Scheidlin an, dass die Hypo ohne Ausschreibung verkauft wurde. "Man hat die Assets verkauft, aber die Milliardenhaftungen sind beim Land geblieben."
Als der geplante Hypo-Verkauf vor exakt drei Jahren, am Christi Himmelfahrtstag 2007, von Haider und Martinz bekannt gemacht wurde, war Burger-Scheidlin "strikt dagegen." In Politik und Bankenszene hat er Kräfte mobilisiert und brachte Martinz hart in Bedrängnis. Denn Burger-Scheidlin war zehn Jahre lang Finanzreferent der Kärntner ÖVP und ist bis heute gewichtiger Parteigrande im Hintergrund.
Damals Beteiligte bestätigen, "dass Burger-Scheidlin den Widerstand gegen den Deal organisierte". Wenige Tage, bevor Haider und Martinz den Deal bekannt gaben, gab Burger-Scheidlin auf einer Hochzeitsfeier im Kreis mehrerer Investoren dem Berlin-Angebot eine Abfuhr: "Ich bin zu alt und zu reich für so ein Risiko", wird er zitiert. "Eine Unterstellung", sagt er. Die Geschichte gab ihm recht. Haider und Martinz zogen mit Berlin, Schmidt und den bayerischen CSU-Kalibern den Deal im Eiltempo durch, das Ergebnis ist inzwischen europaweit bekannt. Hypo wie Land Kärnten sind finanzielle Rettungsfälle.
"Macheloikes mit System"
"Die Hypo ist kein Opfer der Bankenkrise. Schuld an ihrem Zustand sind ihr rasches Wachstum ohne Eigenkapital und Macheloikes mit System auf dem Balkan", analysiert der international tätige Sanierungsexperte Burger-Scheidlin. Seine Analyse für die Landespolitik fällt kaum besser aus. "Fünf, sechs Leuten ist es gelungen, die Bank zu ruinieren, aber auch das Land Kärnten finanziell und imagemäßig schwer zu schädigen. Zwischen Österreich und Kärnten ist eine Mauer entstanden", sieht er das Land isoliert. Jetzt fordert Burger-Scheidlin eine "klare Aufarbeitung des Hypo-Skandals im Sinne der Steuerzahler." Vom Hypo-Untersuchungsausschuss im Landtag erwartet er sich allerdings "null Ergebnis". Weil er keine Zwangsmaßnahmen setzen kann, werde der Ausschuss von Beschuldigten "nicht ernst genommen und zum Kasperltheater degradiert. Das ist sinnlose Zeitverschwendung." Umso mehr Hoffnung setzt er in die Justiz - und in ein neues Politik-Bewusstsein in der Bevölkerung.
"Neue Partei"
Bei den führenden Landespolitikern fehlt ihm "die Selbsteinschätzung für Kärnten. "Sie haben bei der Hypo die Steuerzahler zur Kasse gebeten und sie am Tag nach der Verstaatlichung auch noch verhöhnt. Sie haben die Jugend des Landes verschuldet und ihr die Vision genommen." Immer mehr Kärntner würden jetzt aber sagen, "wir lassen uns das nicht mehr gefallen". Durch die jetzt hervorsprießenden Plattformen sei eine neue Bewegung da. "Es brodelt", so Burger-Scheidlin, der weiter plant: "Ziel ist allenfalls eine neue Partei." Und zwar "für Leute, die sich politisch nicht mehr mit den Führenden identifizieren und die einen konstruktiven Weg für Kärnten gehen wollen".
Schlüssel-Person
Ein Kernproblem sieht er dabei noch: "Erfolg hat das aber nur, wenn man die Key-Person findet." Also eine Schlüssel-Person an der Spitze, die "vertrauenswürdig ist und über Kärnten hinaus Kontakte nach Wien hat, die sanierungsorientiert ist und die der Jugend und Investoren eine Vision für Kärnten gibt." Wer das sein kann? Burger-Scheidlin: "Ich selbst habe keine persönlichen Absichten."













