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Zuletzt aktualisiert: 12.01.2010 um 20:01 UhrKommentare

Causa Hypo: Bayerisches "Harakiri in den Alpen"

Staatsanwaltschaft schweigt zu Berlins-Einvernahme. Prüfer-Dokumente zeigen: Bayern wussten um hohe Risken.

Tilo  Berlin

Foto © KLZ/ Helmuth Weichselbraun (Archivbild)Tilo Berlin

Das Dienstgebäude der Staatsanwaltschaft München I in der Linprunstrasse 25 ist ein monolithischer Glas-Beton-Klotz. Schon die düstere Eingangshalle ist furchteinflößend. Etliche hochgestellt Herren aus Bayern und Kärnten müssen da demnächst mit Knieschlottern durch. "Es gibt zahlreiche angezeigte Personen. Auf der Liste stehen zig Namen drauf", erzählt Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger in ihrem Büro. Ob Tilo Berlin eben noch im Haus ist, verrät sie nicht. "Kein Kommentar." Immerhin lässt sie durchblicken, dass an diesem Tag Schwerwiegendes herauskommen kann: "Am Abend haben wir eine Besprechung. Morgen können wir mehr sagen."

Keine Stellungnahme gab Tilo Berlin ab, der von der Staatsanwaltschaft einvernommen wurde. Als Zeuge, nicht als Beschuldigter. Noch immer ist Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt der einzige namentlich gemachte Untreue-Verdächtige des Hypo-Deals der Bayern und der Berlin & Co-Gruppe. Oberstaatsanwältin Stockinger schließt nicht aus, dass es bald mehrere sind: "Wir sagen es zu gegebener Zeit."

"Wie eine fette Gans"

An Münchens Zeitungsständen ist die Frage der Ermittler, ob die Bayern die Hypo 2007 um 400 Millionen Euro zu teuer gekauft haben, bereits beantwortet: "Der frühere Landeshauptmann Jörg Haider hat die Bayern ungeniert ausgenommen", sieht die Süddeutsche Zeitung die BayernLB durch Hypo-Kaufpreis und Nachschüsse von zusammen 3,7 Milliarden Euro "systematisch" gerupft "wie eine fette Gans".

"Dank bayerischer Millionen" sei Kärnten "ein gesegnetes Land" mit Führerschein-Tausender und Gratiskindergarten. Dass die Bayern die schon vorher skandalgeschüttelte Hypo vor dem Kauf ausreichend geprüft hätten, glaubt in München niemand. Die Süddeutsche sieht sieht ein bayerisches "Harakiri in den Alpen".

Tatsächlich haben die Bayern die Hypo im Mai 2007 im Eiltempo geprüft. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, die einen 180-Seiten-Bericht anfertigten, warnten, dass sie die Einschaufrist in den Hypo-Datenraum von 15 Tagen "für eine Transaktion dieser Größenordnung nicht für sachgerecht halten".

"Streng vertraulich"

Der Kleinen Zeitung liegen zwei Teilberichte aus der "Due Diligence" von Ernst & Young vor. Mit dem Hinweis "Streng vertraulich" beurteilen die Prüfer in einem 23-Seiten-Teilbericht die Bank-, Leasing- und Immobilienbeteiligungen der Hypo, in denen ausführlich auf Risiken hingewiesen wird. Innehalb der rund 300 Hypo-Gesellschaften stießen die Prüfer auf eine Vielzahl von gegenseitigen Garantien von insgesamt 611 Millionen Euro. "Wir halten eine detailierte Prüfung und Offenlegung für erforderlich", befanden die Prüfer.

Den Umfang der haftungsbeziehungenn im konzern befand man "nicht vollständig transparent". Die Beurteilung der Länderbanken fiel differnziert aus. Während bei der Hypo in Bosnien "ein überdurchschnittlich hoher anteil an Problemkrediten" geortet wurde, befand man bei der Hypo Österreich die Vermögens- und Finanzlage als "geordnet, die Ertralsage ist befriedigend". Allerdings stieg die Risikovorsorge bereits 2006 überproportional.

ADOLF WINKLER

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Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

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Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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