Bestechungsfall "FC BayernLB"?
Die Bayern sollen bei Preis und Kaufvertrag für die Hypo voll eingeschaut haben. Jetzt stehen sie auch noch in Verdacht der Haider-Bestechung.

Foto © RaunigHaider und Schmidt beim "Signing" - Gab es eine Fußball-Absprache?
Ein 23-Seiten-Vertrag reicht offenbar, um eine Bank zu verkaufen. Der vor wenigen Tagen via "profil" publik gewordene Kaufvertrag zwischen der BayernLB und der Kärntner Landesholding für den Erwerb von Hypo-Anteilen des Landes und der Investorengruppe Tilo Berlins wurde in Bayern mit Kopfschütteln aufgenommen. In dem Vertrag hat die BayernLB auf so gut wie alle Nachforderungen für später auftauchende Problemfälle in der Hypo verzichtet. Es ist eine weitere Schmach für die Bayern, die sich auch beim Kaufpreis "gelegt" fühlen.
Die Staatsanwaltschaft München ermittelt ja gegen den Ex-BayernLB-Vorstand Werner Schmidt und weitere Verdächtige, sie hätten die Hypo um 400 Millionen Euro zu teuer gekauft. Der damalige BayernLB-Aufsichtsratschef und Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) nannte in der Vorwoche den Hypo-Kauf "eine Fehlentscheidung, wie bei Mercedes der Kauf von Chrysler eine Fehlentscheidung war". Er selbst habe "nach bestem Gewissen gehandelt", wand sich der CSU-Mann.
Die Vorstände der Kärntner Landsholding, Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander, wiesen darauf hin, "dass die BayernLB zwischen der Vertragsunterfertigung, dem "Signing", am 22. Mai 2007 und dem tatsächlichen Vertragsabschluss, dem "Closing", am 9. Oktober 2007 fast fünf Monate Zeit gehabt hätte für ihre Due-Diligence-Prüfung und einen Ausstieg. Ein Insider meinte gestern sarkastisch: "Augen auf, Kauf ist Kauf."
Inzwischen ermittelt die Justiz aber auch, ob es zwischen Ex-BayernLB-Boss Schmidt und dem verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider Nebenabsprachen gegeben hat, dass die BayernLB für den Hypo-Kauf auch ein Fußballsponsoring hätte springen lassen müssen. Die Staatsanwaltschaft München bestätigte der Kleinen Zeitung diesen Korruptionsverdacht. "Es kommt noch dicker. Die BayernLB soll Jörg Haider bestochen haben", beklagte die Süddeutsche Zeitung.
Schon vor einer Woche hatte dazu eine Razzia in Berlin bei der DKB stattgefunden. Bei der Internet-Bank der BayernLB, die sonst Eisschnellläufer und Biathleten sponsert, suchte man Fußballsponsor-Spuren, die Schmidt selbst in Vernehmungen angegeben haben soll. Man prüft auch, ob Geld direkt an Pasching für die Lizenz des SK Austria Kärnten gegangen sei, womit Haiders Retortenklub buchstäblich ein "FC BayernLB" wäre. Laut Süddeutsche Zeitung sagt ein ehemaliger Pasching-Manager, seines Wissens sei für die Lizenz kein Geld aus dem Hypo-Sponsorvertrag für das Stadion verwendet worden. Floss also Geld direkt aus Deutschland an den Abstiegsklub? Gegen den verstorbenen Haider wird natürlich nicht ermittelt. Im Visier steht wieder BayernLB-Chef Schmidt. Für ihn gilt die Unschuldsannahme.













