Ringen um Hypo-Anteil am Nassfeld
Die Hypo will ihren Drittel-Anteil bei Nassfeld-Seilbahnen verkaufen. Tirols Liftkaiser Heinz Schultz will zugreifen. Die Nassfeld-Pioniere Arnold Pucher, Herzog & Co. haben aber alle Trümpfe.

Foto © kk/WinklerArnold Pucher und die anderen Nassfeld-Pioniere wollen sich nicht ausbooten lassen
Ein Geld- und Machtpoker blüht um die Vorherrschaft über Kärntens größtes Seilbahn-Imperium: Es geht um die Mehrheit auf dem Nassfeld, dem modernsten und ausgedehntesten Schigebiet im Land. Die Hypo Group Alpe Adria macht nämlich mit ihren Ankündigungen, bankfremde Geschäfte abzugeben, Ernst. Schon 2008 hat sie in Tröpolach ihre Anteile am Hotel Carinzia an die Falkensteiner-Gruppe veräußert. Nun steht ihr 30-Prozent-Anteil an der Nassfeld Pramollo Bergbahnen AG zur Disposition. Einen Interessenten hat das für die Hypo tätige Beratungsunternehmen Ernst & Young auch schon: den Zillertaler Liftkaiser Heinz Schultz.
Duell Pucher - Schultz
Für die Nassfeld-Pioniere Arnold Pucher, Christof Herzog und weitere bodenständige Unternehmer und Grundeigentümer käme eine Übernahme von außen nicht infrage: "Wir haben hier 48 Jahre lang das Schigebiet aufbaut und entwickelt. Da steckt unser Leben drin", macht Arnold Pucher klar, dass er mit der Nassfeld-Interessensgemeinschaft auch weiter das Sagen auf dem Nassfeld behalten will.
"Ich denke nicht an eine feindliche Übernahme", beteuert der Hochzillertal-Seilbahn-Boss Schultz, der in Osttirol massiv in Matrei und Kals investiert hat und in Kärnten bereits den Mölltaler Gletscher und den Ankogel zu seinem Seilbahn-Imperium zählt. Er denke eher an "eine Partnerschaft, in der wir gemeinsam etwas bewegen".
Die Einheimischen hingegen sehen das Nassfeld gut aufgestellt und daher keinen Grund für einen fremden Investor. "Ich bin mit Schultz sehr gut und wir arbeiten beim Top Ski Pass sehr gut zusammen. Aber wenn wir Kärntner nach Tirol gingen und uns ein Schigebiet aussuchen würden, um uns dort hineinzusetzen, würde man uns mit nassen Fetzen davonjagen", legt Pucher ein Veto ein.
Vorkaufsrechte
Pucher, Herzog & Co. haben dabei alle Trümpfe in der Hand. "Die Aktien der Hypo sind vinkulierte Namensaktien. Ohne uns können sie nicht verkauft werden und wir haben das Vorkaufsrecht", betont Pucher für die Nassfeld-Interessensgruppe, die 33 Prozent Anteile hält. Ebenfalls 33 Prozent hat das Land Kärnten und drei Prozent der Ex-Hypo-Miteigentümer Grawe. Zwei Sitzungen hat es bereits in der Landesregierung in Klagenfurt gegeben - mit Uwe Scheuch und Harald Dobernig für das Land, Pucher, Schultz sowie Hypo-Vertretern. Ein Ergebnis gab es nicht, aber wie immer es aussieht, an Pucher & Co. kann auf dem Nassfeld niemand vorbei. Die Hypo lehnt jede Stellungnahme zu dem Thema Anteileverkauf ab.
Wer das Sagen hat
"Wenn die Seilbahngesellschaft Kopfweh hat, ist das bedenklich für die ganze Region", warnt Pucher, der aber beruhigt: "Gegen uns kann keiner etwas unternehmen." Denn die Satzungen der Nassfeld-Bergbahnen verlangen für alle wichtigen Beschlüsse 75,1-Prozent-Mehrheiten. Jeder mögliche Käufer von Hypo- oder Landesanteilen müsste sich mit den Drittel-Eigentümern vom Nassfeld arrangieren. Vor allem mit Pucher, der in der Interessensgemeinschaft die Mehrheitsanteile, also das Sagen hat.
"Ich weiß, dass es Vetorechte gibt. Wir haben noch kein verbindliches Angebot für die Nassfeld-Anteile der Hypo abgegeben. Ich schätze Pucher als Unternehmer und würde eine Partnerschaft als Chance für alle sehen", sagt Heinz Schultz.
Für Pucher ist das Nassfeld "eine Erfolgsgeschichte. Und zwar auch eine der Hypo, die ohne Wolfgang Kulterer nicht denkbar gewesen wäre". Auch das Land hätte nicht nur geholfen, sondern ebenfalls profitiert. "Für gewährte Kredite hat es jährlich fünf Prozent Zinsen von uns bekommen." Für die gewaltige 32-Millionen-Euro-Investition in die Millenniums-Talbahn zahlt die Nassfeld Pramollo Bergbahnen AG jährlich drei Millionen Euro Zinsen. "In sechs Jahren sind wir schuldenfrei. Der Firma geht es gut", erklärt Pucher.













