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Zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 um 21:08 UhrKommentare

Kika-Seniorchef Koch weist Vorteilsnahme von sich

"So etwas bekommt man nur einmal im Leben" sagt Herbert Koch zum Kauf einer Hypo-Immobilie am Wörthersee. Eine Umwidmung braucht er auch noch.

Die Seevilla von Kika/Leiner Seniorchef Herbert Koch

Foto © APADie Seevilla von Kika/Leiner Seniorchef Herbert Koch

Beste Uferlagen, abseits von Verkehr und Touristenrummel: Die Wörthersee-Grundstücke in der Pörtschacher Ortschaft Pritschitz sind allerfeinste Adressen. Herbert Koch residiert mit seiner Familie schon länger dort, jetzt hat der Kika/Leiner-Seniorchef das Nachbargrundstück dazu gekauft. "So etwas bekommt man nur einmal im Leben", gibt er zu verstehen, wenngleich er einräumt: "Die Optik ist nicht schön, aber das werde ich aushalten."

Tatsächlich ist die Optik katastrophal. Denn der gebürtige Kärntner Koch war mehrere Jahre Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo Alpe Adria, und der Verkäufer des Grundstücks ist die Hypo-Tochtergesellschaft KHBAG. "Ich bin seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr Hypo-Aufsichtsrat", weist Koch jede Nähe oder Vorteilsnahme zurück. Dass der Deal mitten in den größten Hypo-Troubles und kurz vor der Not-Verstaatlichung der Bank ablief, brachte Koch ebenso ins Kreuzfeuer, wie der Kaufpreis von 7,5 Millionen Euro für das 5732 Quadratmeter große Grundstück, auf dem die stillgelegte Pension "Seevilla" steht.

Vergleich mit Glock

Ein Nachbargrundstück in Pritschitz hatte die Gattin des Waffenproduzenten Gaston Glock, Hilde Glock, laut Koch um 8,4 Millionen Euro gekauft, "aber das war um mehrere hundert Quadratmeter größer und hatte keine einschränkende Widmung." Denn Kochs Grundstück ist als "Bauland Kurgebiet rein" gewidmet und darf daher derzeit nur gewerblich genutzt werden. Laut Experten mindert das den Wert. "Die Bauten sind eine Ruine. Wenn wir sie abreißen und neu bauen wollen, muss ich erst zum Bürgermeister gehen wegen einer Umwidmung", kocht Koch vor Zorn über Anwürfe, er hätte ein Schnäppchen gemacht.

Finanzminister Josef Pröll als oberster Hypo-Eigentümervertreter hat jedenfalls die Unterlagen des von Ernst & Young begleiteten Bieter- und Verkaufsprozesses angefordert. "Unsere Juristen sagen, auf den ersten Blick schaut das in Ordnung aus", sagte gestern Pröll-Sprecher Harald Waiglein zur Kleinen Zeitung. Demnach habe die KHBAG ein Wertgutachten aus drei Blickwinkeln erstellt: Einem Schätzgutachten mit 4,4 Millionen Euro Mindestwert, Makler-Schätzungen wonach Seegründe bei rund 1200 Euro pro Quadratmeter liegen, sowie vorherige Angebote. "Sie lagen zwischen 6,2 und 7,8 Millionen Euro, bei letzterem war die Finanzkraft des Bieters zweifelhaft", so Waiglein. "Ein 13-Millionen-Angebot gab es nie."

"Kein Schnäppchen"

Fazit: Koch hat zu einem Quadratmeterpreis von 1308 Euro gekauft. "Das ist ein angemessener Preis und kein Schnäppchen oder gar verschleudert", meinen Alexander und Alfred Tischler von der auf Nobelvillen am Wörthersee spezialisierten Maklerfirma ATV-Immobilien. Selbst den Vergleich mit dem Glock-Quadratmeterpreis von 1366 Euro halte der Koch-Erwerb stand. "Auf Glocks Grund steht eine top-sanierte Villa mit Wörthersee-Architektur, Koch muss fürs Abreißen der alten Pension 200.00 Euro dazu rechnen", so ATV. "Im letzten Sommer sind noch viel schönere Lagen am Wörthersee mit 1000 Euro Quadratmeterpreis verkauft worden."

"Wörthersee Goldes wert"

Seit Sommer würden die Preise wieder ansteigen, in Zukunft könnten sogar 2000 Euro die Messlatte sein. "Denn der Wörthersee ist Goldes wert", weiß Andreas Tischler aus Erfahrung.

Herbert Koch steht das Bombengeschäft damit zumindest in Aussicht. Gewiss ist, das die Diskussionen um den Kauf anhalten. Schon deshalb, weil der einstige Kauf der Liegenschaft von der Soko Hypo geprüft werden wird. Andreas Miklautz, Höhenwirt am Pyramidenkogel, hatte das Grundstück der Hypo um 6,2 Millionen Euro verkauft und das Hotel Lamplwirt in Dellach am Wörthersee-Südufer gleich dazu. Der Millionen-Deal war stets von Gerüchten begleitet. "Kulterer wollte mehrere Fünfstern-Hotels am Wörthersee realisieren", erinnert sich Koch, der Mitte 2004 über Nacht von Jörg Haider als Hypo-Aufsichtsratschef abgelöst wurde. "Es gab Strategie-Unterschiede, da zog ich die Konsequenzen", so Koch. Auch hätten er und Kulterer sich "gegen Haiders Pläne zur Fußballverein-Finanzierung gestellt. Kulterer war gar nicht der lange Arm Haiders sondern hat sich oft gegen Haider gestellt, aber das glaubt in Wien keiner. Da schießt man gleich mit Feuerwerfern auf die Hypo."

Rumänien-Partner

Keinen Erklärungsbdarf sieht Koch für seine Beteiligung am Hypo-Deal mit Tilo Berlin. Das sein ein korrektes Geschäft gewesen. Es habe auch nichts mit dem Grundstückkauf zu tun, dass Koch gemeinsam mit Kulterer an dessen rumänischer Agrar-Firma Agroeast beteiligt ist. Rein zufällig ebenfalls Agroeast-Gesellschafter: Andreas Miklautz, der Vorbesitzer der Seevilla.

ADOLF WINKLER

Foto

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Herbert Koch Foto © APA

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Mit Schuldsprüchen und Haftstrafen von 2,5 bzw. 2 Jahren endete am Freit...Bewertet mit 4 Sternen

 

Serie "Die Akte Hypo"

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Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

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Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

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Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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