Ex-Hypo-Vorstand belastet: "Ein voraus abgemachter Deal"
Verkaufte die Hypo ihre Consultants-Sparte zu günstig? Wurden Projekte geschönt dargestellt? Ein Ex-Manager belastet Günther Striedinger vor der Staatsanwaltschaft.

Foto © EggenbergerSteht erneut im Fokus der Hypo-Affäre: Ex-Vorstand Günther Striedinger (Mitte)
Es sind harte Vorwürfe, die ein ehemaliger Hypo-Manager Anfang Februar vor der Staatsanwaltschaft zu Protokoll brachte. Von "problematischen Finanzierungen" und "voraus ausgemachten Geschäften" spricht der ehemalige Manager der Consultants-Sparte, die für das Immobilien- und Liegenschafts-Investment zuständig war. Und immer wieder taucht dabei der Name Günter Striedinger auf.
Am 1. Jänner 2004 trat Martin W. die Stelle als Geschäftsführer der Hypo Consultants GmbH an. Eine seiner ersten Wahrnehmungen: "Die Hypo hat problematische Kredite in die Consultants ausgelagert." Als Beispiel nennt W. die Geschäftsbeziehung zur Singulus d.o.o. in Kroatien. "Die Hypo hatte dem ursprünglichen Anteilshalter dieser Gesellschaft einen Kredit gewährt - zum Kauf dieser Gesellschaft. Das gesamte Vermögen, das hinter dieser Gesellschaft stand, war eine Liegenschaft. Wirtschaftlich betrachtet hat man damit diese Liegenschaft finanziert", gab W. vor der Staatsanwaltschaft an.
Doch im Protokoll, das der Kleinen Zeitung exklusiv vorliegt, führt W. noch weitere Details an. "Der Kredit umfasste circa 2,5 Millionen Euro. In weiterer Folge wurde offenbar, dass der ursprüngliche Kreditnehmer den Kredit nicht mehr bezahlt hat. (. . .) Striedinger ordnete an, diese Liegenschaft um circa zehn Millionen Euro zu erwerben. Käufer war die Hypo Consultants Österreich. Er hat dieses Geschäft als lukrativ dargestellt." Letztlich wurde das Projekt trotz aufrechter Baubewilligung nicht realisiert. "Die zugrunde liegende Planung war so schlecht, dass sie gänzlich neu durchgeführt werden musste."
Zu geringer Kaufpreis
Zudem legt W. vor den Ermittlern auch offen, dass zu seiner Zeit zumindest die Kommunikation und Organisation innerhalb des Finanzkonzerns im Argen lagen. "Wir von der Consultants haben erst nach Kaufabwicklung die Unterlagen betreffend dieses Projektes erhalten und gesehen, dass dieses Projekt vollkommen umgeplant werden musste, um es marktfähig zu machen." Günther Striedinger - wenngleich staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ihn laufen, gilt für ihn die Unschuldsvermutung - wollte sich zu den Anschuldigungen des ehemaligen Managers nicht äußern. "Mein Mandant wird nicht Stellung nehmen", ließ sein Anwalt Hannes Arneitz ausrichten.
Die Vorwürfe gegen Striedinger reichen allerdings noch weiter. 2006 wurde die gesamte Consultants-Sparte verkauft. Hinter der Käufer-Gesellschaft Auctor d.o.o. soll laut W. niemand anderer als Damir Farkas gestanden haben, der damalige Geschäftsführer der Consultants Kroatien. Über den Kaufpreis wurde bei Vertragsabschluss im März 2007 Stillschweigen vereinbart. W. dazu: "Ich hörte, dass der Verkaufspreis 20 Millionen Euro betragen hat. Man hätte mit Sicherheit damals das Zwei- bis Dreifache erzielen können." Warum es nicht dazu gekommen sei: "Meines Erachtens handelt es sich dabei um einen voraus ausgemachten Deal. Bessere Bieter waren Fonds aus dem Ausland."
Seitens der Hypo bestätigt man, dass Farkas unter den Käufern war. "Mehr können wir derzeit noch nicht sagen", so Leo Grötschnig, Rechtsanwalt der Hypo. Alle Akten wurden der Staatsanwaltschaft übergeben, man prüfe nun intern, ob strafrechtlich Relevantes vorliege.













