"Müssen Hypo aus den Schlagzeilen bringen"
Der neue Aufsichtsratschef der Kärntner Hypo, Johannes Ditz, über seine Ziele, Pflichten gegenüber dem Steuerzahler und Vorstellungen über die Sanierungsdauer.

Foto © APAJohannes Ditz
Herr Ditz, Sie hatten schon viele Jobs, waren aber noch nie Banker. Fühlen Sie sich wohl in der neuen Rolle als Aufsichtsratspräsident der nun verstaatlichten Kärntner Hypo?
Johannes Ditz: Das ist nicht ganz richtig. Im herkömmlichen Sinn war ich nicht Banker, aber Vize-Aufsichtsratschef in der P.S.K., weshalb mir das Bankgeschäft nicht fremd ist. Wir haben die P.S.K. privatisiert. Ich kenne daher Strategieentwicklung einer Bank und fürchte mich nicht, sonst hätte ich das nicht gemacht.
Sie sind ÖVP-Politiker, Ihr Vize Rudolf Scholten gehört zur SPÖ. Ist dieser Proporz bei Sanierungen plausibel zu machen, vertretbar?
Johannes Ditz: Ich bin seit zehn Jahren nicht mehr Politiker sondern im Management und anderen Funktionen. Ein früheres Ministeramt kann kein Ausschlussgrund sein. Im Gegenteil, da lernt man viel. Scholten ist dabei, weil er Export- und Bankfachmann ist und nicht, weil er Unterrichtsminister war.
Welchen Auftrag haben Sie vom Finanzminister bekommen?
Johannes Ditz: Es war ganz entscheidend, dass mit dem Eigentümer klargestellt wurde, dass es nicht um die Vergangenheit geht, sondern darum, das Unternehmen rasch in geordnete Bahnen zu bringen und die Entwicklung einer zukunftsträchtigen Geschäftsstrategie. Die Vergangenheit ist Thema der Staatsanwälte.
Müssen Sie nicht aufräumen?
Johannes Ditz: Aufräumen ist der falsche Begriff. Wir, Aufsichtsrat und Vorstand, brauchen Kontinuität bei Geschäftsbeziehungen, müssen die Eigentümer-Interessen vertreten und einen klaren Neustart machen.
Wie wollen Sie die Politik künftig aus der Hypo heraus halten?
Johannes Ditz: Gerade im Krisenfall, das haben wir oft gesehen, ist die Politik nicht interessiert, bei operativen Dingen zu intervenieren.
Sie haben angekündigt, die Hypo zurückfahren und später die 1,3 Milliarden der Steuerzahler wieder zurück holen zu wollen.
Johannes Ditz: So habe ich das nicht gesagt. Eine Ferndiagnose wäre auch nicht sinnvoll. Aber ich sehe schon die Verpflichtung gegenüber dem Steuerzahler. Wir müssen alles daran setzen, rasch wieder in die Ertragszone zu kommen und dann ein Konzept zu entwickeln, um den Staat als Eigentümer wieder abzulösen.
Wie lange wird dies dauern?
Johannes Ditz: Wunder gibt es nicht über Nacht. Ich sehe eine Drei-Jahres-Perspektive als Minimum.
Soll die Hypo in eine "gute" und "schlechte Bank" zerlegt werden?
Johannes Ditz:Das war eine Variante bei der Kommunalkredit. Ob sie bei der Hypo vernünftig ist, ist offen. Das muss man erst analysieren.
Geht die Hypo an die Börse?
Johannes Ditz: Davon ist sie meilenweit entfernt. Sinnlos, sich festzulegen.
Wer wird die Bank führen, wie groß wird der Vorstand sein?
Johannes Ditz: Auch das muss erst im Aufsichtsrat besprochen werden.
Aber Sie wissen die Antwort doch längst, nicht wahr?
Johannes Ditz: Ich habe Vorstellungen, noch keine fixen und werde jetzt gar nichts ausrichten.
Wann wird das klar sein?
Johannes Ditz:Johannes Ditz:Stellenausschreibungsgesetz und andere Dinge. Keine Festlegung, alles Schritt für Schritt.
Wie oft werden Sie künftig in Kärnten sein?
Johannes Ditz:Ich glaube schon, dass wir auch Aufsichtsratssitzungen in Kärnten haben werden. Wir werden auch in Wien zusammen treffen, um vor allem anfangs rasch handeln zu können.
Wird das ein Vollzeitjob?
Johannes Ditz:Nein, aber ich werde Zeit frei schaufeln müssen. Wir müssen rasch in die Normalität kommen, die Hypo aus den Schlagzeilen bringen und dem Management wieder gewisse Sicherheit geben.
Features
Ziele
Ditz will, dass das aktuelle Management der im Dezember notverstaatlichten Bank mit Franz Pinkl an der Spitze vorerst weitermacht. Man brauche im Unternehmen sowohl Kontinuität als auch Neuanfang. Ziel sei, dass das investierte Staatsgeld wieder zurückgezahlt werden könne, SO Ditz Freitag im Ö1-"Morgenjournal".
Erfolgskurs
Der ehemalige ÖVP-Wirtschaftsminister Johannes Ditz, der den Aufsichtsrat der Hypo Group Alpe Adria gemeinsam mit dem ehemaligen SPÖ-Wissenschaftsminister Kontrollbank-Chef Rudolf Scholten führen soll, wolle die Bank möglichst rasch wieder auf Erfolgskurs bringen.
Zur Person
Johannes Ditz, geboren am 22. Juni 1951 in Kirchberg am Wechsel.
Karriere:
Studium der Volkswirtschaft in Wien, danach u. a. Nationalrat, Staatssekretär für Finanzen, Wirtschaftsminister, Aufsichtsratschef Estag.
Hypo-Aufsichtsrat
Außer Ditz und Scholten gehören dem neuen Hypo-Aufsichtsgremium auch Helmut Draxler und Alois Steinbichler an.













